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Sportimperium von Red Bull:Zwischen Genialität und Größenwahn

Dietrich Mateschitz: Besondere Visionen mit Red Bull im Sport

(Foto: imago sportfotodienst)

Formel 1, Fußball, das deutsche Eishockey: Red-Bull-Chef und Mäzen Dietrich Mateschitz hat im Sport immer noch viel vor. In einem neuen Trainingsareal in Salzburg verwirklicht er jetzt seine gigantische Vision von der Zukunft des Sports.

Über dem Eingang steht in vor langer Zeit aufgemalten Buchstaben "Gasthaus Gann" und "Landeshauptschießstand", drinnen sitzen alte Männer in alten Joppen an alten Gasthaustischen, in der Luft hängt Zigaretten-Zigarren-Gemisch, laut dem Tafelschild neben der Tür ist die frische Hirschwurst im Angebot; wie es aussieht, jeden Tag. Wenn das Wetter schön ist, kann man draußen sitzen, ein paar Meter weg von den Baggern, den schon fertigen Kunstrasenplätzen, man kann von hier aus gut das Logo sehen, das an einem der Gebäude hängt: das mit den zwei Bullen, die aufeinanderprallen.

Salzburg-Liefering, früher war hier mal eine Pferderennbahn, zu Tausenden sind die Leute manchmal hierhergeströmt, aber das ist schon ein paar Jahre her. Stehen geblieben ist nur das Gasthaus und drinnen die Zeit. Wer jetzt hierher will, muss über Feldwege durch Schrebergärten fahren, die Flut hat die Straße weggespült, es ist ein wenig mühsam, aber dann: kann man in der alten Welt sitzen und der neuen beim Wachsen zuschauen.

In Liefering, ausgerechnet. Hier hat alles angefangen, damals, im Sommer 1987, nur ein paar Straßen stadteinwärts.

Ochsengalle statt Zahnpasta

Dietrich Mateschitz aus Sankt Marein im Mürztal, Steiermark, vom Wirtschaftsmagazin Forbes geschätztes Vermögen vier Milliarden Euro, war 1987 ein 43-jähriger Österreicher, den niemand kannte. Ein paar Jahre vorher war er, Marketingdirektor der Zahnpasta-Firma Blendax, in Asien gewesen, er hatte da ein Getränk probiert, mit dem er den Jetlag überwand, es heißt "Krating Daeng" ("Roter Stier") und beinhaltet Koffein und Taurin, eine organische Säure, die aus der Galle eines Ochsen isoliert wurde. Mateschitz kaufte die Lizenzrechte, so ging das los mit Red Bull.

Und dann, an einem Sommertag 1987, der Auftritt in Liefering: im Hartlwirt.

Pressekonferenz, so hieß das damals auch schon, der neue Sponsor des finanziell schwer angeschlagenen Eishockeyklubs Salzburger EC stellt sich vor, ein gewisser Mateschitz, der gerade erst, vor ein paar Monaten, ein neuartiges Getränk auf den Markt gebracht hat. Es wird geredet und vor allem getrunken, Red Bull gespritzt mit Sekt, am Abend haben manche Verdauungsprobleme.

Der Salzburger EC ging am Saisonende trotzdem pleite, die Schulden waren zu hoch, aber ohne Mateschitz, sagen sie in Salzburg, hätten sie nicht einmal das Saisonende erlebt. Für Mateschitz war das der Anfang von allem, es war das erste Sportsponsoring seiner damals so jungen Marke. Er fand, Eishockey passt gut zum Image, das er Red Bull geben wollte: wilde Kerle, harte Burschen, Action, Energy.