Rom Wie sich Italien gegen Olympia sträubt

Sie gibt in Rom den Ton an und mag keine Olympischen Spiele in der Stadt: Bürgermeisterin Virginia Raggi.

(Foto: REUTERS)

Segeln vor Capri bleibt ein Traum: Die Italiener wollen die Olympischen Spiele 2024 nicht haben - weder in Rom, noch in Neapel. Das hat auch mit einer jungen Politikerin zu tun.

Von Birgit Schönau, Rom

Eigentlich schade, dass dem Bilderbuchitaliener Giovanni Malagò die große internationale Bühne versperrt bleiben wird, schließlich leidet unsere Welt, und nicht nur die des Sports, doch chronisch Mangel an Glanz und Charmanz. In seiner Heimatstadt Rom ist der geschmeidige, elegant ergraute Malagò, 57, sozusagen der größte gemeinsame Nenner. Vom Kurienkardinal bis zum Viertligakicker mögen ihn alle, weil er zu allen gleichermaßen freundlich, zugewandt und formvollendet ist. Malagò verkörpert Rom, wie es gern sein möchte: weltläufig, lässig und aus Erfahrung tolerant. Als NOK-Chef wollte er sich einen Lebenstraum erfüllen: Olympia nach 1960 endlich wieder nach Rom zu holen. 2024 sollte es so weit sein.

Euro, Fernsehen, Schnellzüge, Olympia - alles Teufelswerk

Aber nicht der smarte Sportsmann Malagò gibt in Rom den Ton an, sondern die Rechtsanwältin Virginia Raggi, 38, von der Fünfsternbewegung. Im Wahlkampf hatte die Bürgermeisterin unter anderem versprochen: Mit uns kein Olympia! Erstens ist die bunte Fünfsterne-Truppe des autoritären Chef-Komikers Beppe Grillo sowieso gegen so ziemlich alles. Euro, Hochgeschwindigkeitszüge und Fernsehen sind in ihren Augen Teufelswerk, um nur mal die nachvollziehbarsten Beispiele zu nennen.

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Zweitens wähnen die Grillo-Leute schon hinter jedem Bocciaturnier ein Kartell aus Mafia und Korruption, erst recht hinter Olympia. Viele Italiener sehen das ähnlich. Sie würden Großprojekte jeglicher Art am besten in Bausch und Bogen verbieten, weil sich daran sonst nur wieder die üblichen Verdächtigen bedienen.

Kurzzeitig liebäugelten Italiens Olympier mit Neapel

Was Olympia 2024 angeht, lag dieser Verdacht gar nicht so fern. Der geschmeidige Giovanni Malagò betrieb die Kandidatur gemeinsam mit einem alten Fahrensmann: Luca Cordero di Montezemolo. Der Graf ist ein Tausendsassa, er war unter anderem Vorstandschef bei Fiat, wurde als Ferrari-Chef weltberühmt, lässt jetzt die Fluggesellschaft Alitalia fliegen - und war bereits Chef des Organisationskomitees für die Fußball-WM 1990. Damals ging nicht alles mit rechten Dingen zu, genau wie bei der Schwimm-WM 2009 in Rom, bei der wiederum Malagò federführend war. Hingegen waren die Winterspiele 2006 in Turin ein Erfolg.

Bürgermeisterin Raggi ließ die beiden Herren abblitzen. Am 21. September verkündete sie offiziell die Ablehnung der Kandidatur. Ein Bürger-Referendum wie in Hamburg und München sei nicht nötig, "denn die 67 Prozent, die mich als Bürgermeisterin gewählt haben, haben damit implizit schon gegen Olympia gestimmt". Malagò aber gab noch nicht auf. Am Rande eines Events zum passenden Thema "Sport und Glauben" bearbeitete er IOC-Präsident Thomas Bach im Vatikan. Doch Bach bezeugte wenig Glauben an ein römisches Sport-Wunder. Der Kirchenstaat, das nur nebenbei, unterhält zwar eine Fußball-Amateurliga, hat aber das Joggen auf eigenem Staatsgebiet aus Gründen der Schicklichkeit verboten.

Italien will die Spiele 2024 nicht, weder in Rom noch in Neapel

Kurzzeitig liebäugelten Italiens Olympier mit Neapel. Spiele unter dem Vesuv, Segeln und Schwimmen vor Capri - während Rom vor Neid erblasst. Aber das blieben Hirngespinste. Am Dienstag verkündete Malagò feierlich den Verzicht. "Ich hätte saubere Spiele nach Rom geholt", sagte er, plus 1,7 Milliarden Euro. Und er fragte: "Wie kann man nur nicht begreifen, dass der Sport Motor für Entwicklung und Aufschwung eines Landes sein kann?" Nun, das begreift man auch in jenen Ländern immer weniger, wo Grillos Grillen gar nicht zirpen.