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Re-Start der Bundesliga:36 Sekunden bis zum ersten Gladbach-Tor

Eintracht Frankfurt v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Breel Embolo (li.) und Filip Kostic kämpfen beherzt um den Ball. Doch Frankfurt hatte kaum eine Chance auf den Sieg.

(Foto: Michael Probst/Pool via Getty Im)

Die Borussia kommt gut vorbereitet aus der Corona-Pause zurück, Freiburg ärgert Leipzig erneut und Hertha liefert fast schon Blockbuster-Fußball. Die Bundesliga im Überblick.

Von Tim Brack

Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:3 (0:2): 0:1 Plea (1.), 0:2 Thuram (7.), 0:3 Bensebaini (73.), 1:3 Silva (81.)

Alassane Plea hatte die Auszeit in der Bundesliga gut genutzt: Als es für ihn am Samstagabend wieder losging, wurde der Gladbacher zum schnellsten Torschützen des Spieltags. Beim 3:1 (2:0)-Auswärtssieg gegen Eintracht Frankfurt traf der Franzose am Samstag bereits nach 36 Sekunden zur Führung für die Fohlen-Elf.

Marcus Thuram (7. Minute) und Ramy Bensebaini (73./Foulelfmeter) erzielten die weiteren Tore für die Borussia, die in der Tabelle mit 52 Punkten an RB Leipzig (51) vorbei auf Rang drei vorrückte. Die Hessen, für die André Silva (81.) traf, haben als 13. nur noch fünf Punkte Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz.

Borussia Dortmund - FC Schalke 04 4:0 (2:0): 1:0 Haaland (29.), 2:0 Guerreiro (45.), 3:0 Hazard (48.), 4:0 Guerreiro (63.)

Es bedurfte der Unbekümmertheit eines 19-Jährigen, um diese verkrampfte Situation zu lösen. Auf den Re-Start der Bundesliga blickten ja viele, der öffentliche Druck und die Erwartungshaltung waren enorm. Stichwort: Sonderbehandlung. Diese fremdartige Situation machte sich bemerkbar: Fast eine halbe Stunde war gespielt auf den fünf Plätzen, es fielen keine Tore, viel verpasst hatten die nicht anwesenden Zuschauer nicht.

Doch Erling Haaland schien das ganze Drumherum nicht zu tangieren, er tat einfach das, wofür er ganz offensichtlich geboren wurde: Tore schießen. Und so sorgte der Dortmunder Stürmer beim Revierderby gegen Schalke für das erste Bundesliga-Tor nach der Corona-Pause. Es war sein zehnter Treffer im sechsten Spiel. Sein Torjubel bestand jede Hygieneregel-Überprüfung: Der Norweger schwankte nur ein wenig hin und her, wie eine dieser aufblasbaren Werbefiguren, die oft vor Autohäusern durch die Luft tanzen und die Mitspieler blieben auf Abstand.

Kurz vor der Halbzeit traf dann Raphael Guerreiro nach Vorarbeit von Julian Brandt. Auch Haaland war nicht ganz unbeteiligt: Er hatte Schalke-Torwart Markus Schubert zu einem schlampigen Pass gezwungen, der bei Brandt gelandet war. Der Schlussmann der Königsblauen sah auch beim 3:0 durch Thorgan Hazard (48.) nicht ganz glücklich aus. Mann muss ihm zugute halten, dass der Belgier allein vor ihm auftauchte. Hazard feierte sein Tor mit ausgebreiteten Armen vor der leeren Südtribüne. Moralisch und regeltechnisch völlig korrekt. Guerreiro schoss noch das 4:0 und zeigte, dass sich an den Grundvoraussetzungen (Dortmund auf Platz zwei/51 Punkte, Schalke auf Platz sechs/37) auch während der Pandemie nicht so viel geändert hat. Man will sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die Dortmunder zusätzlich von ihren Anhängern hätten angetrieben werden können.

RB Leipzig - SC Freiburg 1:1 (0:1): 0:1 Gulde (34.), 1:1 Poulsen (77.)

Die Freiburger sind in dieser Saison für Leipzig lästiger als jede Kontaktsperre. In der Hinrunde hatte die Elf von Christian Streich die Leipziger mit einem 2:1-Sieg nicht nur geärgert, sie hatte auch eine heftige Reaktion von RB-Trainer Julian Nagelsmann ausgelöst. Der 32-Jährige hatte seinem Team damals das Attribut "Spitzenmannschaft" abgesprochen. Es gab also noch etwas gutzumachen.

