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Früherer deutscher Nationalspieler:Özils Lage bei Arsenal ist verzwickt

Premier League - Arsenal v Burnley

Vier Partien, null Spielminuten: Mäßig euphorisiert verfolgt Mesut Özil das Ligaspiel seines FC Arsenal gegen Burnley.

(Foto: David Klein/Reuters)
  • Mesut Özil hat es schwer, beim FC Arsenal Spielzeit zu bekommen.
  • Der ehemalige deutsche Nationalspieler macht eine knifflige Phase seiner Karriere durch.
  • Es entsteht der Eindruck, dass ihm auch sein Charakter im Weg steht.

Mit dem gelben Leibchen wusste Mesut Özil nichts anzufangen. Er hatte es angezogen, das schon, doch es nahm ihm die Eleganz, mit der er sich sonst übers Fußballfeld bewegt. Noch mehr als das Aussehen dürfte Özil jedoch die Bedeutung des Leibchens gestört haben. Dadurch war für jeden im Stadion ersichtlich, dass er beim 2:2 seines FC Arsenal am vergangenen Wochenende gegen Tottenham Hotspur nur ein Ersatzspieler war.

Einer, der sich aufwärmen musste, während seine Mitspieler auf dem Feld schon die Partie beeinflussen konnten. Und dann wärmte er sich auch noch umsonst auf. Nach dem vergeblichen Warten auf eine Einwechslung zog Özil das unliebsame Hemdchen aus und ließ es auf den Rasen fallen. Seine Gleichgültigkeit signalisierte, dass sich schon irgendjemand finden würde, der es für ihn wieder aufhebt. Und falls nicht, dann müsste halt notfalls für ein paar Euro ein neues gelbes Leibchen gekauft werden. So what!

Kriminalität Mit Fäusten gegen Messer
Überfall auf Mesut Özil in London

Mit Fäusten gegen Messer

Der frühere Fußball-Nationalspieler war im Geländewagen mit Teamkollege Sead Kolasinac unterwegs, als zwei mit Messern bewaffnete Männer die beiden angriffen. Doch die Täter hatten nicht mit Kolasinacs Mut gerechnet.   Von Björn Finke

Seit sechs Jahren spielt Özil, 30, für Arsenal, in dieser Zeit musste er in der Premier League lediglich in sechs Partien die Erfahrung machen, wie es ist, nicht zum Einsatz zu kommen, obwohl der eigene Name auf dem Spielberichtsbogen steht. Doch bei keinem dieser Anlässe ist er derart offensichtlich übergangen worden wie gegen Tottenham. Sogar in der Schlussphase, in der Arsenal einen Rückstand aufzuholen hatte, ignorierte Trainer Unai Emery seinen Spielmacher. Dabei war das Wechselkontingent keineswegs erschöpft. Doch Emerys Botschaft schien eindeutig zu sein: Lieber nicht auswechseln als Mesut Özil einwechseln.

Nach vier Spieltagen in der Premier League wartet Özil weiterhin auf sein Saisondebüt. Aus verschiedenen Gründen (Sicherheitsbedenken/Krankheit/Trainingsrückstand) wurde Özil in den ersten drei Pflichtspielen aus dem Kader genommen. Einen solch kargen Leistungsnachweis hat er in seiner seit 2006 andauernden Profikarriere nie abgeliefert.

Nicht bei Real Madrid, nicht bei Werder Bremen, nicht in seiner Anfangsphase als Teenager beim FC Schalke 04. In London haben sich die immer öfter auftretenden Absagen mittlerweile fast zur Gewohnheit entwickelt. Besonders bei strapaziösen Auswärtsfahrten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Özil, der zunehmend grippe- und verletzungsanfällig ist, die Reise sausen lässt. Meist verweist der Verein dann in der offiziellen Verlautbarung auf einen Virusinfekt, Rücken- oder Knieprobleme.

Mit der konsequenten Missachtung versucht Emery wohl gerade, seinem zur Bequemlichkeit neigenden Ausnahmekicker die Grenzen aufzuzeigen. Vielleicht lässt sich Özil ja auf diese Weise aus seiner Komfortzone holen? Diese hatte ihm Arsenal vor anderthalb Jahren eingerichtet - aus Sorge vor einem ablösefreien Abgang samt Bedarf einer kostspieligen Ersatzverpflichtung verlängerte der Verein den Vertrag bis Sommer 2021. Seitdem erhält Özil ein kolportiertes Wochengehalt in Höhe von 375 000 Euro.

Frei auf Kaution

Nach einem Zwischenfall vor dem Haus von Mesut Özil haben zwei Verdächtige am Freitag vor einem Gericht in London ihre Unschuld beteuert. Die beiden 27 Jahre alte Männer wurden bis zum Prozessbeginn am 6. November auf Kaution freigelassen. Das Duo soll am 8. August vor Özils Anwesen in London in eine Auseinandersetzung mit dem Wachpersonal verwickelt gewesen sein, das der Profi des FC Arsenal nach einem versuchten Überfall auf ihn engagiert hatte. Einer der Sicherheitsleute wirft den Angeklagten vor, ihn bedroht zu haben. Kurz vor dem Vorfall waren Özil und sein Arsenal-Teamkollege Sead Kolasinac in London von bewaffneten Gangstern überfallen worden. Kolasinac wehrte die Täter mit bloßen Händen ab. Rund zwei Wochen später kam es dann zu der Auseinandersetzung vor Özils Anwesen, bei der die beiden Verdächtigen von der Polizei festgenommen wurden. dpa

Dieses Salär macht Özil zu einem der bestbezahlten Fußballer auf der Insel, allerdings spielt er gegenwärtig nicht die entsprechende Rendite ein. Was sich Arsenal eigentlich nicht leisten kann. Und jetzt offensichtlich auch nicht mehr leisten will. In den vergangenen drei Spielzeiten in der Premier League nahmen Özils Torbeteiligungen kontinuierlich ab; in der vergangenen Saison kam er in 24 Partien auf fünf Treffer und zwei Vorlagen.

Emerys Strategie des Ignorierens zwingt Özil gewissermaßen zu einer Entscheidung: Entweder sitzt er den Vertrag aus und gerät immer weiter in Vergessenheit - oder er rafft sich noch mal auf. Emery versucht dabei allerdings auch, eine gravierende Fehleinschätzung aus dem Sommer 2018 zu korrigieren. Özil war damals nach der Erdoğan-Foto-Affäre aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten, mit schweren Vorwürfen gegen den Verband.

Selbst Bundestrainer Joachim Löw wurde überrascht und konnte Özil wochenlang nicht sprechen. Emery dagegen, der gerade das Traineramt vom französischen Grandseigneur Arsène Wenger übernommen hatte, stärkte Özil demonstrativ. Er ernannte ihn sogar zu einem der Kapitäne von Arsenal. Doch Özils zaghafte Persönlichkeit ist für die Führung eines Teams nachweislich nicht ganz so gut geeignet.

Ein Jahr später scheint Emery, 47, verstanden zu haben, dass der bisweilen antriebslos wirkende Özil dringend auf die Probe gestellt werden muss. Denn dass der Offensivkünstler durchaus kämpfen kann, hat Özil ja auch hinlänglich bewiesen, nicht nur beim WM-Titel 2014. Und nicht zufällig hatte er seine beste Zeit zwischen 2010 und 2013 in Madrid, als er sich im kompetitiven Umfeld des streitlustigen Trainers José Mourinho durchsetzen musste.