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Stefan Kießling zum Phantomtor:"Den Einschlag hab ich nicht gesehen"

Stefan Kießling

"In dem Stadion haben es 30.000 Leute nicht gesehen, und ich gehöre dazu": Stefan Kießling.

(Foto: dpa)

Erstmals äußert sich Stefan Kießling ausführlich zu seinem Phantomtor von Hoffenheim. Der Leverkusener Stürmer sagt, dass er die Situation nicht genau erfasst habe und selbst überrascht war, dass der Ball im Tor lag. Chelsea-Trainer Mourinho wundert sich, dass die Bundesliga keine Technik einsetzt.

Stefan Kießling hat sich erstmals ausführlich zu dem von ihm erzielten Phantomtor geäußert. Auf der Internetseite von Bayer Leverkusen wehrte er sich gegen den Vorwurf, er hätte noch auf dem Spielfeld die Szene aufklären und Schiedsrichter Felix Brych berichten müssen, dass der Ball durch ein Loch im Außennetz ins Tor gelangt war.

"In dem Stadion haben es 30.000 Leute nicht gesehen, und ich gehöre dazu", sagte Kießling. "Ich hab den Ball Richtung Außennetz fliegen sehen, klar, das war so die Richtung. Aber den Einschlag hab ich nicht gesehen. Als ich mich dann gedreht habe, war der Ball im Tor. Das war für mich genau so überraschend, wie für alle anderen auch."

Er habe das Schiedsrichter Brych auch so gesagt und auf dessen Nachfrage angefügt, er wisse nicht, wie der Ball ins Tor gelangt sei.

Zuletzt mehrten sich die Stimmen, die nach Ansicht der TV-Bilder Kießling unterstellten, er habe die Szene gesehen, sich aber nicht geäußert und wider besseres Wissen die Anerkennung des Tores geduldet. Sein Kopfball nach 77 Minuten war durch ein Loch im Außennetz des Hoffenheimer Tores ins Gehäuse gelangt, Schiedsrichter Brych entschied daraufhin auf Tor, Leverkusen führte 2:0 und gewann schließlich 2:1.

Doofes Loch im Tor

Kießling zeigt sich verletzt durch die Härte der Vorwürfe: "Wenn das wirklich der Fall gewesen wäre, dass ich gesehen hätte, dass da ein Loch drin war und dass der Ball dadurch so ins Tor gegangen ist, dann wäre ich der Letzte, der nicht gesagt hätte: Der ist durch so ein doofes Loch ins Tor gefallen."

Leverkusens Sportchef Rudi Völler verteidigte seinen Stürmer: "Im ersten Moment, wenn man das im Fernsehen sieht, dann ist man als Außenstehender sicher bereit zu sagen: 'Hätte er nicht zugeben können, wie es gewesen ist?'" Er habe aber direkt nach dem Spiel mit Kießling gesprochen. "Er hat zuerst die Wahrnehmung gehabt, dass es kein Tor war. Aber danach hatte er das Gefühl, dass der Ball doch drin war - und er war ja auch irgendwie im Netz."

Vor dem Champions-League-Spiel in Schalke kommentierte auch Chelsea-Trainer José Mourinho die Szene. Er verstehe nicht, warum die Bundesliga nicht ähnlich wie die englische Premier League eine Torlinientechnik einsetze. "Ich kann nicht verstehen, warum die Bundesliga nicht ein paar Millionen Euro in diese Technik investiert. Deutschland ist ein reiches Land und die Finanzkrise hat sich hier nicht so ausgewirkt. Es dürfte also kein Problem sein. Die Bundesliga sollte diese Torlinientechnik haben", sagte er nach seiner Ankunft am Düsseldorfer Flughafen.

Die Premier League setzt auf das sogenannte Hawkeye, einer Kameratechnik, die an der Torumrandung eingesetzt wird. Der Weltverband Fifa hingegen nutzt das deutsche Konkurrenzprodukt GoalControl, hier erfassen 14 Hochgeschwindigkeitskameras, die etwa unter dem Stadiondach angebracht werden, die Position des Balles in 3-D.

Der 50 Jahre alte Portugiese meinte auf die Frage, wie er sich in dieser Situation verhalten hätte: "Wenn ich Trainer von Bayer Leverkusen wäre, würde ich ein Wiederholungsspiel fordern. Und wenn ich Trainer von Hoffenheim wäre, würde ich dasselbe tun." Ob es dazu kommen wird, muss wohl die Fifa entscheiden. Leverkusen hat angekündigt, jeden Beschluss dazu zu akzeptieren.

© SZ.de/hum/dpa/lala

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