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Schwimm-EM in Berlin:Biedermann verschätzt sich gewaltig

32nd LEN European Swimming Championships 2014 - Day 1

Über 400 Meter Freistil zu langsam fürs Finale: Paul Biedermann

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Enttäuschung zu Beginn der Schwimm-EM: Paul Biedermann verpasst über 400 Meter Freistil den Endlauf. Dabei war er noch ganz zufrieden aus dem Becken gestiegen. Nun hofft ein anderer Deutscher auf eine Medaille.

Bis zur Ernüchterung sind es nur ein paar Sekunden. Paul Biedermann hat gerade sein erstes Rennen bei der Heim-EM in Berlin geschwommen, war als Dritter in seinem Lauf aus dem Becken gestiegen und gibt gut gelaunt Interviews. "Ganz zufrieden" sei er mit seinem Auftritt, gibt der Weltrekordler über die 400 Meter Freistil zu verstehen, für das Finale kündigt er seine beste Leistung an. Ein lockeres Lächeln hat der Hallenser da im Gesicht, dann blickt er auf den Bildschirm, über den der letzte Vorlauf flimmert - und der ist zu schnell für ihn. Biedermann verpasst als Neunter das Finale. Er schluckt und verschwindet im Bauch der Arena.

Auf die 400 Meter hatte Biedermann in diesem Jahr nicht seinen Fokus gelegt im Training, doch dass er als Routinier zum Auftakt der Heim-EM im Vorlauf scheitert, das hatten sich er und der Deutsche Schwimmverband (DSV) freilich anders vorgestellt. Immerhin erlitt er zusammen mit seinem französischen Konkurrenten Yannick Agnel das gleiche Schicksal, auch der Olympiasieger verpasste den Endlauf, er war noch langsamer als Biedermann. 3.50,42 Minuten hatte der Deutsche für sein Rennen gebraucht, womit er rund zweieinhalb Sekunden hinter der Zeit lag, die er im Mai bei den Deutschen Meisterschaften geschwommen war.

Dass sie gemeinsam einen besonders langsamen Vorlauf erwischt hatten, war Biedermann auch schon vor der Ernüchterung bewusst gewesen. Die Dimension allerdings nicht. "Ich bin davon ausgegangen, dass es entweder sehr schnell oder langsam geht, weil der Vorlauf verdammt gut besetzt war", hatte Biedermann noch gesagt, "das zweite ist eingetreten, das war für meinen Zustand nicht so schlecht." Biedermann hatte sich im Vorjahr nach einer Viruserkrankung zurückgezogen, um anständig zu regenerieren. In den letzten Wochen der Vorbereitung auf die EM warf ihn eine Erkrankung im Training zurück.

Er sei selber schuld, ließ der Schwimmer später über den Pressesprecher ausrichten, er habe das Rennen falsch eingeschätzt. Heimtrainer Frank Embacher machte das Hauptproblem beim Anschlag aus, "er ist nur rangeglitten statt noch einen Zug zu machen. Aber die Frage wäre gewesen, ob wir das Finale geschwommen wären", sagte er. Die 400 Meter hat Biedermann in diesem Jahr nur reduziert trainiert, für den Wettkampf gemeldet wurde er, um gemächlich in diese EM reinzukommen. "Ihm fehlen Wettkampf-Kilometer und die Sicherheit", sagte Embacher, "dadurch ist es passiert, dass er seine Geschwindigkeit nicht richtig einschätzen konnte".

Alles halb so schlimm also nach dem ersten Schreckmoment, so knapp am Finale vorbeigeschwommen zu sein. Am Dienstag steigt Biedermann wieder ins Becken, 200 Meter Freistil. Embacher sieht es positiv: "Alle Parameter zeigen: Da geht noch was."

Bis dahin wird über 400 Meter ein anderer Deutscher im Mittelpunkt stehen: Clemens Rapp schwamm in seinem Vorlauf schneller als Biedermann und geht mit der viertbesten Zeit ins Finale. "Wir müssen schauen, wofür es im Endlauf reicht", sagte Rapp, "noch eine Sekunde schneller schwimmen wäre schön". Ob es für eine Medaille reichen wird? "Davon träumt man", so Rapp. Es wäre der größte Erfolg seiner bisherigen Schwimmer-Karriere. Und schon eher das, was sich der DSV für diese EM vorgestellt hat.