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Para-Leichathletik-EM:Heinrich Popow tritt mit Silber ab

Para Leichtathletik-EM

Ein letzter Sprung. Über den Wettbewerb sagt er: "Das waren sechs Versuche, die stellvertretend für die letzten 18 Jahre standen."

(Foto: dpa)
  • Nach über 15 erfolgreichen Jahren im Weitsprung und Sprint beendet Heinrich Popow nun in Berlin seine Karriere.
  • Er wurde Weltmeister und Olympiasieger in seinen beiden Disziplinen.
  • Aber auch beim 100 Meter Sprint der Damen, dem 200 Meter Sprint der Herren sowie im Diskusswurf der Herren gab es Medaillen für die deutschen Wettkämpfer.

Am Ende seiner Karriere stand Heinrich Popow in der Sprunggrube und verbeugte sich vor stehenden Ovationen des Publikums. Mit Weitsprung-Silber bei der Para-Leichtathletik-EM in Berlin endete am Dienstag die beeindruckende Laufbahn eines der prägendsten deutschen Behindertensportler der vergangenen Jahre. An einem emotionalen Abend für den zweimaligen Paralympics-Sieger sorgte Katrin Müller-Rottgardt mit Gold im 100-Meter-Sprint für einen weiteren sportlichen Höhepunkt.

Der zweite Wettkampftag stand dennoch ganz im Zeichen von Popows Abschied. Der unterschenkelamputierte Weitspringer und Sprinter gewann seit 2004 insgesamt acht Medaillen bei Paralympischen Spielen, darunter Gold in London (100 Meter) und in Rio (Weitsprung). In beiden Disziplinen war er auch Weltmeister.In Berlin bestritt er den letzten Wettkampf.

Zu einem weiteren Titel reichte es dabei erwartungsgemäß nicht. Der 35-Jährige aus Leverkusen sprang zwar auf eine Saisonbestweite von 6,24 Metern. Popow musste sich aber dem dänischen Top-Favoriten Daniel Wagner klar geschlagen geben, der mit 6,72 Metern EM-Rekord sprang. Immerhin: "Ich habe ihm gesagt, dass er meinen Weltrekord hier lassen soll. Das hat er gemacht, auch wenn er ihn wollte", sagte Popow, dessen zwei Jahre alter Bestwert (6,77) weiter Bestand hat.

Müller-Rottgardt: "Es ist ein Traum, den EM-Titel erfolgreich zu verteidigen"

Zufrieden war Popow mit seinem Wettkampf mit drei ungültigen Versuchen dennoch nicht. "Nach dem ersten Versuch habe ich mich emotional verloren", sagte Popow, ehe er mit den Tränen kämpfte. "Das waren sechs Versuche, die stellvertretend für die letzten 18 Jahre standen", sagte Popow, der stolz sei, "dass ich mir immer treu geblieben bin. Der Wettkampf ist aber eine Bestätigung dafür, dass es an der Zeit ist, an anderen Stellschrauben für unseren Sport zu drehen."

Für das einzige deutsche Gold am zweiten Wettkampftag sorgte Müller-Rottgardt. Die 36 Jahre alte Paralympics-Dritte aus Wattenscheid gewann den 100-Meter-Sprint der Startklasse T12. In 12,78 Sekunden siegte Müller-Rottgardt an der Seite ihres Guides Alexander Kosenkow vor der Spanierin Melani Berges Gamez (13,11) und Malgorzata Ignasiak aus Polen (13,26). "Es ist ein Traum, den EM-Titel erfolgreich zu verteidigen. Ein bisschen wird gefeiert", sagte Müller-Rottgardt, die in Berlin in vier Disziplinen startet. Für Silber sorgten zudem 200-Meter-Sprinter Ali Lacin (Berlin/T61) sowie Routinier Martina Willing (Cottbus/F57) im Diskuswurf.

Während Popows Karriere ein glanzvolles Ende nahm, bestritt der frühere deutsche Spitzenturner Ronny Ziesmer seinen ersten wichtigen internationalen Wettkampf in der Para-Leichtathletik.Der 39-Jährige aus Cottbus startete im 100-Meter-Sprint im Rennrollstuhl (T51) als krasser Außenseiter und belegte in 34,00 Sekunden den fünften und letzten Platz. Größere Chancen auf ein gutes Abschneiden besitzt Ziesmer, der sich für die Paralympics 2020 in Tokio qualifizieren will, im Keulenwurf am Mittwoch. "Er hat sich gut entwickelt. In Hinblick auf Tokio hat er im Keulenwurf ganz gute Möglichkeiten", hatte Bundestrainer Willi Gernemann vor dem EM-Start gesagt.

© SZ.de/sid/lwo/ebc
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