Tischtennis in Frankfurt:Mit Ma Long in der stockdunklen Halle

Tischtennis in Frankfurt: Eine echte Bekanntheit schaut in Frankfurt vorbei: Auch Ma Long aus China tritt in der Ballsporthalle an - neben anderen Größen wie Fan Zhendong oder Dimitrij Ovtcharov.

Eine echte Bekanntheit schaut in Frankfurt vorbei: Auch Ma Long aus China tritt in der Ballsporthalle an - neben anderen Größen wie Fan Zhendong oder Dimitrij Ovtcharov.

(Foto: Liu Xu/dpa)

In der Frankfurter Ballsporthalle steigt das bisher höchstdotierte Tischtennis-Event Deutschlands - dabei war der deutsche Verband von der Turnierserie erst gar nicht begeistert. Jetzt hat man sich arrangiert und erwartet eine beeindruckende Show.

Von Ulrich Hartmann

Vor drei Jahren hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) eine damals neue globale Turnierserie namens "World Table Tennis" (WTT) heftig kritisiert, ihre Rechtmäßigkeit angezweifelt und dadurch einen Disput mit dem Weltverband ITTF provoziert. Nachdem sich der DTTB zwischenzeitlich versöhnt hat mit der ITTF, ist er nun selbst Gastgeber eines solchen hochkarätigen Turniers.

Ab Sonntag spielen die jeweils 32 weltbesten Spielerinnen und Spieler in einer Mehrzweckarena im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach. Das WTT-Champions-Turnier in der "Ballsporthalle" ist mit 500 000 Dollar Preisgeld das höchstdotierte Tischtennisturnier, das je auf deutschem Boden stattgefunden hat. Jeder Teilnehmer hat 4250 Dollar Preisgeld sicher, die Sieger erhalten jeweils 30 000 Dollar.

Bei den Männern starten unter anderem der chinesische Weltmeister Fan Zhendong, der chinesische Olympiasieger Ma Long sowie der deutsche Europameister Dang Qiu nebst den weiteren Deutschen Dimitrij Ovtcharov, Patrick Franziska, Benedikt Duda, Timo Boll und Ruwen Filus. Bei den Frauen sind unter anderem die chinesische Weltmeisterin Sun Yingsha, die chinesische Olympiasiegerin Chen Meng sowie die deutsche Europameisterschaftszweite Nina Mittelham nebst den weiteren Deutschen Han Ying, Shan Xiaona, Sabine Winter und Annett Kaufmann zu sehen.

"Die Essenz" des Tischtennis nennt der DTTB-Sportdirektor Richard Prause das hochkarätige Teilnehmerfeld. "Dieses Turnier ist so schwer zu gewinnen wie Olympia oder eine Weltmeisterschaft", sagt Dang Qiu, 26, gemäß Weltrangliste derzeit zweitbester deutscher Spieler hinter Ovtcharov.

Tischtennis in Frankfurt: Auch er hat zugesagt: Dimitrij Ovtcharov, den viele Deutsche von seinen Auftritten bei Olympia kennen.

Auch er hat zugesagt: Dimitrij Ovtcharov, den viele Deutsche von seinen Auftritten bei Olympia kennen.

(Foto: Kin Cheung/AP)

Das Turnierformat "WTT Champions" hat exklusive Charakteristika: ausschließlich Einzel bei Männern und Frauen, als Blickfang und Center-Court die ganze Woche nur ein einziger Tisch, das Interieur dunkel, vier Gewinnsätze erst ab dem Halbfinale. "Mir gefällt es, solche Turniere an nur einem Tisch in einer riesengroßen Halle zu spielen", sagt Han Ying, "mir gefallen auch die Lichteffekte in der ansonsten stockdunklen Halle, das ist eine richtige Show."

Als der Weltverband 2019 für Turniere mit solcher Show sein WTT-Format ins Leben rief, reagierte der DTTB zunächst verschnupft. Man fürchtete durch zu viele Wettbewerbe eine Überlastung der Spieler und sah die deutsche Bundesliga ebenso gefährdet wie den eigenen internationalen Einfluss. Im Herbst 2020 schrieb er einen empörten Offenen Brief und ließ die Rechtmäßigkeit der WTT-Aktivitäten juristisch abklopfen.

Zwei Präsidentinnen versöhnen sich - deshalb klappt es nun in Frankfurt

Erst zwei Jahre später versöhnte sich der DTTB mit der ITTF, nämlich die neue DTTB-Präsidentin Claudia Herweg mit der neuen ITTF-Präsidentin, der Schwedin Petra Sörling. Deutschland erhielt den Zuschlag für ein WTT-Turnier und vergab es nach Frankfurt. Dafür verzichtete man auf eine geplante Bewerbung für die Einzel-WM 2025. Diese findet nun in Katar statt.

Der DTTB besitzt die Option auf ein weiteres Champions-Turnier, würde im umfangreichen WTT-Kalender aber gern eine noch größere Rolle spielen. Für die höchste Turnierkategorie "Grand Smash", die wie der Grand Slam beim Tennis vier Mal pro Jahr an festen Orten stattfinden soll, interessiert sich auch der DTTB und stößt damit auf Gegenliebe im Weltverband.

Die Präsidentin Herweg sagte kürzlich über Bewerber für diese Serie: "Singapur, auf jeden Fall eine chinesische Stadt, eventuell Melbourne und auch wir wollen dabei sein - mit Berlin oder München." Am Donnerstag untermauerte sie diese Absicht: "Wir haben vor, wieder das ,Champions' auszurichten - dann sogar noch ein bisschen besser - und zu prüfen, ob das höchste Level ,Grand Smash' ebenfalls möglich wäre."

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