Streit der Spielerberater:Der Schmutz wandert ins stille Kämmerlein

Premier League - Chelsea v Manchester City

2020 wechselte Timo Werner für rund 53 Millionen Euro von Leipzig nach Chelsea. Auch die Vermittlungsgebühr aus diesem Transfer ist Thema vor Gericht.

(Foto: Andy Rain/Pool via Reuters)

Ein juristischer Millionen-Streit zwischen zwei Spielerberatern beschäftigt die Branche - weil er auch die Nationalspieler Timo Werner und Niklas Süle tangiert.

Von Johannes Aumüller, Mosbach

Karlheinz Förster läuft mit einem überraschenden Logo auf, als er am Dienstagmorgen den Saal 6 des Landgerichts im badischen Städtchen Mosbach betritt. Ein Bundesliga-Leben lang ist der frühere Abwehrspieler und Europameister von 1980 mit dem VfB Stuttgart verbunden worden, seit den Nullerjahren fungiert er als Spielerberater. Aber nun trägt er eine Maske, auf der das Wappen von Zweitligist Jahn Regensburg abgebildet ist. Seine Erklärung: Regensburgs Kapitän Benedikt Gimber gehöre zu seinen Klienten.

Das Wirken des Spielerberaters Karlheinz Förster, 63, das ist gerade ein großes Thema im deutschen Fußball. In Mosbach läuft ein Rechtsstreit mit seinem früheren Weggefährten Murat Lokurlu, 45, der gleichfalls bis heute als Berater tätig ist. Dieser Zwist interessiert die Branche nicht zuletzt deswegen, weil er auch die Nationalspieler Timo Werner und Niklas Süle tangiert, die bis vor Kurzem Försters Klienten waren. Es ist eine Auseinandersetzung um Provisionszahlungen in Millionenhöhe und eine, in deren Kontext schon diverse pikante Vorgänge öffentlich geworden sind.

Daher dürfte es manch einem zupasskommen, als sich die beiden Seiten am Dienstag am ersten öffentlichen Verhandlungstag nach 70 Minuten darauf verständigen, nicht mehr vor der ersten Zivilkammer weiterzumachen, sondern vor einem Güterichter - also unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Angesichts so mancher bekannt gewordener Sachverhalte wirkt es zwar fast ulkig, als Lokurlus Anwalt anmahnt, dass schon so viele Leute beteiligt seien und es keinen Sinn ergebe, das Ganze auszuschlachten. Aber es sind sich wohl alle bewusst, dass es noch enorme Weiterungen haben könnte, wenn die Angelegenheit öffentlich eskaliert. Stattdessen wandert der Schmutz ins stille Kämmerlein.

Förster verlangt 660 000 Euro von Lokurlu, Lokurlu mehrere Millionen von Förster

Der konkrete Anlass des Prozesses ist eine Klage von Förster: Er verlangt von Lokurlu 660 000 Euro, die ihm als Folge des 2014 gemeinsam vermittelten Transfers von Timo Werner zum VfB Stuttgart zustünden. Zur damaligen Zeit unterlag Förster als Spielerberater einem Wettbewerbsverbot, weil er erst kurz zuvor bei einer Agentur ausgeschieden war. Also tat er sich mit Lokurlu zusammen, um an dem Deal des Angreifers doch noch beteiligt sein zu können. Lokurlu wiederum findet, dass er ein Anrecht auf einige Millionen hat: Er und Förster hätten bis 2020 eine gemeinsame Gesellschaft gehabt, die auf einer mündlichen Absprache beruhte. Entsprechend müsse er noch Anteile an weiteren Transfergeschäften bekommen, unter anderem an Werners 50-Millionen-Euro-Wechsel aus Leipzig zum FC Chelsea 2020.

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Karlheinz Förster (2. v.l.) mit Frau Petra und den Eltern von Timo Werner (v.l.). bei einem Bundesliga-Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Werners damaligen Verein RB Leipzig.

(Foto: Herbert Rudel/Sportfoto Rudel/Imago)

Die Richterin will am Dienstag vor allem ergründen, wie das Geschäftsverhältnis zwischen den beiden Beratern tatsächlich aussah. Über Art und Dauer der Zusammenarbeit streiten die Parteien heftig, und manches Detail verblüfft: So behauptet Lokurlu etwa, dass er Förster Anteile in sechsstelliger Höhe in bar übergeben habe. Förster bestreitet dies. Er schüttelt öfter mit dem Kopf, wenn sein früherer Kollege vorträgt, und einmal fragt er ihn so penetrant, ob dieser das Vorgetragene selbst glaube, dass ihn die Richterin zur Ruhe mahnt.

Aber dieser Rechtsstreit betrifft eben nicht nur das Verhältnis zweier Männer, die mal eng zusammenarbeiteten und sich dann entzweiten, sondern hat auch Abstrahleffekte. Die Transfers von Werner sind der Kern der ganzen Causa. Und bei Abwehrspieler Süle vom FC Bayern gibt es Aufregung um eine eidesstattliche Erklärung, die er während des Verfahrens zugunsten von Förster verfertigte und deren Wahrheitsgehalt in der vergangenen Woche ein Spiegel-Text anzweifelte.

Süle schrieb, Förster habe ihn zwischen 2013 und 2020 "als alleiniger Spielerberater" betreut und Lokurlu sei nie für ihn tätig gewesen. Doch Lokurlu reichte bei Gericht Chat-Protokolle zwischen ihm und Süle ein, in denen sie im Herbst 2018 über einen möglichen Wechsel nach England plaudern und die zeigen sollen, dass er auch als Berater fungierte. Dem Spiegel ließ Süle mitteilen, dass der Kontakt zu Lokurlu "rein informeller Natur" war und er "zu keinem Zeitpunkt eine geschäftliche Beziehung" zu ihm hatte. Auf Anfrage erklärt Süles neue Beraterfirma, dass sich der Spieler nicht weiter zum Thema äußere. Auch der FC Bayern sagt dazu nichts, weil es sich dabei um einen Streit zwischen zwei Beratern handele.

Am Dienstag vor Gericht fällt der Name Süle kein einziges Mal. Der 460 Seiten lange Schriftsatz, in dem Lokurlu viele Beweise vorlegte, war erst vor anderthalb Wochen eingegangen, wie die Richterin sagt. Deswegen will sie ihn diesmal gar nicht behandeln. Das findet nun allenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

© SZ/sjo/pps/bkl
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