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SpVgg Greuther Fürth:Auch mit Birne

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„Ich gehöre nicht in die dritte Liga“, findet Daniel Keita-Ruel.

(Foto: imago)

Der ehemalige Gefängnisinsasse Daniel Keita-Ruel trifft beim 3:1 von Fürth gegen Sandhausen zweimal in drei Minuten.

Er breitete die Arme aus, in der Pose des Erlösers stand er am Elfmeterpunkt. Am Samstagnachmittag hat Daniel Keita-Ruel einen weiteren Schritt gemacht auf seinem Weg, hinaus aus der Enge einer acht Quadratmeter kleinen Zelle im Hochsicherheitstrakt der JVA Wuppertal in die Stadien der zweiten Bundesliga. Mit seinen beiden Toren binnen drei Minuten hatte er gerade im Alleingang die Auftaktpartie seiner Fürther gegen den SV Sandhausen gedreht: Am Ende siegte die SpVgg Greuther Fürth mit 3:1.

"Sie können mich so lange einsperren, wie sie wollen. Aber mein Talent können sie mir nicht nehmen." Diesen Satz sagte der ehemalige Gefängnisinsasse vor einem Jahr, als er bei Fortuna Köln in der dritten Liga wieder Fußballprofi wurde. In den Katakomben des Fürther Stadions sagte Keita-Ruel diesmal: "Ich komme zwar von einem Drittligisten, aber jeder weiß, was ich draufhabe. Jeder wusste, ich gehöre nicht in die dritte Liga." Sein Auftritt am Samstag war ein Beleg dafür.

"Der Trainer sieht mich als Krieger, der vorneweg marschieren soll."

Dabei galt seine Verpflichtung als Wagnis, schließlich ist Daniel Keita-Ruel ein verurteilter Mann, wegen Raubes in vier Fällen, drei davon beurteilte das Gericht als schwer. Fast vier Jahre lang saß der heute 28-Jährige im Gefängnis. Heute trägt Keita das Wort "Liberté" auf dem Arm tätowiert und die Postleitzahl 105, er ist aufgewachsen in Wuppertal Elberfeld-West. Über den Bolzplatz führte der Weg zum Wuppertaler SV, dann zu Borussia Mönchengladbach. Es ging schnell nach oben, aber für Keita-Ruel vielleicht nicht schnell genug.

In Gladbach soll Max Eberl zu Keita gesagt haben: "Von Hals bis Fuß bist du Bundesliga, aber in deiner Birne bist du Kreisliga." Tatsächlich geriet seine Karriere ins Stocken, als ein Probetraining beim FSV Frankfurt scheiterte, und dann kam der Sommer 2011, der sein Leben verändern sollte. "Mir hat keiner eine Knarre an den Kopf gehalten, vielleicht war es jugendlicher Leichtsinn" sagt er heute, "ich hab mich manipulieren lassen."

Daniel Keita-Ruel zog los, zusammen mit Männern, die er kaum kannte, und streifte sich eine Sturmhaube über das Gesicht. Sie überfielen einen Kiosk, eine Modeboutique, zuletzt einen Baumarkt. "Big Boy und seine Bande" nannte sie der Boulevard später. Doch sie wurden von der Polizei überwacht. Als ein Sondereinsatzkommando die Bande 2011 schließlich stellte, mitten in Wuppertal, da drohten sie, ihn ins Bein zu schießen. Sie wussten, dass er Fußballer war.

Es folgten die Jahre in der JVA, nach guter Führung spielte er bald in der Gefängnismannschaft und im offenen Vollzug für Ratingen. Über Wattenscheid 09 und die Fortuna kämpft er sich wieder in den Profifußball zurück, 15 Tore gelangen ihm zuletzt in Liga drei.

In Fürth glauben sie an ihn. Und in Fürth suchen sie Spieler wie ihn. Solche, die irgendwann aus der Bahn geworfen wurden und die ihr Talent nicht ausspielen konnten. Sie sollen im beschaulichen Franken zur Blüte kommen. Fürths Trainer Damir Buric hatte sogar seinen Urlaub unterbrochen, er wollte um den Stürmer werben. Für eine festgeschriebene Ablösesumme von 250 000 Euro wechselte Keita-Ruel zu Fürth.

"Der Trainer sieht mich als Krieger, der vorneweg marschieren soll", so beschrieb er seine Rolle bei der Vorstellung in Fürth. Einen Krieger, so hatte ihn auch schon Fortunas Trainer Uwe Koschinat genannt. In Fürth trägt er jetzt viel Verantwortung - und die Hoffnung auf Tore. Denn nachdem Khaled Narey zum Hamburger SV weiterzog und Serdar Dursun nach Darmstadt weggelobt wurde, war das Sturmzentrum praktisch verwaist. Die Hoffnungen auf Tore, sie liegen nun auf den Schultern von Daniel Keita-Ruel.