Skisport in Österreich "Das ist eine autokratische Struktur"

Eine Österreicherin auf der Puckelpiste.

(Foto: imago/GEPA pictures)
  • Hans Kaiser, ein suspendierter Ski-Funktionär aus Österreich, verklagt den Präsidenten seines Landesverbands.
  • Am Mittwoch kommt es in St. Pölten zum Prozess.
  • Der Fall erzählt einiges über die große Verbandswelt und den ÖSV.
Von Johannes Knuth

Im Mai 2018 erhielt Hans Kaiser eine E-Mail, Absender war der Landesskiverband Niederösterreich. Kaiser, seit vier Jahren Referent für Ressort Freeski und seit Jahrzehnten in der Szene verwurzelt, sei von seiner Funktion suspendiert, hieß es da, mit sofortiger Wirkung.

Die Begründung verwunderte Kaiser: "Streitereien und Beschimpfungen von ÖSV-Funktionären", aus dem Österreichischen Skiverband also. Außerdem: "Unnötige Interventionen" beim Ski-Weltverband Fis, "Nichteinhaltung des Budgets". Kaiser war sich keiner Schuld bewusst. Er hakte nach, doch auf konkrete Fragen habe er keine konkreten Belege erhalten, sagt er. Und so bohrte er weiter, bis er etwas tat, was sehr selten ist im Dunstkreis großer Sportverbände: Er, der kleine Funktionär im Schatten eines der einflussreicheren Sportverbände des Kontinents, er muckte auf, verklagte den Präsidenten des Landesverbands, der ihn suspendiert hatte, wegen übler Nachrede. An diesem Mittwoch kommt es in St. Pölten zum Prozess.

Hans Kaiser.

(Foto: Privat / oh)

Hans Kaiser ist seit 1975 in der Freestyle-Szene, Buckelpiste und Aerials. Olympische Disziplinen, aber eher Außenposten des Wintersports. Doch sein Fall erzählt einiges über die große Verbandswelt und den ÖSV, der zuletzt häufig in schwere Kritik geriet. Der Fall handelt nicht von Razzien und Doping, wie zuletzt bei der Nordischen Ski-WM, dafür von fragwürdigem Verhalten von Funktionären und was passiert, wenn man sich in strengen Hierarchien eine eigene Meinung leistet.

"Ich habe gar nichts gegen den ÖSV", sagt Kaiser

Kaiser ist 76, wenn man ihn trifft, trägt er das, was Züge einer bizarren Posse trägt, mit ruhigen, klaren Worten vor. Er hatte sich 1975 in St. Moritz dem Europa-Verband angeschlossen, den der Deutsche Fuzzy Garhammer, einer der Urväter des Freestyle-Sports, gerade gegründet hatte. Bald ging der Verband in den Ski-Weltverband Fis über, Kaiser war im ÖSV nun Referent für Freestyle und Mitglied im Komitee der Fis. Bis 1994. Dann sei Peter Schröcksnadel, schon damals Chef des ÖSV, bei einem Fis-Kongress in Rio de Janeiro am Buffet zu ihm gekommen, erinnert sich Kaiser: Er sei jetzt nicht mehr Freestyle-Referent, habe Schröcksnadel gesagt - "Okay, warum?" - Na ja, die Landespräsidenten wollten ihn nicht mehr. Kaiser kannte alle Landesfürsten, als er nachhakte, schoben sie die Schuld auf die jeweils anderen. Kaiser bat Klaus Leistner, schon damals Generalsekretär im ÖSV, um eine schriftliche Begründung. Darauf warte er bis heute, sagt er. Der ÖSV ließ Fragen zu dem Vorgang unbeantwortet.

"Ich habe gar nichts gegen den ÖSV", sagt Kaiser, aber es sei nun mal so: "Es wird nie vorher mit den Leuten gesprochen, es wird einfach die Entscheidung getroffen. Und wenn man Einwände hat, wird einem gesagt: Dann könnt ihr halt gehen. Diese Verbandskultur", findet Kaiser, "ist keine demokratische Struktur, das ist bis heute eine autokratische Struktur. Zumindest soweit ich das mitbekommen habe, im Bereich Freestyle."

Kaiser zog sich aus dem ÖSV zurück, er besaß aber noch eine Fis-Lizenz als Technischer Delegierter, ein Art Berater der Wettkampfjury. Er war bei rund 60 Welt- und Europacups im Einsatz, bis 2014. Dann habe ihn Philipp Steinwender, ein Ex-Buckelpistenfahrer, um Hilfe gebeten: Er wollte ein Team für die Heim-WM 2015 am Kreischberg aufbauen, der ÖSV wolle das aber nicht so recht fördern. "Wir hatten in Österreich damals fast nichts mehr in den Sparten, fast alle Vereine waren eingegangen, wie in Deutschland", erinnert sich Kaiser: "Aber Freestyle war mein Baby, und das lässt man nicht sterben."