Leichtathletik:Läufer trägt Kontrahenten über die Ziellinie

World Athletics Championships - Doha 2019

Braima Suncar Dabo aus Guinea-Bissau hilft Jonathan Busby aus Aruba über die Ziellinie.

(Foto: REUTERS)

Im Vorlauf über 5000m hilft ein Läufer aus Guinea-Bissau seinem karibischen Konkurrenten über die Ziellinie. Aber der Weltverband verhängt eine Strafe.

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5000 Meter, Männer: Guinea-Bissau trägt Aruba ins Ziel: Die Leichtathletik-WM in Doha hat schon am ersten Tag ihren ersten großen Herzensmoment erlebt. Im Vorlauf über 5000 m klemmte sich der hoffnungslos abgeschlagene Läufer Braima Suncar Dabo aus Guinea-Bissau seinen völlig entkräfteten Kontrahenten Jonathan Busby von der Karibikinsel Aruba unter den Arm und schleppte ihn unter dem tosenden Jubel der Zuschauer quasi über die letzte Runde.

Um die große Geste perfekt zu machen, schob Dabo seinen neuen Freund fürs Leben, der die brutale Hitze in Katar offenbar gnadenlos unterschätzt hatte, noch vor sich über seine Ziellinie - rund fünf Minuten hinter Sieger Selemon Barega aus Äthiopien.

"Ich wollte ihm einfach nur helfen, das Ziel zu erreichen. Ich denke, jeder hätte es genauso gemacht", sagte Dabo, der in Portugal studiert. Für beide Außenseiter stand letztlich eine persönliche Bestzeit zu Buche, für Busby blieb die Uhr bei 18:10,68 stehen, für Dabo bei 18:10,87 - allerdings hatten beide zuvor noch kein offizielles 5000-m-Rennen bestritten. Der Weltverband zeigte jedoch wenig Herz, disqualifizierte Busby, weil er gemäß Regel 144.3 unerlaubte Hilfe genossen hatte. Vorerst waren beide aber in den sozialen Medien die gefeierten Helden der noch jungen WM.

Marathon, Frauen: Die Kenianerin Ruth Chepngetich hat beim ersten Nacht-Marathon bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Hitze getrotzt und Gold gewonnen. Die 25-Jährige setzte sich am Samstag in Doha bei mehr als 30 Grad Celsius nach 2:32:43 Stunden durch. Es war die langsamste Siegeszeit der WM-Geschichte. Nur 40 der 68 gestarteten Teilnehmerinnen kamen in Katars Hauptstadt ins Ziel. "Es war ein hartes Rennen. Ich bin sehr glücklich über den Sieg und darüber, Gold nach Kenia zu bringen. Ich möchte eine weitere in Tokio gewinnen", sagte Chepngetich nach der Tortur über 42,195 Kilometer und mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020.

Als Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, das Staatsoberhaupt des Emirats, um Mitternacht den Startschuss gab, wurden 32,7 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 73,3 Prozent gemessen. Auf dem Kurs über sechs Runden á 7 Kilometer an der Strandpromenade Corniche verschärfte Chepngetich bei einer Verpflegungsstation nach 35 Kilometern entscheidend das Tempo und setzte sich ab. Silber ging an Bahrain und Titelverteidigerin Rose Chelimo: Die gebürtige Kenianerin kam nach 2:33:46 Stunden ins Ziel vor Helalia Johannes aus Namibia (2:34:15). "Es war sehr heiß, die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch", sagte Johannes, während ihr Sturzbäche von Schweiß über den Körper liefen. Eine deutsche Teilnehmerin auf der klassischen 42,195-Kilometer-Strecke war nicht am Start. Mit zunehmender Renndauer hatten immer mehr Teilnehmerinnen aufgegeben.

Die Marathon- und Geher-Wettbewerbe finden erstmals in der WM-Geschichte mitten in der Nacht statt. Nur am Anfang standen noch zahlreiche Zuschauer an der Strecke. Bei Chepngetich Zieleinlauf war kaum Jubel zu hören. Immerhin bekam die Siegerin ein Küsschen von Weltverbandspräsident Sebastian Coe. Die Kenianerin hatte sich mit ihrem Streckenrekord beim Dubai-Marathon Ende Januar als WM-Favoritin empfohlen. Damals gewann sie in 2:17:08 Stunden - die drittbeste je gelaufene Zeit. Nur Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25) und Afrika-Rekordlerin Mary Keitany (Kenia/2:17:01) waren schneller.

© SZ.de/sid/dpa/dsz
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