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NBA und China:Haltung kostet etwas

Los Angeles Lakers v Brooklyn Nets - NBA China Games 2019

Basketballer LeBron James.

(Foto: Getty Images)

Basketballer LeBron James verurteilt den Sympathie-Tweet von Rockets-Manager Daryl Morey für die Demonstranten in Hongkong. Nun steht er in der Kritik - und lernt eine Lektion.

Es brennt seit Wochen und Monaten in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong, seit ein Gesetzentwurf über die Auslieferung von Straftätern nach China den Widerstand der bislang noch einigermaßen selbstbestimmten Bevölkerung in der ehemaligen britischen Kolonie entfacht hat. Es brennt symbolisch, weil die Stimmung in den Straßen aufgeheizt ist. Es brennt auch tatsächlich: In diesen Tagen waren es Trikots mit Namen und Nummer des amerikanischen Basketballers LeBron James, die in Flammen aufgingen.

Was hat der denn jetzt mit den Demonstrationen in Hongkong zu tun?

Nun, LeBron James ist gerade aus China zurückgekehrt, wo er mit seinen Los Angeles Lakers zweimal gegen die Brooklyn Nets gespielt hat. Die Auftritte sollten zum einen der Vorbereitung auf die in einer Woche beginnende Saison dienen und zum anderen werben für die Basketball-Profiliga NBA und ihre Produkte, Trikots zum Beispiel. Die Werbung ist gründlich missglückt: Noch bevor die Teams in Shanghai landeten, hatte der Manager der Houston Rockets, Daryl Morey, mit einem Tweet für Aufregung gesorgt, mit dem er Sympathie für die Hongkonger Demonstranten bekundete. In China kam das ganz schlecht an, die Gastgeber ließen ihren Ärger an der ganzen NBA aus: Sie sagten alle Aktivitäten rund um die Spiele ab, stornierten Sponsoren-Deals, rissen Werbeplakate von Hauswänden, Firmenlogos vom Spielfeld. Die Partien selbst fanden statt, aber in bedrückender Atmosphäre, wie die Profis erzählten.

Die Kritik am US-Präsidenten hat LeBron James nicht viel gekostet, zumindest nicht viel Geld

Wieder daheim in den USA, kritisierte LeBron James dann auch den Rockets-Manager Morey: "Er war falsch informiert und nicht mit der Situation vertraut." Außerdem mahnte James: "Man muss vorsichtig sein mit dem, was wir twittern, sagen und tun. Es gibt negative Folgen, wenn man nicht an andere denkt, wenn man nur an sich denkt."

In China kam das prima an. In Hongkong nicht: Dort verbrannten die Fans verärgert die Trikots des Basketballers. Selbst in seiner Heimat geriet James ins Kreuzfeuer der Kritik. In den USA pflegt der Sportler das Image eines politisch engagierten Mannes: Er setzte sich gegen Rassismus ein, positionierte sich gegen den Präsidenten Donald Trump. Das hat LeBron James nicht viel gekostet, allenfalls Sympathien im Lager der Konservativen, aber sicher nicht bei den zahlungskräftigen, jungen Städtern, im Gegenteil. Deshalb lautet der Vorwurf an LeBron James jetzt: Dass er des Geldes wegen vor dem Druck aus China einknickt. Für seine größten Geldgeber, die NBA und den Sportartikelhersteller Nike, ist China ja der wichtigste Markt außerhalb der USA; während daheim die Umsätze stagnieren, wuchsen sie in Asien immer noch beachtlich. Trotz der drohenden finanziellen Folgen hat NBA-Chef Adam Silver in dem Konflikt mit China stets das Recht von Daryl Morey auf freie Meinungsäußerung verteidigt. Dass ausgerechnet LeBron James, der prominenteste NBA-Angestellte, die freie Meinungsäußerung relativiert, gefällt nicht jedem. Der australische Profi Andrew Bogut von den Golden State Warriors twitterte vielsagend: "Jeder ist für eine Sache, bis ihn diese Sache $$$$$ kostet......" Haltung gibt's nicht umsonst, die muss man sich notfalls was kosten lassen - diese Lektion lernt LeBron James gerade. Im Konflikt zwischen China und Hongkong und der NBA hat auch er sich jetzt schon die Finger verbrannt.

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