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Kommender DFB-Boss:Reinhard Grindel - Tätschelonkel auf der Kuhweide

Reinhard Grindel

Bisher war Reinhard Grindel Schatzmeister des DFB - jetzt soll er Präsident werden.

(Foto: AP)
  • Reinhard Grindel soll Präsident des DFB werden, er soll einen Verband mit über sechs Millionen Mitgliedern leiten.
  • Vorher erstaunt der neue starke Mann im deutschen Fußball aber noch das Netz mit einem Video als CDU-Abgeordneter.

Und jetzt mal kurz in die deutsche Provinz, irgendwo in die Prärie zwischen Hamburg und Bremen. Dort, wo die Orte Hodenhagen, Bad Fallingbostel oder Kirchlinteln heißen - wo die Menschen "Moin" sagen und Korn mit dem Namen "Kutterschluck" seinen Ursprung hat. Aus diesem Fleckchen Hinterland kommt Reinhard Grindel. Den muss man nicht kennen, aber es kann gut sein, dass er einem in Zukunft häufiger begegnen wird. Reinhard Grindel dürfte aller Voraussicht nach der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden. Er wird viel im Fernsehen sein und Deutschland im Ausland vertreten. Er wird der Chef eines Verbandes mit über sechs Millionen Mitgliedern.

Der DFB steckt wegen der Verstrickungen um die Vergabe der WM 2006 bekanntlich gehörig in der Tinte. Wie gut, dass jetzt einer wie Grindel um die Ecke kommt. Ein Mann des Vertrauens, ein Monument gelebten niedersächsischen Anpackens, ein CDU-Bundestagsabgeordneter, der in seinem Wahlkreis Rotenburg und Heidekreis offenbar alles und jeden kennt. Das geht zumindest aus einem Wahl-Werbe-Video hervor, das nun zum herzhaften Beömmeln einlädt.

Zu sehen ist darin Grindel beim Wählerfang und es ist alles so herrlich daneben, dass man fast weinen muss - vor Schadenfreude. Ein bisschen kommt es einem vor wie beim "Praktikantenrap" von Edeka: Warum verhindert niemand so etwas, nun ja, Saupeinliches? Der Plot geht so: Das Ortsschild Scheeßel im Landkreis Rotenburg (Wümme) führt den Zuschauer hinein in eine Welt aus Händeschütteln, wackerem Smalltalk und "Grindel staring at things". Da begrüßt der kommende starke Mann im deutschen Fußball die Freiwillige Feuerwehr, er gibt sich als bürgernaher Tätschelonkel im Kindergarten, als Grinsepeter im Kuhstall, als Mitmacher in verschiedenen Bereichen des Mittelstandes.

Grindel macht einen auf Soccer Dad

Grindel stakst im Anzug auf Volksfesten herum, posiert mit dem örtlichen Schuhmacher und seiner pollunderbehängten Gattin, ehe er beim Bolzen auf dem Fußballplatz (immer noch im Anzug) einen auf Soccer Dad macht. Und natürlich immer wieder Kühe. Kühe im Stall, Kühe auf der Weide, Kühe, Kühe, Kühe. Niedersachsen halt. Dazu trällert ein ohrenpieksendes Hartmut-Engler-Stimmchen einen Song mit der Zeile: "Komm' mit ins Zukunftsland, es liegt in deiner Hand, mit Herz und Verstand - ooooh, Niedersachsen".

Und wer es bis zum Ende schafft, wird sogar noch mit zweistimmigem Gesang belohnt. Irgendwo aus den Mooren der Lüneburger Heide steigt nämlich eine Sängerin empor und krakeelt mit dem Engler-Double ein Duett. Das ist dann tatsächlich so nervtötend, dass man sich wenigstens Sarah Connor herbeisehnt. Die kommt auch aus Niedersachsen. Aus Delmenhorst, um genau zu sein. Aber die will leider nicht DFB-Präsidentin werden.

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Porträt
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