Rückkehr von Tommy Haas:Haas will sich nicht beeindrucken lassen

"Solche Momente kannst du nicht trainieren", findet Haas. Auch deshalb hatte er seine Rückkehr in diesem Jahr schon häufiger verschoben. Zuletzt hatte er seine Teilnahme beim Turnier in München im letzten Moment gestrichen, anschließend sogar komplett auf die anstrengende Sandplatzsaison verzichtet.

Lange, intensive Ballwechsel kann und will Haas seinen mehrfach reparierten Sehnen und Muskeln ohnehin nicht mehr zumuten. Er hatte sich deshalb für seine erstes Match auf dem Rasen vorgenommen, aggressiv zu spielen, auch Serve-and-Volley einzustreuen, also nach dem Aufschlag sofort ans Netz zu spurten, um den Punkt mit einem Flugball zu beenden. "Ich habe es aber nicht einmal gemacht", sagte er anschließend und blickte kurz so grimmig drein, als wäre dies ein schwerer Vorwurf an sich selbst.

Aber die Schulter erlaubt eben nicht mehr alles, vor allem bei Bewegungen oberhalb des Kopfes sei es "ziemlich zäh", wie er einräumt. Die Sehnen klemmen hier und da, er würde gerne mit mehr Geschwindigkeit aufschlagen. In seiner idealen Tennis-Welt beginnen richtige Aufschläge bei 200 km/h, gegen Kukuschkin pendelten sie sich zwischen 159 und 174 Stundenkilometern ein, beim ersten Aufschlag wohlgemerkt, ambitionierte Hobbyspieler schlagen schneller auf.

Haas aber will sich davon nicht beeindrucken lassen, er platziert die Aufschläge stattdessen so clever, dass er auch ohne Geschwindigkeit leichte Punkte gewinnen kann. Er weiß, dass jedes Match das letzte sein kann. Das letzte der Karriere, eine fünfte Operation würde er sich nicht mehr antun.

An diesem Donnerstag nun bekommt er es beim TC Weissenhof mit dem in Stuttgart geborenen Australier Bernard Tomic zu tun. Konkrete Ziele hat sich Haas nicht mehr gesetzt, "jeder Profi will seine Spiele gewinnen", sagt er lediglich. Nach dem Turnier in Stuttgart reist er weiter nach Halle, anschließend steht Wimbledon auf dem Programm. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die Schulter nicht mehr schmerzt", sagte Haas. Schwer war der Arm geworden nach dem Sieg gegen Kukuschkin, müde.

© SZ vom 11.06.2015/ska
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