Maskenball:Nichts ist für immer, nur Budapest

Lesezeit: 1 min

Fußball EM - Portugal - Frankreich

Man muss nur den Kopf ein bisschen drehen: Budapests Puskás-Arena in abendlicher Regenbogen-Optik.

(Foto: Robert Michael/dpa)

Zwischen dem New York Kávéház und dem Solarium Uwe Bronz ist in Ungarns Hauptstadt die Politik weit weg. Aber die Puskás-Arena leuchtet nachts fast wie ein Regenbogen.

Von Claudio Catuogno

Wunderbarer Abend in Budapest übrigens. Darf man Budapest gut finden bei dieser EM? Es geht gar nicht anders. Kein Sturmtief weit und breit, dafür die knisternde Vorfreude auf ein Fußballspiel in dieser speziellen Luft, wie sie nur im südeuropäischen Großstadtsommer flimmernd zwischen den alten Steinhäusern stehen kann, der Duft aus Restaurantküchen und feuchten Gemäuern und Menschenparfum. Und keine rechten Hooligans weit und breit! Die sind ja alle in München, sich ein bisschen Liebe von Leon Goretzka abholen. Ungarn ohne Ungarn-Ungarn-Gebrüll, ein guter Anlass, diese EM zu umarmen.

Aber besser nicht zu viel Nähe, ein Spaziergang also vom Hotel zur Puskás-Arena, um öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Los geht es in der geschäftigen Erzsébet körút, an den auf den Gehsteig gestellten Tischen mischen sich hier heute Französisch, Portugiesisch und Ungarisch, vorbei am prunkvollen Kaffeehaus New York, wo sich unter der vergoldeten Kuppel die Säulen und Statuen im irren Überfluss aneinanderdrängen. Seit 1894 steht es da schon, in Ungarns kommunistischen Jahren hieß es Hungaria, heute wieder New York Kávéház; nichts ist für immer. Gleich dahinter, man bahnt sich seinen Weg durch Nebenstraßen, der morbide Charme des VII. Bezirks, der Elisabethstadt, vorbei am Geigenbauer Szonáta Hangszerüzlet, an Friseur und Glaser und Gemüseladen und am Hinterhof-Solarium Uwe Bronz.

Die Politik ist hier weit weg, vielleicht zu weit, um sie besser zu machen, das ist ja immer das illiberale Kalkül. Trotzdem, Budapest ist nicht Orbán und Orbán ist nicht Budapest, und dann, Überraschung, kommt man nach einem 2:2 zwischen Frankreich und Portugal aus der Puskás-Arena, es ist Nacht geworden, und als Erstes fallen einem die bunten Farben auf, in denen nun das Stadion beleuchtet ist. Rot, Orange, Grün, Blau, Lila. Es sind die Farben des Uefa-EM-Logos, die in dicken Längsstreifen die Fassade anstrahlen, aber man muss nur den Kopf ein bisschen drehen, dann sieht es fast wie ein Regenbogen aus.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB