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Skispringen:Kobayashi landet im elitären Zirkel

Der Japaner Ryoyu Kobayashi gewinnt als dritter Springer nach Sven Hannawald 2002 und Kamil Stoch 2018 den Vierschanzen-Grand-Slam.

(Foto: AP)
  • Der Japaner Ryoyu Kobayashi hat als dritter Skispringer den historischen Vierfachsieg bei der Vierschanzentournee geschafft.
  • Mit Sprüngen auf 135,0 und 137,5 Meter siegte der 22-Jährige auch in Bischofshofen und bestätigte damit seine Erfolge aus Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck.
  • Er ist nun der zweite japanische Tourneesieger nach Kazuyoshi Funaki 1998.

Am Ende waren dann alle Schneeflocken weg, egal wie groß. Die 67. Vierschanzentournee, um dessen Finale die Veranstalter so lange gekämpft hatten, lieferte das erwünscht spannende Finale, das auch den letzten Zuschauer brillant klar sehen ließ, mochte es noch so dicht schneien. Dabei wurden gleich mehrere Teilgeschichten geschrieben: die über den erwarteten dominanten Gesamtsieger Ryoyu Kobayashi, dazu eine über seinen Verfolger Markus Eisenbichler, der sich nach einem Schwächemoment in Innsbruck zurückmeldete. Und aus deutscher Sicht noch eine dritte über Stephan Leyhe aus Willingen, der zwar nichts gewann, sich an diesem Sonntag aber trotzdem wie ein Überraschungssieger fühlen durfte.

Ryoyu Kobayashi, der 22-jährige Japaner, konterte im letzten Durchgang mit einem seiner makellosen Sprünge und sicherte sich nicht nur die Gesamtwertung, sondern einen Platz in der Geschichte des Skispringens. Er ist nun der zweite japanische Tourneesieger nach Kazuyoshi Funaki 1998. Und er gewann als dritter Springer nach Sven Hannawald (2002) und Kamil Stoch (2018) den Vierschanzen-Grand-Slam, indem er nach allen Springen vorne lag. Die Überraschung des Tages aber gelang Leyhe, der im zweiten Durchgang noch auf Platz vier vorgeflogen war, und in der Gesamtwertung damit noch Dritter wurde. "Der zweite Sprung war echt befreiend", sagte er danach, "ich bin ihn mit Laune angegangen."

Mancher Springer erwischt nach so einem plötzlichen Erfolg einen Befreiungseffekt, womöglich startet auch Leyhe nun durch, so wie es Eisenbichler seit dem Tourneestart in Oberstdorf vormacht. Mit dem Auftritt in Bischofshofen hat dieser seine Probleme in Innsbruck vergessen lassen. Eisenbichler gewann sowohl die Qualifikation als auch den ersten Durchgang. Danach fiel er zwar noch aus den Podestplätzen, seine Position als Tourneezweiter war aber nie gefährdet, was ihn freute, wie er klarstellte: "Den zweiten Sprung habe ich versaut - aber völlig egal!", rief er, "das ist mega!" Bundestrainer Werner Schuster schloss sich mit etwas weniger Adrenalin in den Adern an: "Glückwunsch an meine Jungs, das war eine gute Tournee."

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Trotz des großen Vorsprungs von Kobayashi war die Aufregung an der Bischofshofener Paul-Ausserleitner-Schanze also beachtlich, und auf andere Weise schon das ganze Wochenende über. Seit sieben Jahrzehnten findet hier das Finale statt, und erstmals erschien es nicht mehr ausgeschlossen, dass es ausfallen könnte. Denn der Schnee kam in solchen Massen vom Himmel, dass, sollte es so weiter gehen, die Anlage am Samstag darin zu versinken drohte. Eine Drei-Schanzen-Tournee galt es aber unbedingt zu vermeiden, und das gelang, auch weil die Lastwagenwagenfahrer die Nacht zum Sonntag durchgearbeitet hatten.

Die Anlage erinnerte ein bisschen an eine Ausgrabungsstätte

Am Samstag war nicht an Skisprung zu denken gewesen in Bischofshofen. Schneefall kommt in unterschiedlichen Mengen und Formen vor, am geplanten Tag der Qualifikation fiel der ungünstigste: besonders dicht, extra dicke Flocke. Kaum hatte das Räumkommando den Aufsprunghang gesäubert, lag auch schon wieder Tiefschnee drauf, und darin mit 110 Stundenkilometern zu landen, wäre lebensgefährlich gewesen. Davon abgesehen, waren auch die Flockenbläser mit ihren Geräten an der Eisrinne überfordert. Denn irgendwann lässt sich nicht mehr jedes Schneekristall entfernen, Restkrümel bleiben drin, sie könnten am Ende noch die Favoriten ausbremsen.

Ob es aber am nächsten Tag besser würde, war alles andere als gewiss. Zur Not wollte man ein Skispringen am Montag veranstalten, vielleicht mit Schulklassen als Zuschauer. Die Hoffnung war aber doch, dass das große Sonntagsfinale stattfinde, mit einem Trainingssprung, Qualifikation und zwei Finaldurchgängen, allerdings ohne K.-o.-Durchgang, dessen zusätzliche Startnummernvergabe zu viel Zeit kostet. Weil die Ausserleitner-Schanze aber in einem engen Talwinkel am Hang liegt, musste die Kipplasterkolonne erst noch den herausgeschaufelten Schnee fortbringen. Als das gelungen war, erinnerte die Anlage zwar ein bisschen an eine Ausgrabungsstätte mit ihren vielen Resthaufen und Aufschüttungen. Aber auch weiterhin andauernder Schneefall (mäßig dicht, mittlere Flocke) bremste die Springer nicht mehr. Und in der Qualifikation gelang Eisenbichler schon der erste Teil seines Auftritts. Er gewann die Vorausscheidung mit einem 138-Meter-Satz und ballte zum Auftakt des Wettbewerbs gleich mal die Fäuste. Weil er zur Selbstkritik neigt und sich gewiss nicht vorschnell bejubelt, war dies ein gutes Zeichen. Und so ging es weiter, im ersten Durchgang behielt er die Führung, auch nachdem Kobayashi gelandet war, nur sein letzter Sprung dieses Tages ist dem Deutschen dann etwas misslungen. In Schusters Mannschaftsgefüge bleibt nun mit Eisenbichler die Position des Team-Primus unangefochten, Richard Freitag hat sich in Bischofshofen leicht verbessert. Stephan Leyhe empfahl sich zudem mit seinem Fabelsprung im Finale und ist im Weltcup nun Vierter, einen Rang vor Karl Geiger, der bei der Tournee doch auch wieder Schwächen gezeigt hat. Der Rest kämpft wohl um die verbleibenden Startplätze für die WM in Seefeld. Andreas Wellinger, Olympiasieger im vergangenen Winter, deutete mit dem zweiten Finalsprung und Platz 15 einen Schritt nach vorne an, auch der 19-jährige Constantin Schmid (Oberaudorf) überzeugte als 19. Und dann ist da noch Severin Freund, er verbuchte auf seinem Weg aus dem Kreuzbandriss-Comeback an diesem Wochenende auch einen Erfolg: Er wurde Siebter und Sechzehnter, wenn auch nicht beim Finale der Vierschanzentournee, sondern in Klingenthal, beim zweitklassigen Continental-Cup, wo es nicht ganz so viel geschneit hat.

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