Allerdings sind die Freiburger auch in der Corona-Pause nicht weniger unbequem geworden. Sie verteidigten diszipliniert und trafen vorne mit etwas Glück: Eine Ecke von Vincenzo Grifo flog Manuel Gulde an die Wade und landete von dort im Tor. Danach hatten die Leipziger zwar hochkarätige Chancen (Lookman, Poulsen, wieder Lookman), doch entweder zielten sie zu schlecht, oder Freiburgs Schlussmann Alexander Schwolow hielt. Erst ein wuchtiger Kopfball von Yussuf Poulsen brachte den Ausgleich. Zufrieden dürfte Nagelsmann aber auch damit nicht sein, immerhin musste er noch den vermeintlichen Siegtreffer von Freiburg anschauen - doch Manuel Gräfe nahm das Tor in Rücksprache mit seinem Video-Assistenten zurück.

TSG Hoffenheim - Hertha BSC 0:3 (0:0): 0:1 Akpoguma (58./Eigentor), 0:2 Ibisevic (60.), 0:3 Cunha (74.)

Der neue Hertha-Trainer Bruno Labbadia ist glücklicherweise ein erfahrener Mann. Er hatte vor dem Spiel genug Überblick, um an die Fans zu denken, die ja nicht ins Stadion durften. "Wir hoffen, dass wir den Zuschauern an den Bildschirmen ein gutes Spiel liefern können", sagte Labbadia also.

Für Berliner Verhältnisse - zur Erinnerung: die Hertha begann den Spieltag auf Platz 13 - war es dann schon fast ein Blockbuster, was sich an diesem Nachmittag abspielte. Erst gelang etwas glücklich die Führung. Hoffenheims Kevin Akpoguma fälschte einen Schuss von Peter Pekarik ins Tor ab, nur zwei Minuten später traf Vedad Ibisevic. Die Hertha-Spieler nahmen es dabei mit den Abstandsregeln nicht so genau. Später gelang Matheus Cunha noch ein Glanzstück: An der Seitenlinie umdribbelte er durchsetzungstark Akpoguma und schoss aus spitzem Winkel das letzte Tor des Tages. Für den erfahrenen Krisenmanager Labbadia war es ein guter Einstand bei der krisendurchschüttelten Hertha.

FC Augsburg - VfL Wolfsburg 1:2 (0:1): 0:1 Steffen (43.), 1:1 Brooks (54./Eigentor), 1:2 Ginczek (90.+1)

Der Augsburger Trainer Heiko Herrlich hatte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel ja nonchalant ausgeplaudert, dass er noch einkaufen war (Zahnpasta, Hautcreme), als sich sein Team schon in Quarantäne befand. Die Shopping-Tour verstieß gegen das Hygienekonzept des DFL, weswegen Herrlich nicht auf der Bank zu finden war, sondern in einer Loge. Von seinem Platz dürfte der Trainer einen guten Blick darauf gehabt haben, wie seine Verteidiger den nur 1,70 Meter großen Wolfsburger Renato Steffen aus elf Metern zum Kopfball kommen ließen. Es war die verdiente Führung des VfL.

Ein Eigentor von Anthony Brooks brachte die Augsburger zurück ins Spiel, die Führung durch Felix Uduokhai wurde nach der Ansicht der Videobilder aber zurückgenommen. Der Augsburger Florian Niederlechner stand im Abseits und hatte VfL-Torwart Koen Casteels die Sicht versperrt. In der ersten Minute der Nachspielzeit traf der eingewechselte Daniel Ginczek schließlich nicht unverdient zum VfL-Sieg. Augsburg bleibt damit in Reichweite zum Tabellenkeller.

Fortuna Düsseldorf - SC Paderborn 0:0

Der SC Paderborn kam im atmosphärisch wie spielerisch gespenstischen Abstiegsduell bei Fortuna Düsseldorf nicht über ein 0:0 hinaus - der Rückstand auf die auf dem Relegationsplatz liegenden Rheinländer beträgt damit unverändert sechs Zähler. Auch die Fortuna von Trainer Uwe Rösler bringt der Punktgewinn nach der rund zweimonatigen Corona-Pause kaum weiter. Noch am 26. Spieltag könnte die jetzt schon drei Punkte große Lücke auf das rettende Ufer weiter anwachsen, sollte der FSV Mainz 05 am Sonntag (15.30 Uhr) beim 1. FC Köln punkten.

Mit Material von dpa

© SZ.de/sonn

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