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Russlands Sieg im Medaillenspiegel:"Ich bin nicht für was Besseres weggegangen"

In den USA gibt es praktisch keine Förderung mehr für Alpin-Snowboarden, der Sport geht dort ganz in der Freestyle-Sparte auf. Wild hätte aufhören müssen, wenn er die russische Chance nicht bekommen hätte. 2011 heiratete er die russische Snowboarderin Alena Zawarzina, dadurch konnte er 2012 wechseln. Russland stattete ihn mit erstklassigen Trainingsmöglichkeiten und Material aus. Vic Wild erzählt dankbar davon, und er schenkte den Russen ja dann auch nicht nur zwei Gold-Medaillen; bei seinem Parallelriesenslalom-Sieg gab es eine richtige kleine Gewinner-Romanze, weil seine Alena gleichzeitig Bronze bei den Frauen gewann. Aber Amerika will er offensichtlich auch nicht verprellen. "Ich bin nicht für was Besseres weggegangen", sagt Vic Wild mit Nachdruck, "ich bin weggegangen, um überhaupt weitermachen zu können, das ist alles."

Vic Wild hat für sein altes Land nie etwas gewonnen. Der Shorttracker Viktor Ahn schon. 2006 in Turin war er schon einmal Dreifach-Olympiasieger, damals noch unter dem Namen Ahn Hyun-Soo. Südkorea freute sich. Doch dann verletzte Ahn sich, fiel lange aus - und als er zurückkommen wollte, war in Südkoreas Team kein Platz mehr für ihn. Wie er danach zu den Russen kam, ist schon auf diverse Varianten erzählt worden. Früher hieß es, der Gastgeber der Sotschi-Spiele habe Shorttracker gesucht, weshalb sie erst den Ukrainer Wladimir Grigorjew einbürgerten - und dann Ahn. In diesen Tagen hat der Verbandspräsident Alexej Krawzow erzählt, dass er von Ahns Onkel eine Mail bekommen habe, in der dieser von den Wechselabsichten des Neffen berichtete.

10 000 Dollar und ein neuer Vorname

Auf jeden Fall erhielt Ahn in Moskau beste Trainingsbedingungen, inklusive eines Stipendiums über angeblich 10 000 Dollar monatlich. Den Vornamen Viktor wählte er als Würdigung des bekannten russischen Rockmusikers Viktor Zoj, dessen Vater Koreaner war. "Am Anfang hatte ich Zweifel, ich hatte Gedanken, nach Korea zurückzukehren", sagt Ahn. Doch als dann die Verletzung auskuriert war und auch seine Frau eingebürgert wurde, lief es besser.

In Südkorea, Gastgeber der nächsten Spiele, hat sich Ahns Erfolg fast zu einer Staatsaffäre ausgeweitet. Wie es nur sein könne, dass so jemand den Verband gewechselt habe, fragen viele; selbst die Staatspräsidentin Park Geun-Hye hat sich eingeschaltet. Dass Ahn noch einmal zurückkehrt, können sie nicht erwarten. Er will in Russland bleiben und als Trainer arbeiten. Nach einer Siegerehrung vermerkten die russischen Medien anerkennend, wie textsicher Ahn schon die Nationalhymne mitgesungen habe. Über Vic Wild allerdings konnte das niemand berichten.

© SZ vom 24.02.2014
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