Lukas Podolski hat bereits zehn Medaillen für das "Tor des Monats" erhalten, kein Spieler ist häufiger ausgezeichnet worden, und wenn die Wähler den Schützen für Oktober küren, dann wird der Kölner Angreifer wohl seine elfte Ehrung bekommen.
Der Hannoveraner Sergio Pinto, nachdem er erkannt hatte, dass sein wunderbares Tor nicht zählt.
(Foto: dpa)Sein Schuss zum 2:0 gegen Hannover 96 schien einer Explosion von 1000 roten Dynamitstangen zu gleichen. Trotzdem war es kein roher Gewaltakt, sondern ein typisches Podolski-Kunstwerk und deshalb aus Gründen der Kultur erfreulich, dass kein Schiedsrichter mit einem Pfiff aus seiner Pfeife störte, und dass auch kein Linienrichter die Fahne hob. Gerecht gegen die Hannoveraner war es allerdings nicht. Das Tor, das den Kölner 2:0-Sieg besiegelte, hätte aus Gründen der Gleichheit nicht zählen dürfen.
Im Grunde war es zwar unerheblich, dass sich Podolskis Kollege Adil Chihi in Abseitsstellung befand - der Ball wäre auch ins Netz geflogen, wenn sich Chihi zum Reibekuchenstand begeben hätte. Aber Chihi stand eben auf die gleiche unerhebliche Weise im Abseits wie eine viertel Stunde vorher Hannovers Didier Ya Konan beim Torschuss von Sergio Pinto, der das 1:1 bedeutet hätte. Chihis passives Abseits wurde nicht geahndet, Ya Konans passives Abseits schon.
Der eine Linienrichter ließ die Fahne unten, der andere nicht, aber beide haben laut Gesetz korrekt gehandelt. "Wie kann das sein? Ich verstehe das nicht. Dafür gibt es kein Verständnis", klagte Pinto, als befände er sich mitten in einer antiken Tragödie.
Die Antwort, die am nächsten Tag Lutz-Michael Fröhlich gab, wird seinen Schmerz nicht gelindert haben. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter, inzwischen Schiedsrichterfunktionär beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), beurteilte die Sache als "Grenzfall", die irgendwo im "Ermessensspielraum" des Aufsehers liege. Weil es an diesem Wochenende aber vier solcher Grenzfälle gegeben hatte, zwei in Köln, einer in Mainz (beim aberkannten Tor des Mainzers Müller) und einer in Bremen (beim anerkannten Tor des Dortmunders Owomoyela), ist Unruhe in der Liga entstanden.
Warum niemand glücklich ist über den neuen Umgang mit dem passiven Abseits, das hat der Mainzer Manager Heidel formuliert: "Das ist doch ein Lotteriespiel."


