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Medaille für Turner Marcel Nguyen:Ganz stark am Barren

Sein schwächstes Gerät kam gleich zu Beginn. In deutscher Tradition ist dies das Pauschenpferd. Auch Marcel Nguyen ist dabei anzusehen, dass er weniger auf die vollkommene Ausführung, die Höhe der Beine, das Tempo und den Schwung der Übung achten kann als auf Sicherheit. Wegen seines geringen Gewichts und seines schmalen Körperbaus, den er von seinem vietnamesischen Vater geerbt hat, hat er aber auch Vorteile. Am Pferd kam er leidlich durch, startete mit 13,666 Punkten und fing an zu sammeln. "Ich bin oben geblieben und habe eine Aufholjagd gestartet", sagte er.

London 2012 - Turnen

In die Weltelite gejubelt: Marcel Nguyen.

(Foto: dpa)

Fabian Hambüchen hatte den selben Plan, er turnte in einer anderen Gruppe, befand sich hinter Nguyen, startete am Boden und wechselte in der olympischen Rotation über Pferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck einmal durch die Halle. Doch es war nicht Hambüchens Wettkampf. Wegen eines zu schief beendeten Handstands nach der Schere bekam er empfindliche Abzüge am Pferd. Dann musste er nach der Landung beim Sprung in die Matte fassen, hatte am Reck aber immer noch Chancen auf eine Medaille, allerdings nur bei vollem Risiko. Hambüchen zeigte alle Höchstschwierigkeiten - ein Element war dann zu viel. Nach einem Flugteil verfehlte er die Stange. Die Jagd war vorbei, Hambüchen wurde Fünfzehnter.

In der Zwischenzeit hatte Nguyen auf der Runde ordentlich Beute gemacht. Keine seiner Übungen wies gröbere Schnitzer auf, manche gelangen exzellent. Alle Wertungen lagen deutlich über 15 Punkten, am deutlichsten die am Barren. Es ist sein Parade-Gerät. Der Tsukahara, ein Abgang mit Doppelsalto und halber Drehung, ist sein Markenzeichen geworden. Nguyen steht ihn heute sicher und hat deshalb auch Chancen auf eine zweite Olympiamedaille im Barrenfinale am nächsten Dienstag.

An diesem Mittwoch gelang ihm jedenfalls alles. Seine Reckübung war so flüssig, dass ihm da schon ein verwundertes Grinsen entwich, ein Kopfschütteln über diese Form. Er ahnte, was möglich war.

© SZ vom 02.08.2012/hum

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