Sebastian Vettel in der Formel 1 Sport schlägt Show

Sebastian Vettel gewann in Malaysia seinen ersten Grand Prix für Ferrari.

(Foto: dpa)

Roter Teppich? Glitzerwelt? Nicht bei Sebastian Vettel. Sein Sieg in Sepang vor den vermeintlich übermächtigen Mercedes-Boliden ist das Beste, was dem schwächelnden Motorsport passieren konnte.

Kommentar von René Hofmann

Sebastian Vettel versteht sich recht gut mit Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone. Der 27-Jährige und der 84-Jährige brachen sogar schon zu gemeinsamen Urlaubsreisen auf. Trotzdem hat sich Vettel vor dem zweiten Rennen der Saison am Sonntag in Malaysia einiges anhören dürfen.

Sinkende Zuschauerzahlen, sinkende TV-Quoten, Rennveranstalter, die das Antrittsgeld nicht mehr zusammenbekommen - Ecclestones PS-Zirkus befindet sich in einem Abschwung. Als einen Grund dafür hat der Boss nun Fahrer wie Sebastian Vettel oder einst Michael Schumacher ausgemacht: Fahrer, denen das Fahren genug ist, die abseits der Pisten die roten Teppiche meiden und sich Einblicke in ihr Privatleben streng verbitten. "Ich sage Sebastian immer, dass er es so wie Lewis machen soll", sagte Ecclestone. Mercedes-Weltmeister Hamilton steuert rote Teppiche gerne an und gewährt über die sozialen Medien Einblicke, die sehr tief blicken lassen.

Bling, bling oder brumm, brumm: Die Frage, was die Formel 1 eher ist - Show oder Sport? - ist eine alte. Sie lappt durchaus ins Philosophische. Nun genügen die Eindrücke von einem einzigen Rennen nicht, um sie abschließend zu beantworten, der Große Preis von Malaysia aber wies die Richtung: Der Sport schlägt die Show um Längen. So es sich wieder um einen Wettkampf und nicht wie zuletzt so häufig um eine Prozession mit vorhersehbarem Sieger handelt.

Das Hitzeduell zwischen Vettel und den favorisierten Mercedes-Piloten Hamilton und Nico Rosberg war packend. Gleich auf den ersten Metern gab es zwischen Vettel und Rosberg ein Rad-an-Rad-Duell. Im weiteren Verlauf entspann sich ein Strategiespiel, in dem Vettel sein im Vorjahr oft vermisstes Können reaktivierte und Ferrari demonstrierte, dass es die Kunst, ein Rennen clever einzuteilen, nicht verlernt hat.

Eingetaucht in Kindheitsträume

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Ein viermaliger Weltmeister, der das rote Traditionsteam zurück in die Spur hievt: Das ist ein guter Plot. So, wie dieser sich vor den Palmen von Sepang entwickelte, ist er schwer zu übertreffen. Hamilton jagte am Ende auf den besseren Reifen heran, Vettel hielt ihn geschickt auf Distanz. Das Duell bling, bling gegen brumm, brumm - dieses Mal endete es eindeutig. 8,5 Sekunden Vorsprung hatte Vettel im Ziel - in den Maßeinheiten der Formel 1 ist das eine Welt. Der Jubel war entsprechend. Ferrari ist und bleibt das Team, das weltweit die meisten Emotionen auslöst. Es wieder siegen zu sehen - das war großer Sport. Die beste Show bleibt ein gutes Rennen.