Robert Kubica in der Formel 1 Seine linke Hand muss für die rechte mitlenken

"Eine der größten Leistungen meines Lebens": Robert Kubica ist froh, wieder in der Formel 1 zu fahren.

(Foto: AFP)
  • Nach acht Jahren, vier Monaten und drei Tagen ist Robert Kubica wieder in den Motorsport zurückgekehrt.
  • Einst galt er als kommender Weltmeister, doch dann verletzte er sich bei einem Unfall bei einer Rallye schwer am Arm.
  • Nun fährt er mit einer starken körperlichen Beeinträchtigung Formel-1-Rennen.
Von Philipp Schneider, Melbourne

Der Weg zu Robert Kubica ist weit, er arbeitet ja für Williams. Wenn die Formel 1 Station macht in Übersee, ist das Fahrerlager immer gleich strukturiert: auf der einen Seite die Garagen, dahinter die Strecke, auf der anderen Seite die Motorhomes, die provisorischen Quartiere der Teams. Wer sich auf den Weg macht zu Team Williams, läuft vorbei an Mercedes. An Ferrari. An Red Bull. An Renault. Haas. McLaren. Racing Point. Alfa Romeo. Toro Rosso. Am Reifenhersteller Pirelli. Am Motorenlieferanten Honda. Und dann ist er noch immer nicht am Ziel.

Jemand ist auf die Idee gekommen, noch einen ausladenden, schon am Vormittag gut frequentierten Bierstand einer niederländischen Pilsmarke zwischen Honda und Williams zu schieben. Als schämten sich die anderen Teams für Williams. Als wollten sie sich abschotten von dem Sonderling. Hinter Williams kommt nur noch ein Zaun. Dann endet die Formel 1.

Dort, ganz am Ende des Fahrerlagers, laufen in Melbourne zwei Erzählstränge zusammen, die sich ähneln. Zwei Geschichten, jeweils getragen von der Erinnerung an eine große Vergangenheit und der Hoffnung auf Wiedererstarken in der Gegenwart. Williams und der Rennfahrer Robert Kubica sind eine Liaison eingegangen, um sich gegenseitig nach oben zu ziehen. Der Pole Kubica kehrt nach einem schweren Rennunfall und Plackerei im Reha-Studio nach acht Jahren zurück in die Formel 1. Williams, das einst sieben Fahrer- und neun Konstrukteurstitel sammelte und im Vorjahr schon als schlechtestes Team der Saison am Tiefpunkt angelangt war (weswegen sein Motorhome auch da steht, wo es steht), will irgendwann zumindest mal wieder dahin, wo es vor vier Jahren noch war: auf Platz drei der Konstrukteurswertung.

Sieben Kurven zur Formel 1

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Kubica: "Es ist wichtig, dass ich das mache"

Kubica sitzt am Samstagabend vor der Garage von Williams. Am Himmel steht ein dreiviertelvoller Mond. Er scheint auf die grünen Schirme des Bierstands, unter denen noch immer was los ist. Kubica lächelt oft, obwohl er einen unerfreulichen Arbeitstag hinter sich gebracht hat. Er ist Letzter geworden in der Qualifikation, hatte mehr als vier Sekunden Rückstand auf Lewis Hamilton. Er war 1,7 Sekunden langsamer als der Vorletzte - sein Teamkollege George Russell. Vier Sekunden Rückstand gibt es so gut wie nicht in der Formel 1. Vier Sekunden sollte es nur geben, wenn der eine mit dem Auto, der andere mit der Pferdekutsche antritt. Doch Kubica sagt: "Es ist wichtig, dass ich das mache. Dass ich morgen fahre. Es wird das erste Mal nach der langen Zeit sein, dass ich mehr als 15 Runden drehe." Pause. "Also hoffentlich!", ruft er, lacht. "You never know!", man wisse nie. Er klopft auf den Tisch. Toi, toi, toi. Es liegt am Auto, nicht an ihm.

Als Kubica am Tag danach aus dem Williams steigt, als 17. und Letzter, war sein bis dato letztes Rennen in der Formel 1, der Große Preis von Abu Dhabi 2010, schon eine Weile her. Als "eine der größten Leistungen meines Lebens" hat er seinen Weg zurück in die Königsklasse bezeichnet. Dieser Weg beginnt am 7. Februar 2011. Am Tag, nachdem sich Kubica in die Rallyeversion eines Skoda Fabias gesetzt hat, um bei der Ronde di Andora in Italien mitzufahren, wofür er sich eigens eine Genehmigung seines Arbeitgebers eingeholt hat. Und dann passiert es.

In Testico oberhalb der ligurischen Küste fährt Kubica in eine Passage mit zwei Rechtskurven, der Fabia bricht aus, touchiert mit dem Heck die Leitplanke, dann mit der Front. Die Absperrung bohrt sich wie ein Schwert in die Motorhaube, schneidet durch den Fabia, verletzt Kubica an Arm und Bein. Notärzte befürchten das Schlimmste, auch eine Amputation. Aber sie retten sogar Kubicas fast abgetrennten rechten Unterarm. Sieben Ärzte, aufgeteilt in zwei Teams, operieren sieben Stunden.