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Kandidatenturnier im Schach:Drei Wochen im Fünf-Sterne-Hotel

Schach-WM: Kandidatenturnier in Jekaterinburg

Bisher letzter Herausforderer von Magnus Carlsen: Der US-Amerikaner Fabiano Caruana.

(Foto: Soeren Stache/dpa)
  • Trotz der globalen Corona-Pandemie ermitteln in den kommenden drei Wochen in Jekaterinburg acht Schach-Großmeister, wer Weltmeister Magnus Carlsen herausfordern darf.
  • Der Schach-Weltverband begnügt sich bisher damit, die Zuschauer auszuschließen und logistische Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
  • Zudem seien alle Beteiligten negativ aufs Virus getestet worden, und man stehe in ständigem Kontakt mit den Behörden.

Die Verantwortlichen geizten nicht mit bizarr klingenden Worten. Der Gouverneur teilte mit, wie toll alles vorbereitet sei für das Kandidatenturnier. Der frühere Weltmeister Anatolij Karpow erklärte, dass die Bedingungen für die Spieler einfach großartig seien. Und Arkadij Dworkowitsch, der Präsident des Schach-Weltverbandes Fide, sagte: "Dies ist ein großes Ereignis nicht nur für die Schachwelt, sondern möglicherweise für die gesamte Sportgemeinschaft."

Überall werden aufgrund der globalen Corona-Pandemie Veranstaltungen abgesagt. Aber die Fide will eines ihrer wichtigsten Turniere des Jahres wie geplant durchziehen. In einem Fünf-Sterne-Hotel in der russischen Millionen-Stadt Jekaterinburg treffen in den kommenden drei Wochen die beiden Favoriten Fabiano Caruana (USA) und Ding Liren (China) sowie sechs weitere Großmeister aufeinander und ermitteln, wer im WM-Kampf im November den Titelträger Magnus Carlsen aus Norwegen herausfordern darf.

Dabei beschloss selbst der russische Sport am Montag nach längerem Zögern gravierende Schritte, nachdem die offiziell bisher eher niedrigen Zahlen weiter angestiegen waren. Das nationale Sportministerium untersagte Veranstaltungen, auch der Fußballbetrieb soll vorerst ruhen. Die Fide hingegen begnügt sich bisher damit, die Zuschauer auszuschließen und einige logistische Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Zudem verweist sie darauf, dass alle Beteiligten - Spieler, berichtende Journalisten, das Personal des Organisationsteams - negativ aufs Virus getestet worden seien.

Fast drei Wochen soll das Turnier nun dauern

Und natürlich stehe man in ständigem Kontakt mit den Behörden. Dabei hatte die Corona-Krise auf die Spieler und das Teilnehmerfeld durchaus Konsequenzen. Der chinesische Mitfavorit Ding Liren sollte sich aufgrund der Lage in seinem Heimatland schon vor ein paar Wochen nach Russland begeben. 14 Tage lang verbrachte er in Quarantäne, unter Dauer-Aufsicht eines Mediziners in einem Sanatorium nahe Moskau.

Teymur Radjabov (Aserbaidschan) zog mit Blick auf seine Gesundheit vor anderthalb Wochen seine Teilnahme zurück. Sein Ersatzmann Maxime Vachier-Lagrave aus Frankreich flog gerade noch rechtzeitig am Mittwoch an den Ural - einen Tag später hätte er sich wie alle anderen Einreisenden aus Spanien, Deutschland oder Frankreich in zweiwöchige Quarantäne begeben müssen.

Fast drei Wochen lang soll das Turnier nun dauern, falls die weiteren Folgen des Virus das zulassen. Den WM-Herausforderer in einem solchen Achterturnier zu ermitteln, ist im Schach seit den Fünfzigerjahren Tradition, aber es zieht sich. 14 Partien stehen an, jeder spielt zweimal gegen jeden. Manche Teilnehmer dürften dabei aber etwas abfallen. So zählt zu den acht Startern der Russe Kirill Alexejenko, obwohl er nur auf Rang 39 der Weltrangliste liegt. Aber Russland ist Ausrichter, deswegen steht dem Land eine Wildcard zu. Das mag für die Vermarktung eines solchen Events gut sein, wenn eine Ausrichternation sicherstellen kann, dass sie auch vertreten ist. Aber für das Turnier in Jekaterinburg waren ohnehin zwei Russen qualifiziert: Jan Nepomnjaschtschi und Alexander Grischuk. Von daher hätten die Organisatoren die Wildcard auch an einen stärkeren Spieler vergeben können.

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