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Start der 3. Liga:Brause in Leipzig, Bier in Dresden

Dynamo Dresden - Team Presentation

Gelbe Kraft: Profis von Dynamo Dresden beim Fototermin.

(Foto: Ronny Hartmann/Getty Images)

Sechs Vereine aus Ostdeutschland spielen in dieser Saison drittklassig. Das weckt Erinnerungen an sehr alte DDR-Oberliga-Zeiten.

In der vergangenen Woche gab es vom Trainingsgelände der SG Dynamo Dresden ein bedeutsames Comeback zu vermelden: Ingrid Beier, 84, hatte nach einer Knie-OP zwar sieben Wochen pausieren müssen und fehlte fast die komplette Vorbereitung. Rechtzeitig vor dem Saisonauftakt an diesem Samstag aber stand die Dynamo-Oma wieder am Trainingsgelände, mit neuem Gelenk und guter Laune, getragen zwar noch von Krücken, aber immerhin. Ein gutes Omen, mindestens.

Beier ist dem erweiterten Kader von Dynamo zuzurechnen, und sieht man von ihr einmal ab, ist in diesem fast kein Bein auf dem anderen geblieben. 19 Spieler haben den Verein nach dem Abstieg aus der zweiten Liga in der Sommerpause verlassen, darüber müde lächeln können sie eigentlich nur beim ebenfalls abgestiegenen FC Energie Cottbus, in dessen Umkleide 23 Spindschilder zu entfernen waren. Wenn Vereinen und Fans die dritte Liga trotz solch gewaltiger Umbauten irgendwie bekannt vorkommt, dann liegt das an deren Zusammenstellung.

Sechs Vereine aus Ostdeutschland spielen in dieser Saison drittklassig, darunter die ersten fünf der letzten Spielzeit der DDR-Oberliga. Allein der Mitteldeutsche Rundfunk ist, wenn man so will, mit vier Vereinen aus dem Sendegebiet vertreten. So viele ostdeutsche Vereine spielten nie zugleich in Liga drei, so kann man es sehen. Andererseits bedeutet es eben auch, dass vom Osten in den beiden Oberhäusern nicht viel geblieben ist, namentlich nur die Zweitligisten Erzgebirge Aue, Union Berlin und RB Leipzig, und was heißt das schon?

Das tapfere Aue ist eine Art gallisches Dorf, das selbst von Landesministerien gerne mal vergessen wird, wenn es gilt, in offiziellen Broschüren eine Sachsenkarte zu zeichnen. Und RB Leipzig bewerten viele Nicht-Leipziger zwar insgeheim als wohltuend für den Fußball-Osten, nach außen geschmäht wird der Verein trotzdem: als mutmaßlich österreichischer Bundesligist, dem man bestenfalls im Europapokal einmal begegnen könnte.

In Dresden hatte es die begründete Befürchtung gegeben, im Schatten von RB Leipzig durch alle möglichen Raster zu fallen, nun sind die Hoffnungsschimmer zwar zart, aber zahlreich. Einen ersten solchen Schimmer sah man in der Verpflichtung von Feldschlößchen als neuem Hauptsponsor. Brause in Leipzig, Bier in Dresden, damit ist schon ein Großteil sächsischer Fankultur erklärt. Wie gut der langjährige Partner zu Dynamo passt, das fasste Feldschlößchen-Vorstand Mike Gärtner neulich in einem im Grunde wahnsinnigen Satz zusammen: "Man kann nicht alles verbieten, nur weil es ein paar gibt, die es missbrauchen . . . da geht es uns als Brauerei ganz ähnlich."

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