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Machtkampf beim 1. FC Nürnberg:Kranker Club

In einer Aufsichtsratssitzung wollte der Fußball-Zweitligist 1. FC Nürnberg über die Kompetenzen seines Sportvorstands beraten. Jetzt musste die Versammlung wegen Beschlussunfähigkeit abgesagt werden.

Dass ein tiefer Graben durch den Aufsichtsrat des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg geht, war längst kein Geheimnis mehr am Valznerweiher, der im Volksmund nicht ohne Grund Filznerweiher genannt wird. Die Personalie des Sportvorstands Martin Bader spaltet nicht nur die Mitglieder und Fans, sondern auch das höchste Gremium des Vereins in zwei Lager. Doch am Montagabend erlebte der Machtkampf einen neuen, diesmal besonders kuriosen Höhepunkt: Wegen mangelnder Teilnehmerzahl musste eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung abgesagt werden - sie wäre beschlussunfähig gewesen.

Der neu gewählte Aufsichtsrat Mathias Zeck, bekannt als Vorstand des Regionalligisten FC Eintracht Bamberg, hatte zu der außerordentlichen Sitzung geladen, in der es um die Kompetenzen Baders gehen sollte. Es erschienen Günther Koch und Rainer Gömmel, woraus sich eine Koalitionsbildung ablesen lässt, sowie der Vorsitzende Thomas Grethlein, der qua Amt zu erscheinen hatte. Bereits im Vorfeld hatten Stefan Müller, Ralf Peisl, Peter Schmitt und Oberbürgermeister Ulrich Maly erklärt, dass sie nicht persönlich anwesend sein konnten oder wollten. So hätte sich eine Mehrheit der Bader-Gegner ergeben - und der Sportvorstand eine weitere Schwächung und den Eindruck mangelnden Rückhalts befürchten müssen.

Bereits am Nachmittag machte das Gerücht die Runde, die Sitzung werde nicht beschlussfähig sein. So überraschte es wenig, dass kurz vor Beginn des Treffens um 18 Uhr in Johannes Bisping der fünfte Aufsichtsrat, der benötigt worden wäre, absagte. Der Unternehmer, der den Internetzugang des 1. FC Nürnberg bereitstellt, meldete sich krank. So kam die Sitzung, die wegen Personalmangels bereits vom 25. März auf 30. März verschoben worden war, erneut nicht zustande. Bader und Trainer René Weiler, die ihre Konzepte erläutern sollten, wussten rechtzeitig Bescheid und reisten nicht an. Überhaupt hat Abwesenheit Tradition in dem Gremium: Schon im August wurde eine heikle Aufsichtsratssitzung, in der es um die Ultras und ihre Verbindungen zum Club-Vorstand gehen sollte, von zu wenigen Mitgliedern besucht.

Am Montag, 13. April, steht nun eine turnusmäßige Aufsichtsratssitzung an, die Teilnehmerzahl wird mit Spannung erwartet. Bader sagte der Bild-Zeitung auf die Frage, ob er in dem Gremium die Vertrauensfrage stellen wolle: "Warum sollte ich? Ich kann und darf mich nicht durch die öffentliche Wahrnehmung leiten lassen. Das würde Entscheidungen beeinflussen." Er spüre "Vertrauen durch meinen Arbeitsvertrag, meine Mitarbeiter, durch die Partner des Vereins und die vielen Themenbereiche, die meine Arbeit beinhaltet", sagte Bader, der sich einer Online-Petition von Vereinsmitgliedern und Fans ausgesetzt sieht, die seine Ablösung fordern. Die Transferarbeit, um die es in der Kompetenzdebatte zentral geht, sei dabei "die geringste", meinte der Sportvorstand. Es gehe ihm "wirklich nicht um Machterhalt, sondern einzig um den Verein, für den ich große Verantwortung trage und der sehr vernünftig aufgestellt ist".