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Olympia:Wallner ärgert sich, wenn seine Bobs als teurer bezeichnet werden

Anders als Bob-Fahrer sind die Bob-Bauer aber sanfte Menschen, deren Wettkampf tendenziell eher im Subtilen stattfindet. Niemand sprach von Eifersucht oder Verrat, Cheftrainer René Spies sagte: "Ich bin froh, dass die FES diese Herausforderung durch Wallner angenommen hat." Tatsächlich haben die Berliner wohl einfach weitergearbeitet. Wie immer haben sie vor vier Jahren eine so genannte "gleitende Projektierung" begonnen, also ein Grundmodell Schritt für Schritt weiterentwickelt.

Wallner dagegen arbeitet auch intuitiv, entscheidet sich für Veränderungen, wenn er eine seiner Ideen hat, die aus einem in 30 Jahren gesammelten Erfahrungsschatz als Bob-Pilot, Schlitten- und Maschinenbauer stammen. Er arbeitete in diesem Winter bis zu zwölf Stunden täglich, verengte die Schlittenkarosserie, um in der Bahn ein paar Zehntel zu gewinnen, oder versenkte überstehende Schraubenköpfe, um die langen Beine von Johannes Lochner besser unterzukriegen. Mit der FES komme er zurecht, sagt Wallner, "man respektiert sich gegenseitig und macht seine Arbeit". Es ärgere ihn nur, wenn man seine 100 000-Euro-Bobs im Vergleich zur FES als teuer bezeichne, und dabei die hohen Zusatzkosten des staatlichen Instituts unterschlage. Trotz aller sanften Töne: Ein gewisser Ehrgeiz ist bei den beiden Entwicklern im Subtext erkennbar, jeder hat sein Berufsethos, der Wissenschaftler wie der Praktiker. Dazwischen steht der Verband, dem der Wettstreit entgegenkam, und dessen Ausgaben schon jetzt gerechtfertigt erscheinen.

Die letzten Trainingseinheiten im Vierer-Bob waren jedenfalls schnell. Johannes Lochner, der Weltcup-Gesamtsieger im Wallner-Vierer, hatte noch Probleme bei der Durchfahrt durch die Schlüsselkurve neun, am Freitag sagte Spies: "Heute sah es deutlich besser aus." Friedrich, der Gesamtweltcup-Zweite, ebenfalls im Wallner-Vierer, durfte sich ausruhen. Er habe nach seinem Zweier-Sieg Schlaf aufzuholen, erklärte Spies. Und Nico Walther, der Gesamt-Dritte im FES-Vierer, hat den letzten Weltcup der Saison gewonnen, auch er hat schnelle Trainingszeiten erzielt. Ebenfalls als Sieganwärter gelten der Kanadier Justin Kripps und die Letten Oskars Melbardis und Oskars Kibermanis.

Und noch besser als im Training lief es schließlich im Wettbewerb: Nach den ersten beiden von vier Läufen am Samstag lag der Francesco Friedrich mit 0,29 Sekunden vor dem überraschend stark fahrenden Südkoreaner Won Yunjong in Führung, Nico Walther und Johannes Lochner wahrten als Dritter und Fünfter ebenfalls ihre sehr guten Medaillenchancen.

Sollten die Deutschen an diesem Sonntag wieder Vierer-Medaillen gewinnen, dann könnten die Piloten also in FES-Bobs oder Wallner-Schlitten gesessen haben, vielleicht gewinnt der eine, vielleicht der andere, vielleicht steht es auch unentschieden. Ein Sieger jedoch stünde fest: der deutsche Verband.

© SZ vom 24.02.2018/tbr

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