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Neue Schwimmserie:Der Aufstand der Schwimmer

FINA Swimming World Cup Berlin - Day 3

Teilung des Wassers: Im Schwimmen bestimmt der Weltverband nicht mehr allein - die Athleten haben selbst ein Format entwickelt.

(Foto: Ronny Hartmann/Getty Images)
  • Die "International Swimming League" (ISL) ist eine neue Schwimmserie in Konkurrenz zum Weltverband.
  • Drei Viertel der aktuellen Olympiasieger und Weltrekordhalter schwimmen mit.
  • Vieles ist neu, es gibt Antrittsgelder, Prämien, Mannschaften und eine klare Haltung gegen Doper.

Für Annika Bruhn waren die letzten Wochen ein ganz neues Erlebnis. Plötzlich stand da am Beckenrand ein ganzes Pulk von Leuten, Athleten aus aller Welt, die sie anfeuerten: Kathy Ledecky aus den USA zum Beispiel, die sechsmalige Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen. Ledecky und Bruhn sind nun Teamkolleginnen und kämpfen im neuen Wettkampfformat "International Swimming League" (ISL) gemeinsam um Punkte. "Wenn ich mit den großen Namen in einer Mannschaft bin, gibt mir das einen Motivationsschub", sagt Bruhn, 27.

Es sind aufregende Zeiten gerade im Schwimmen, denn wenn am Wochenende in Lewisville in Texas die Elite des Sports schon zum dritten Mal in diesem Monat zusammentrifft und Rennen in der ISL bestreitet, ist das nicht weniger als ein Aufstand der Athleten. Drei Viertel der aktuellen Olympiasieger und Weltrekordhalter schwimmen dort mit, viele entschieden sich dafür statt für die üblichen Gewässer des Weltverbandes Fina. Und vielleicht ist das sogar das, was die zweifache Olympia-Siegerin Lilly King aus den USA so bezeichnet: "Die Zukunft des Schwimmens."

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Vor leeren Rängen hüpfte Weltmeister Florian Wellbrock am vergangenen Wochenende beim gleichzeitig stattfindenden Weltcup in Berlin ins Wasser, zahlreiche deutsche Kollegen trieben sich stattdessen bei der ISL in Neapel herum. Bernd Berkhahn - Teamchef der deutschen Nationalmannschaft - wollte das nicht untersagen, "weil das auch ein wirtschaftlicher Faktor für die Sportler ist". Im Gegensatz zu den Starts beim Weltcup bekommen die Sportler bei der ISL Antrittsgelder und höhere Erfolgsprämien, insgesamt fünf Millionen Euro. Sogar ein Pensionsfond wird angeboten.

Die Athleten bestimmen jetzt mit

Ja, es geht um viel Geld in dem neuen Format, aber auch um Mitbestimmung durch die Athleten. Und aus deutscher Sicht um einen Weg, wie das Schwimmen wieder populär werden kann; wie der Nachwuchs wieder angehalten wird, sich täglich stundenlang durchs Chlorwasser zu bewegen. "Wenn wir den Anspruch haben, in dieser Sportart mal wieder Medaillen zu gewinnen, dann ist es wichtig, in Deutschland solche Veränderungen herbeizuführen", sagt Christian Hirschmann, der in Neckarsulm eng mit Hannes Vitense zusammenarbeitet, dem Teamcoach an der Seite von Berkhahn. "Wir müssen eine Fanbasis generieren", sagt Hirschmann, "das hat dieser Sport heute nicht."

Hirschmann trainiert auch Schwimmer, die für die Nationalmannschaft antreten; bei Trainingslagern in der Türkei lernte er 2017 den Ukrainer Konstantin Grigorischin kennen, der praktischerweise Milliardär ist und nun als Geldgeber die ISL ermöglichte. Gemeinsam mit anderen internationalen Trainern feilten sie an einem neuen Format und trafen dabei auf viel Unterstützung der Athleten. Weil die sich seit Jahren verschaukelt fühlen von ihrem Weltverband (Fina). Der 83-jährige Präsident Julio César Maglione und sein 78-jähriger Generaldirektor Cornel Marculescu sind nicht gerade Visionäre, wenn es um die Zukunft des Sports geht.

Sie zogen den Zorn der Athleten auf sich, weil sie mit Dopingsündern allzu zahm umgingen und die Sportler bei der Verteilung der Einnahmen oft vergaßen. "Sklavenarbeit" nannte Grigorischin die herkömmlichen Fina-Veranstaltungen jüngst, er will es anders machen: 50 Prozent der gesamten Einnahmen sollen an die Athleten gehen - bei der Fina waren es zuletzt kaum 15. Das neue Format wollte der Verband zunächst verhindern, drei Sportler um die Ungarin Katinka Hosszu sowie die ISL wehrten sich erfolgreich mit Klagen.