Paralympics:Mit 25 schon der "alte Hase"

Schaffelhuber hatte sechs Semester Jura studiert, doch sie empfand keine Vorfreude auf den Beruf der Anwältin. Sie wechselte ins Lehramt: Mathematik, Wirtschaft und Recht. Nach den Paralympics möchte sie ihr zweites Examen schreiben - und die Kommunikation mit Jugendlichen zum Beruf machen.

Schaffelhuber hat auch Felder neben ihrem Sport ausprobiert: Sie flog zum ersten Mal Gleitschirm und steuerte mit dem Handbike über die Alpen. Sie hat einen Teil dazu beigetragen, dass die Förderung des Behindertensports wächst, langsam, aber immerhin. Die gebürtige Regensburgerin erhält seit Sommer 2017 durch den Zoll eine ähnliche Förderung wie Olympiasportler von der Bundeswehr.

Beim Deutschen Behindertensportverband lässt niemand ein schlechtes Wort auf die 25-Jährige kommen. Auf gesellschaftlicher Ebene sei sie eine verlässliche Repräsentantin, sagt Karl Quade, ob beim Bundespräsidenten, beim Sportausrüster oder dem Premiumsponsor. Es ist ein Kompliment, über das sich Schaffelhuber freut, aber das sie auch nachdenklich stimmt: "Ich bin vor kurzem 25 geworden, aber ich werde von vielen als alter Hase gesehen." Sie ist sich bewusst, dass die paralympische Bühnenpräsenz ein kurzes Kapitel in ihrem Leben ist.

Eine Unterbrechung erlegte sie sich bereits aus eigenen Stücken auf. Schaffelhuber hat über die Jahre wenig verändert an ihrem Training und an ihrer technischen Ausstattung. Sie weiß, wie sie erfolgreich sein kann. Bis zu einem gewissen Punkt: Nach der WM 2015 schwand ihre Motivation, im Jahr darauf verzichtete sie auf die Hälfte der Weltcups. "Die Motivation und Freude ist aber wieder zurückgekehrt", sagt sie. Nicht, weil sie gerne im Kameralicht steht, sagt sie: "Ich lese kaum Artikel über mich. Wichtig sind nicht materielle Dinge für mich, sondern die Erinnerungen an die Wettkämpfe. Die kann mir keiner nehmen."

Wahrscheinlich wird es weitere Gründe zum Jubeln geben. Wahrscheinlich werden sich die Journalisten wieder irgendwann fragen, was man über Anna Schaffelhuber noch schreiben könnte. Aber ihr kann das egal sein, sie will nur ihre Momente genießen. Ob es die erste paralympische Medaille ist oder die sechste.

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