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NBA-Champion:Für Kobe, für Los Angeles

Fans Celebrate In Los Angeles After Lakers Win NBA Finals

Fans der Los Angeles Lakers feiern vor dem Staples Center den Gewinn der 17. Meisterschaft der Vereinsgeschichte, für LeBron James (auf der Anzeigetafel rechts) ist es die vierte.

(Foto: Brandon Bell/AFP)

Die Lakers gewinnen gegen Miami die 17. Meisterschaft ihrer Vereinsgeschichte - doch sie hat nichts zu tun mit Showtime-Spektakel und La La Land, wofür der Basketballklub weltweit bekannt ist.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Das Faszinierende an diesem Kunstwerk, das die Los Angeles Lakers da am Sonntagabend herbeigezaubert haben, ist die Tatsache, dass es neutrale Beobachter als unfassbar hässlich empfinden dürften. Sie haben den Finalgegner Miami Heat nicht einfach nur besiegt, sondern gedemütigt - und das nicht mit Showtime-Basketball, für den der Verein weltweit bekannt ist. Also nicht mit No-look-hinter-dem-Rücken-Pässen, bei denen im Hintergrund ein fröhlich gepfiffenes Liedchen läuft. Sondern mit disziplinierter Defensive, an der die Gegner reihenweise einfach abprallten.

Die Lakers haben Miami mit 106:93 aus der Halle in Disneyworld geprügelt und den 17. Titel der Vereinsgeschichte gewonnen, und vielleicht ist es gut, dass die sechste Partie der Finalserie wirkte wie ein leerer Luftballon und dass dieser Titel weniger erspielt als vielmehr erkämpft ist. Es passt zu dieser schwierigen NBA-Saison. Es passt zu diesem oftmals schrecklichen Jahr. Es passt zur Lage in dieser Stadt, in der die Lakers beheimatet sind. "Wir haben auf jeden Fall einen Doktortitel im Umgang mit Widrigkeiten", sagte Trainer Frank Vogel danach: "Aber es hat sich alles gelohnt."

Natürlich verfügen die Lakers mit LeBron James, der zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt worden ist, und dem zu Saisonbeginn aus New Orleans gewechselten Anthony Davis über zwei der aktuell besten Spieler der Liga im Kader. James ist nach dem vierten Titel mit dem dritten Verein (er gewann mit Miami 2012 und 2013 sowie mit Cleveland 2016), nach dem Rekord von 260 Playoff-Partien und einer wieder mal großartigen Leistung im rechten Moment (28 Punkte, 14 Rebounds und zehn Zuspiele) der womöglich beste Spieler der Geschichte.

Nur: Solche Jungs haben andere Vereine auch, Ortsrivale Clippers (Kawhi Leonard/Paul George) zum Beispiel, die Houston Rockets (James Harden/Russell Westbrook), die Philadelphia 76ers (Joel Embiid/Ben Simmons), die Boston Celtics (Kemba Walker/Jaylen Brown) oder die Milwaukee Bucks (Giannis Antetokounmpo/Khris Middleton).

Von denen erreicht aber keiner die Finalserie, und es kann kein Zufall sein, dass der Gegner der Lakers eine Mischung aus jungen Hüpfern wie Bam Adebayo, Tyler Herro und Duncan Robinson und abgezockten Veteranen wie Andre Iguodala, Goran Dragic und Jay Crowder war. Der einzige Promi ist Jimmy Butler - ein Typ, der sich davor bei den Chicago Bulls, Minnesota Timberwolves und Philadelphia 76ers mit Trainern, Management und/oder Mitspielern angelegt und aufgrund seiner aggressiven Art als toxisch fürs Klima in der Kabine gegolten hatte.

So abgedroschen das klingen mag: Es erreichten die beiden Teams die Finalserie, die es am meisten wollten. Oder, weniger abgedroschen und passend zum aktuellen gesellschaftlichen Klima in der westlichen Welt: die beiden Vereine, die sich nicht dauernd darüber beschwerten, wie schlimm das doch alles sei, wie mühsam der Aufenthalt in der Bubble und wie schrecklich das dauernde Tragen von Masken. Es waren die beiden Teams, die das alles als Herausforderung annahmen und es nicht schlimm fänden, würde man diese Saison mit einem Sternchen versehen - nicht wie bei Dopern und anderen Betrügern als Hinweis, dass da was nicht in Ordnung ist, sondern darauf, dass sie unter erschwerten Bedingungen stattfand.

Es ist viel passiert in diesem Jahr, gerade in Los Angeles: Ende Januar starb Kobe Bryant, der vielen in dieser Stadt als Engel galt, bei einem Hubschrauberabsturz. Im März legte die Coronavirus-Pandemie den Großteil des öffentlichen Lebens lahm, die Heimstätte der Lakers im Stadtzentrum galt plötzlich als "Superspread-Arena", weil dort nicht nur Basketball gespielt wird: Vom Bekanntwerden des ersten Coronavirus-Falls in den USA am 21. Januar bis zur Unterbrechung der NBA-Saison sieben Wochen später fanden 39 Veranstaltungen statt. Die Stadt wurde von der Pandemie ganz besonders gebeutelt, die Arbeitslosigkeit stieg teilweise auf mehr als 22 Prozent. Dazu: Waldbrände, Erdbeben - und all die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus, bei denen die Stadt in einigen Nächten so aussah wie ein Kriegsgebiet.

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