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Start der Diamond League:Mancher Starter muss draufzahlen

Arne Gabius, Deutschlands Bester im Langstreckengewerbe, kam im vergangenen Jahr über die 5000 Meter mal als Elfter, mal als Zwölfter ins Ziel, es waren gute Platzierungen gegen starke Mitbewerber, aber einen zwölften Platz prämiert die IAAF eben nur noch mit 300 Dollar; abzüglich Steuern bleiben rund 150 übrig. Viele junge, talentierte Kollegen treten mittlerweile fast exklusiv bei besser dotierten Straßenläufen an, hat Gabius beobachtet, "die können sich die Diamond League einfach nicht leisten". Manche Veranstalter erstatten nicht sämtliche Kosten für Flug und Hotel. Dann wird die Premiumserie zum Zuschussgeschäft.

Es muss sich etwas verändern, da sind sich die meisten einig, nicht nur beim Preisgeld, auch bei der Präsentation. Aber wie reformiert man eine Serie, ohne den Charakter der Sportart zu verwässern? Den Springern weniger Versuche gestatten, um die Zeitpläne zu straffen und mehr Disziplinen unterzubringen? "Stabhochsprung ist sehr anspruchsvoll", sagt Renaud Lavillenie, der Weltrekordhalter aus Frankreich, das sei ohne limitierte Versuche schon schwer genug. Den Sport auf den Marktplatz und zu den Menschen tragen? Weniger Meetings, als Zugabe eine "Straßen-Serie" schaffen, wie sie Sebastian Coe vorschlägt, der Anwärter auf den IAAF-Präsidentenposten?

"Wir dürfen nicht glauben, dass die Straße unsere Zukunft ist", sagt Lavillenie, "es ist etwas völlig anderes, vor 3000 Zuschauern in der Stadt oder vor 80 000 im Stadion zu springen, im Einklang mit den anderen Disziplinen". Gabius glaubt derweil, dass sich bereits mit kleinen Änderungen große Wirkung erzielen ließe. Derzeit tragen die Athleten oft einheitliche Trikots, "da läuft dann Neon gegen Neon", sagt Gabius. Warum könne man dem Führenden der Gesamtwertung nicht ein unverwechselbares Leibchen überstülpen, wie in anderen Sportarten? "Wir haben tolle Wettkämpfe", sagt Gabius, "aber wir müssen die richtig transportieren."

Derzeit lässt sich an der Diamond League vor allem ablesen, wie groß der Reformstau im Leichtathletik-Weltverband tatsächlich ist. Vorschläge gibt es, doch die verstauben seit Jahren in den Gremien. Lamine Diack, scheidender Präsident, lässt auf Anfrage ausrichten: "Wenn man ein Projekt initiiert, das 14 Wettkämpfe in elf Ländern vereint, wird man immer auf Herausforderungen treffen." Trotzdem habe die Serie "die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wie keine andere Leichtathletik-Veranstaltung ergriffen", Olympische Spiele und große Meisterschaften ausgenommen.

Gabius ist sich da nicht so sicher, neulich hat er ein paar Sportfreunden von seinen Wettkämpfen in der Diamantenserie erzählt. "Die hatten davon noch nie gehört", sagt er. "Die dachten, es geht um Diamantenkartelle."

© SZ vom 15.05.2015/ska
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