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Porträt: Florentino Pérez:Präsident der Stars

Kaká, Cristiano Ronaldo, vielleicht Franck Ribéry: Unter Präsident Florentino Pérez wirft Real Madrid mit Millionen um sich. Doch Pérez zieht aus dem Amt auch ganz persönliche Vorteile.

Javier Cáceres

Schon vor Jahren spürte der spanische Baumilliardär Florentino Pérez, dass seinem Leben etwas fehlte. "Was sind schon 400 Kilometer Autobahn in einer Steppe gegen 90 Minuten im Estadio Santiago Bernabéu?", fragte sich der Chef von ACS, dem größten Baukonzern Spaniens. Er hatte Sehnsucht nach dem Fußballstadion, in dem er als Präsident des Rekordmeisters Real Madrid schon von 2000 bis 2006 gesessen hatte.

Zweite Amtszeit, zweite Ära der Galacticos: Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid.

(Foto: Foto: AP)

Seit zwei Wochen sitzt Pérez wieder dort - mit dem gleichen blauen Anzug, der gleichen blauen Krawatte und dem gleichen weißen Maßhemd, mit dem er 1947 in Madrid wohl auch das Licht der Welt erblickte. Vor allem aber, weil er den Fußballmarkt mit exorbitanten Transfersummen durcheinanderwirbelt.

Als Ära der "Galaktischen" ging das erste Pérez-Mandat in die Vereinsgeschichte ein. Weil sie von Stars wie Beckham, Figo, Ronaldo oder Zidane geprägt war, die für Fußball von einem anderen Stern standen, und weil Pérez für diese "Galácticos" astronomisch hohe Ablösesummen zahlte.

Nun will der Sohn eines Parfümhändlers und Vater dreier Kinder diese Erinnerungen aufleben lassen: Für den brasilianischen Zauberer Kakà hat er 65 Millionen Euro an den AC Mailand überwiesen, für Portugals Dribbler Cristiano Ronaldo garantiert er Manchester United die Weltrekordablöse von 94 Millionen Euro; als nächster Einkauf steht der spanische EM-Torschützenkönig David Villa ( FC Valencia) so gut wie fest. Auch der Franzose Franck Ribéry bleibt ein Thema, obwohl ihn der FC Bayern auf 100 Millionen Euro taxiert hat. Denn die Wundermannschaft des Erzrivalen FC Barcelona, die in diesem Sommer drei Pokale holte, muss geschlagen werden.

Mögen ihn noch so viele Menschen für verrückt halten oder, wie der Präsident des FC Barcelona Joan Laporta, "imperialistisch" und "herrschsüchtig" nennen - Pérez beteuert, nur der Vernunft zu folgen. Die Zugänge rentieren sich, sagt er, Weltstars im Trikot der Weltmarke Real Madrid würden ungeahnte Einnahmen erzielen.

Wovon der gelernte Ingenieur mit dem 1, 5-Milliarden-Euro-Vermögen gar nicht spricht, sind die Vorteile des Real-Amtes für seine private Realwirtschaft. Während seiner Präsidentenzeit wurde die VIP-Loge des Bernabéu-Stadions, das Pérez als Vierjähriger erstmals betrat, zu Spaniens wichtigster Kontaktbörse überhaupt.

Damals parlierten Minister, Gewerkschafter, Politiker, Unternehmer und Banker mit ihm auf der Ehrentribüne über Gott, die Welt und das Geschäft. Auch das trug - neben Spaniens Immobilienboom - dazu bei, dass sich Umsatz und Ergebnis von Pérez' ACS-Konzern multiplizierten. Seit 2007 besitzt ACS, die zweitgrößte Baugruppe der Welt, auch 30 Prozent des Essener Hochtief-Konzerns, hat aber Schulden in Milliardenhöhe. Pérez: "Wir wollen die Nummer eins werden."

Seine Mitarbeiter sind dem zurückhaltend auftretenden Mann hoffnungslos erlegen. Real-Führungskraft Emilio Butragueño bezeichnete ihn sogar als "höheres Wesen". Irren tut er sich manchmal dennoch. Vor Jahren versuchte ihm Sportdirektor Jorge Valdano einen Spieler einzusingen, der acht Millionen Euro kosten sollte. Zu teuer, fand Pérez damals. Sein Name: Kakà.

© SZ vom 15.06.2009
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