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Start der 3. Liga:Noch mehr Zulauf trotz Abstieg

So subkutan und kunstvoll hatte noch nie einer die Pyrotechniker unter den Fans mit Alkoholikern verglichen. Jene Knallfrösche, die es in den Zweitligafinals gegen Aue und Bielefeld krachen ließen, haben dem Verein im Übrigen eine zehnmonatige Bewährungsstrafe eingehandelt, bei erneuten Vergehen droht ein Teilausschluss des Publikums.

Der Verein hingegen hat nach dem Abstieg zusätzlichen Zulauf verzeichnet, und das ist Hoffnungsschimmer Nummer zwei. Dynamo ist gelungen, was zuletzt nur der FDP nach der Bundestagswahl im vergangenen Herbst gelungen war - trotz Abstiegs ist die Zahl der Mitglieder gestiegen. Mit 14 660 verbürgten Anhängern ist Dynamo der mitgliederstärkste Verein Ostdeutschlands. Auch die Dauerkartenmeisterschaft der dritten Liga hat Dynamo schon gewonnen, der erste Titel der Saison für mehr als 10 000 verkaufte Tickets.

Und am Freitag teilte Pressesprecher Henry Buschmann zwar mit, das für das Heimspiel an diesem Samstag gegen die zweite Mannschaft des VfB noch keine einzige Karte nach Stuttgart verkauft worden sei. Erwartet werden dennoch 18 000 Zuschauer, was einmal mehr beweist, dass den Dresdnern die jeweilige Spielklasse von Dynamo immer auch ein bisschen wurscht ist. Für einen Verein, dessen Etat sich auf 10,4 Millionen Euro fast halbiert hat, ist bei der Kalkulation von Einnahmen auch dies ein Hoffnungsschimmer: Man kann sich fast darauf verlassen, dass die Fans auch gegen die SG Sonnenhof Großaspach in stattlicher Zahl anwesend sein werden, und sei es nur aus Neugier.

Vorerst gibt es für die Neugier aber genug im eigenen Verein zu entdecken. Trainer Stefan Böger, vorher Übungsleiter der U16 beim DFB, und Sportdirektor Ralf Minge haben mit Bedacht einen kleinen Kader mit jungen Spielern gezimmert und gleichzeitig die Erwartungen der Fans an mindestens drei entscheidenden Punkten klug einberechnet: Kapitän wird Christian Fiel, neben dem es für das in dieser Frage monotheistische Publikum keinen anderen Fußballgott geben kann; das Saisonziel lautet Leidenschaft, die vielen wichtiger ist als die Platzierung; und drittens: Das Stadion trägt den offensiv ungelenken Interims-Namen "Stadion Dresden", damit es bei einer neuerlichen Umbenennung durch Sponsoren keinen Knatsch gibt.

Was der komplett umgebaute Kader hergibt, vermag in Dresden niemand vorherzusagen. Trotz dieser Ahnungslosigkeit addieren sich die vielen Hoffnungsschimmer aber zu so etwas wie Vorfreude, exemplarisch bei Zugang Nils Teixeira, 24. Dieser hat angekündigt, in Dresden nicht nur sportlichen Erfolg finden zu wollen, sondern auch privates Glück. Wen es interessiert: Teixeira sucht eine Frau, "so zwischen 18 und 45".

© SZ vom 26.07.2014/jbe

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