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Olympia:"Mein Seelenheil hängt nicht von einer Medaille ab"

Seelenheil, dieses Wort ist oft gefallen bei Paul Biedermann vor diesen Olympischen Spielen. Er hatte es sich zurechtgelegt als Antwort darauf, was er sich nun als Ziel gesetzt hatte für den Abgang von der Schwimmbühne. "Mein Seelenheil hängt nicht von einer Medaille ab", sagte Biedermann dann, "ich will einfach einen guten Wettkampf machen und das Gefühl haben, dass ich alles gegeben habe." Man sollte Biedermann glauben, dass er in sich ruht, dass er gelassen geworden ist und sich selber keinen Druck mehr macht, nachdem ihn 2012 die Erwartungen erdrückt hatten.

Damals galt er als der Freistil-Gigant, viele sahen in ihm schon vorher einen Olympiasieger. Über 400 Meter schied er im Vorlauf aus, über 200 Meter wurde er Fünfter, wie schon 2008 in Peking. "Jedes Mal, wenn ich nach den Rennen das olympische Logo in London sah, sah ich mein eigenes Versagen", sagte er kürzlich der Welt. Er wollte nur noch weg. Ein Erlebnis, das ihn geprägt hat.

Schafft es die Staffel ins Finale, dauert Biedermanns Karriere noch acht Bahnen

Und das verstehen lässt, warum Biedermann diesmal sagte: "Ich will diese Spiele genießen." Bundestrainer Henning Lambertz gefiel diese Einstellung. "Er ist in keinster Weise verkrampft und gefällt mir supergut", meinte er vor dem Finale, "er wird seine letzten Rennen wirklich genießen, und mit dem Genuss kommt auch die Lockerheit, um richtig gute Leistungen abzuliefern." Das klang nach einem guten Konzept. Für eine Medaille gereicht hat es nicht.

Am Dienstag wird Biedermann noch einmal schwimmen. Schafft es die 4x200 Meter Freistilstaffel ins Finale, dauert seine Karriere nur noch acht Bahnen an. "Da sind drei Jungs, die auf mich zählen. Daran muss ich jetzt denken", sagte er noch. Und um nun zufrieden zu sein, mit seinem Abschluss als Einzelstarter, dafür brauche er noch zehn Minuten. Doch mit Zufriedenheit verhält es sich gar nicht so anders als mit Olympiamedaillen: Erzwingen kann man sie nicht.

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