Tennis:WTA setzt wegen Peng Shuai alle China-Turniere aus

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Tennis: Hatte von sexuellem Missbrauch berichtet: Peng Shuai, hier bei einem Turnier in Australien. (Archivbild)

Hatte von sexuellem Missbrauch berichtet: Peng Shuai, hier bei einem Turnier in Australien. (Archivbild)

(Foto: WILLIAM WEST/AFP)

Die chinesische Spielerin hatte im Internet berichtet, von einem Politiker sexuell missbraucht worden zu sein. Danach verschwand sie für mehrere Wochen. Nun reagiert der internationale Spielerinnen-Verband.

Die Vereinigung professioneller Tennisspielerinnen WTA setzt wegen des Falls Peng Shuai alle Tennis-Turniere in China und Hongkong mit sofortiger Wirkung aus. Dies gab Steve Simon, Vorsitzender der Spielerinnen-Organisation, am Mittwoch bekannt.

"Ich kann unsere Athletinnen nicht guten Gewissens bitten, dort anzutreten, wenn Peng Shuai nicht frei sprechen darf und anscheinend unter Druck gesetzt wurde, ihren Vorwurf der sexuellen Übergriffe zurückzunehmen", sagte Simon. Der WTA-Chef zeigte sich zudem besorgt um die Sicherheit von Spielerinnen und Betreuern.

Die 35-jährige Peng Shuai hatte Anfang November in dem Twitter-ähnlichen Medium Weibo berichtet, vom ehemaligen chinesischen Vizepremier Zhang Gaoli sexuell missbraucht worden zu sein. Der Eintrag wurde ebenso gelöscht wie zahlreiche Internet-Einträge über Peng, von der danach mehr als zwei Wochen jede Spur fehlte. Spätere Äußerungen wertete die WTA als unter Zwang getätigt, , Internetclips, die Peng angeblich an einem sicheren Ort zeigten, verschwanden wieder.

"Auch wenn wir jetzt wissen, wo sie sich aufhält, habe ich ernsthafte Zweifel daran, dass sie frei und sicher ist - und nicht Zensur, Zwang und Einschüchterung ausgesetzt", sagte Simon in seinem ausführlichen Statement. "Die WTA hat sich klar dazu geäußert, was notwendig ist, und wir wiederholen unsere Forderung nach einer vollständigen und transparenten Untersuchung ohne Zensur." Er bewundere Pengs "Stärke und ihren Mut", die WTA werde alles tun, um ihre Athletinnen zu schützen - "unabhängig von finanziellen Folgen".

Prominente, nicht nur aus dem Tennis, hatten sich öffentlich für Peng Shuai eingesetzt. Zuletzt schaltete sich auch die Europäische Union ein und forderte einen "überprüfbaren Beweis" für Aufenthaltsort und Wohlergehen der Spielerin. Thomas Bach, deutscher Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), führte mit Peng ein Video-Telefonat, musste sich aber danach den Vorwurf anhören, er habe sich instrumentalisieren lassen.

China schwieg lange und äußerte sich dann doch. "Ich denke, einige Leute sollten aufhören, dieses Thema absichtlich und böswillig zu überhöhen, geschweige denn zu politisieren", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian: "Ich denke, Sie alle haben gesehen, dass sie neulich öffentliche Veranstaltungen besucht und einen Videocall mit Thomas Bach geführt hat." Im WTA-Turnierkalender standen vor Pandemiebeginn neun China-Events (2019), das Riesenreich ist einer der größten Zielmärkte des Damentennis.

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