Reform der Champions League Zum Leben reicht's doch

Karl-Heinz Rummenigge nach der Versammlung der ECA in Genf.

(Foto: AP)

Die Reform der Königsklasse wird die wenigen reichen Fußballklubs noch reicher machen. Dass alle anderen das Nachsehen haben, kümmert sie wenig.

Kommentar von Philipp Selldorf

Karl-Heinz Rummenigge ist bisher vor allem als Interessenvertreter des FC Bayern in Erscheinung getreten. Weniger bekannt ist, dass sich Rummenigge auch als Verfechter der europäischen Einigung betätigt. Das hat er nun jedoch deutlich gemacht, als er sich zu der Reform der Champions League äußerte, die das Exekutivkomitee der Uefa am Freitag verabschieden wird. "Ich bin besonders erfreut über den Fakt, dass die europäische Fußball-Gemeinschaft vereint bleibt und nach vorne schreitet", teilte Rummenigge in angemessen gravitätischen Worten mit.

Dennoch ist nicht zu erwarten, dass Rummenigge bald mit dem Aachener Karlspreis für besondere Verdienste um die Einigung Europas ausgezeichnet wird. Zwar ist die Neugestaltung der beiden Europapokal-Wettbewerbe tatsächlich das Projekt einer grenzüberschreitenden Allianz. Dieses Bündnis besteht allerdings aus der tonangebenden Minderheit der Spitzenklubs in Deutschland, England, Spanien, Frankreich, Italien und Portugal. Das übrige Europa hat das Nachsehen.

Eine K.-o.-Runde mit Klubs aus nur sechs Ländern gab's noch nie

Wenn ab 2018 die steigenden Erlöse aus TV- und Werbehonoraren an die Teilnehmer von Champions und Europa League verteilt werden, kriegen auch die Klubs aus den kleineren Ligen mehr Geld, das schon. Die großen Klubs aus den starken Ligen werden ungleich mehr vom Wachstum profitieren. Ein Thema also, von dem man auch im echten Leben schon mal gehört hat: Die Reichen werden noch reicher, der Rest soll sich nicht beschweren - es reicht doch zum Leben.

Kritiker mahnen, dass die Reform für Monotonie in Europas Fußball sorgen werde. Landesmeister wie der FC Basel, Ajax Amsterdam, Celtic Glasgow oder RSC Anderlecht hätten keine Chance mehr gegen die besten Mitläufer aus den großen Ligen. Letzteres ist allerdings jetzt schon der Fall. Nach der just beendeten Champions-League-Vorrunde ziehen Klubs aus nur sechs Ländern ins Achtelfinale ein - so wenig europäische Vielfalt war noch nie. Und die konstant steigende Anzahl von Kantersiegen sieht auch aus wie ein Krankheitssymptom.

So kommt einem die Champions-League-Vorrunde schon jetzt oft wie das langweilige Vorwort vor, das dem Drama vorausgeht. Spannend wird es spätestens ab dem Frühjahr wieder werden, keine Frage; auch wenn man jetzt schon weiß, dass der Pokal am Ende an einen der üblichen Klubs gehen wird (zu denen auch Rummenigges Bayern gehören). Das ist die vertrackte Logik an der Wettbewerbskonzentration: Indem sie den Kreis auf wenige Anbieter beschränkt, maximiert sie den Konkurrenzkampf - und, wenigstens in diesem kleinen Kreis, auch das sportliche Niveau.

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