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SpVgg Greuther Fürth:Graumeliert zurück­gemeldet

18.10.2019 - Fussball - Saison 2019 2020 - 2. Fussball - Bundesliga - 10. Spieltag: SpVgg Greuther Fürth ( Kleeblatt ) -

Wieder mittendrin: Daniel Keita-Ruel (Mitte) nach seinem Führungstreffer gegen Dresden mit Sturmkollege Havard Nielsen (rechts) und Paul Seguin.

(Foto: imago)

Daniel Keita-Ruel schien unverzichtbar zu sein, doch plötzlich saß er auf der Bank. Nun hat Trainer Leitl eine Formation ausgetüftelt, in der er Platz findet.

Von Thomas Gröbner

Eigentlich hätte Fürths Trainer Stefan Leitl stutzig werden müssen, als Daniel Keita-Ruel plötzlich mit grauem Haar auftauchte. Denn der Angreifer gilt in Fragen der Mode und des Geschmacks ja als versiert, schließlich modelt er für Klamotten-Labels, zuletzt für den Rapper Farid Bang, in dessen Kollektion er im Sommer posierte. Und nun plötzlich diese Frisur?

Nun, Keita-Ruel trägt das Haar nicht freiwillig graumeliert, sondern weil der 30-Jährige gegen den Ersatztorwart Marius Funk ein Wettschießen verloren hat. Nicht gerade eine Empfehlung für einen Stürmer, der zuletzt seinen Platz verloren hatte in der Elf von Stefan Leitl. Aber Keita-Ruel spielte dann dennoch - und traf doppelt (8., 38.). Mit seinen Toren gegen Dresden beendete er wohl vorerst die Wochen, in der im Umfeld schon von einer "Krise" geraunt wurde. "Dass das Wort Krise aufgetaucht ist, bei den Gegnern, die wir hatten, kann ich nicht verstehen", beschwerte sich Trainer Leitl hinterher.

"Die letzten Wochen waren hart für uns", gab Keita-Ruel zu. Drei Spiele ohne Punkte und mit einer Tordifferenz von 0:7 nach den Niederlagen gegen Stuttgart, Kiel und Hamburg schleppte sich Fürth in die Länderspielpause. In der suchte Stefan Leitl nach der Formel, die seine Mannschaft stabilisieren sollte. Denn das Kleeblatt war aus der Balance geraten. Vorne ließen sich die Gegner nicht mehr von den Pressingläufen beeindrucken, die immer weniger giftig ausfielen. Und hinten ließ die Defensive um Kapitän Marco Caligiuri und Mergim Mavraj immer wieder Chancen zu.

"Die Offensiven müssen einfach mehr nach hinten arbeiten", hatte Torwart Sascha Burchert deshalb eingefordert, und er auch Keita-Ruel durfte sich davon nicht ausnehmen. Doch nach seinen beiden Toren dürfte der Angreifer wieder Argumente gesammelt haben für einen Platz in der Startelf. Dabei schien er nach der vergangenen Saison unverzichtbar zu sein, mit zehn Treffern war er der Garant für einen Höhenflug des Kleeblatts im Herbst, in dieser Saison steht er nun schon bei fünf Toren. Und Keita-Ruel ist auch einer, der sich mit seinem breiten Kreuz vor die Mannschaft stellt und mit seiner Erfahrung die oft recht jugendliche Elf führen kann.

Auch nach dem Sprung auf Platz sechs weiß man nicht so richtig, wozu die Mannschaft imstande ist

Dass er sich trotzdem plötzlich auf der Bank saß, "das war neu für mich, aber ich habe es akzeptiert", sagte er zur Nürnberger Zeitung. "Es hat mich nicht runtergezogen." Das letzte Mal über 90 Minuten hatte Keita-Ruel am zweiten Spieltag gegen St. Pauli spielen dürfen - und auch damals zwei Tore erzielt. Doch seit der Ankunft des ehemaligen Bundesliga-Angreifers Branimir Hrgota (Gladbach, Frankfurt) schmolzen die Einsatzzeiten von Keita-Ruel zusammen. "Wir haben dieses Mal mit zwei Spitzen gespielt, das hat gut funktioniert", warb Keita-Ruel für die neue taktische Ausrichtung, in der Havard Nielsen hinter den beiden Spitzen Keita-Ruel und Hrgota lauerte. Damit scheint Leitl eine Formation gefunden zu haben, in denen alle drei Stürmer ihren Platz finden. Voll des Lobes ist Keita-Ruel für seinen Nebenmann und Konkurrenten Hrgota: "Er ist ein Ausnahmespieler, das sieht man in jeder Aktion. Wir haben bisher noch nicht so oft zusammengespielt, aber verstehen uns im Training fast schon blind." Auch wenn Keita-Ruel zuletzt öfters zuschauen musste: "Ich habe mich gefreut, dass er im Sommer zu uns gekommen ist."

Auch nach dem Sieg gegen Dresden und den Sprung auf Tabellenplatz sechs weiß man in Fürth im Moment nicht so richtig, wozu die Mannschaft imstande ist. Auch deshalb ruft Leitl das nächste Spiel in Osnabrück am Sonntag (13.30 Uhr) als "richtungsweisend" aus. Bei einem Sieg, "da können wir uns in der oberen Tabellenhälfte festsetzen". Sollt das nicht gelingen, warnt er, "dann geht die Sache wieder von vorne los".

© SZ vom 25.10.2019

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