Tischtennis-WM Sie nennen ihn Wunderkind

Erreichte bei der Tischtennis-WM in Düsseldorf das Viertelfinale: der 13 Jahre alte Tomokazu Harimoto.

(Foto: Patrik Stollarz/AFP)
  • Tomokazu Harimoto erreicht mit 13 Jahren als jüngster Teilnehmer der Historie das Viertelfinale einer Tischtennis-WM - erst der Weltranglistendritte stoppt ihn.
  • Harimotos Eltern sind Chinesen, doch fünf Jahre vor der Geburt ihres Sohnes emigrierten sie nach Japan - Harimoto ist nun japanischer Staatsbürger.
  • Sein großes Ziel sind die olympischen Spiele 2020 in Tokio.
Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Zhang Zhihe war noch kein Jahr alt, als ihm seine Eltern einen Tischtennisschläger in die Hand drückten. Es gibt ein altes Foto, da sitzt er auf der Platte und versucht, die Bälle zu treffen, die ihm sein Vater Zhang Yu von der anderen Seite zuspielt. Später stellten die Eltern ihrem Kind einen Stuhl hinter die Platte. Der kleine Zhihe stellte sich auf diesen Stuhl und spielte Tischtennis. Dass er schon so früh ein so außergewöhnliche Talent zeigte, liegt sicher daran, dass sowohl seine Mutter Zhang Ling als auch sein Vater Zhang Yu einst chinesische Nationalspieler waren.

Zhihe galt schon früh als Wunderkind. Mit zehn machte er in der Branche erstmals weltweit von sich reden. Er könnte mittlerweile ein Star des chinesischen Tischtennis sein, wenn es da nicht ein kleines Problem gäbe: Zhang Zhihe wurde 2003 in der japanischen Stadt Sendai geboren, in die seine Eltern fünf Jahre zuvor emigriert waren. Zhihe wuchs in Sendai auf, und mit der japanischen Staatsbürgerschaft erhielt er einen japanischen Namen: Tomokazu Harimoto. Ende dieses Monats wird er 14 Jahre alt. In seinen Adern fließt chinesisches Blut. Trotzdem ist er Japans größter Stolz.

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Harimoto sprengt einen Rekord nach dem anderen

Bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf sprachen die Kontrahenten aus aller Welt sehr respektvoll über den 13-Jährigen. Gleichwohl hatten alle seine Gegenspieler angekündigt, nicht gegen "das Kind" verlieren zu wollen. Sie waren dann aber leider chancenlos gegen das Kind. Der Belgier Cedric Nuytinck, der japanische Weltranglisten-Sechste Jun Mizutani, der Taiwaner Liao Cheng-Ting und der Slowake Lubomir Pistej, sie alle haben gegen Harimoto haushoch verloren. Dieses Kind ist ein Tischtennis-Riese.

Sonntag, 20 Uhr, Messehalle, Düsseldorf: Der Jüngste spielt bei der WM das späteste Viertelfinale. Harimoto gegen den Weltranglisten-Dritten Xu Xin. Die Chinesen haben die besten Spieler der Welt, der Weltranglistenzweite Fan Zhendong zum Beispiel ist selbst erst 20 Jahre alt, aber Harimoto ist noch ein anderes Kaliber. Er liefert Xu Xin ein enges Spiel. Er ringt dem 27-Jährigen alles ab, muss sich am Ende aber mit 1:4 geschlagen geben. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird Harimoto die Chinesen besiegen können. Die WM war für ihn am Sonntagabend zuende, aber seine Karriere hat erst begonnen.

Harimoto wurde bei der Weltmeisterschaft als eines der größten Talente in der Geschichte des Tischtennis gefeiert. Er war im vergangenen Dezember jüngster Junioren-Weltmeister und stieß in Düsseldorf als jüngster WM-Teilnehmer der Historie in ein Viertelfinale vor. Harimoto sprengt einen Rekord nach dem anderen. 2020 will er in Tokio (mit dann 17 Jahren) Olympiasieger werden. Dass ausgerechnet ein kleiner Chinese mit japanischem Namen Chinas Asse angreift, wird in der stärksten Tischtennis-Nation der Welt skeptisch gesehen.