Final Four der Handball-Champions-League:Knapp vorbei am bunten Teller

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Final Four der Handball-Champions-League: Barcelonas Ludovic Fabregas (li) und sein Kollege Mem Dika blocken Kiels Domagoj Duvnjak - am Ende gab es nichts zu machen für den THW.

Barcelonas Ludovic Fabregas (li) und sein Kollege Mem Dika blocken Kiels Domagoj Duvnjak - am Ende gab es nichts zu machen für den THW.

(Foto: Roberto Pfeil/AFP)

Kiels Handballer verlieren das Halbfinale knapp gegen den FC Barcelona, weil einfach zu viele wichtige Akteure fehlen. Nach dem Aus des THW steht trotzdem ein Deutscher im Endspiel.

Von Ulrich Hartmann, Köln

"Ich habe keinen Bock, nur um den dritten Platz zu spielen", hatte Domagoj Duvnjak vor dem Halbfinale gesagt. Der Rückraumwerfer des THW Kiel wollte ins Endspiel des Champions-League-Finalturniers, wollte nach der verpassten Meisterschaft mit seinem THW wenigstens das Double aus Pokal und Champions League perfekt machen. Doch das Leben ist auch beim Handball kein Ponyhof, kein bunter Teller, kein Wunschkonzert.

Ohne ihre schwerverletzten Schlüsselspieler Sander Sagosen und Hendrik Pekeler konnten sich die Kieler dem Halbfinalgegner und Vorjahressieger FC Barcelona am Samstagabend nur knapp 40 Minuten erwehren - und verloren am Ende 30:34 (18:19). Jetzt müssen sie am Sonntag eben doch um den dritten Platz spielen gegen den ungarischen Rekordmeister Veszprem, während sich Barcelona und der polnische Meister Kielce mit dem deutschen Torwart Andreas Wolff um den Titel duellieren.

Es war eineinhalb Jahre her, dass der THW Kiel und der FC Barcelona zuletzt in der Kölner Arena aufeinander getroffen waren. Damals, coronabedingt am 29. Dezember 2020, gewannen die Kieler in einer ebenso coronabedingt leeren Riesenhalle das Champions-League-Endspiel gegen Barcelona mit 33:28 und damit ihren vierten Champions-League-Titel. Am Samstag trafen sich beide Teams nun wieder. Im Halbfinale. Vor fast 20.000 Zuschauern. Und Barça nahm Revanche.

Barcelona nimmt Revanche an den Kieler Handballern

Kiel war klarer Außenseiter gewesen. Im Mai hatte sich der Abwehrchef Pekeler die Achillessehne gerissen. Er wurde am Samstag in der Kölner Arena als bester Abwehrspieler der regulären Champions-League-Saison ausgezeichnet und humpelte mit einer dicken Schiene recht unglücklich dreinblickend durch die Halle.

Kiels Torjäger Sagosen hat sich kürzlich den Knöchel gebrochen. Er war in Köln nicht dabei, sondern sah in Oslo daheim bei seiner Freundin im Fernsehen, wie seine Kieler zwar knapp zwei Drittel des Spiels halbwegs mithalten konnten, dann aber in der entscheidenden Phase einbrachen. Aus einer 23:22-Führung in der 38. Minute machten die Spanier binnen sieben Minuten eine 29:24-Führung. Und damit war die Sache im Grunde durch.

"Ich bin stolz auf meine Jungs, weil sie nach einer so lange Saison und in einer so schwierigen Konstellation wie Löwen gekämpft haben", sagte der Trainer Filip Jicha. Ein Saisonfazit wollte er sich vor dem Spiel um Platz drei allerdings noch nicht entlocken lassen. Das kleine Finale müsse man noch mal so professionell wie möglich angehen, sagte er.

Domagoj Duvnjak, der den verletzten Sagosen im linken Rückraum ebenso wenig gleichwertig ersetzen konnte wie der glücklose Nikola Bilyk, will auf diese Saison mit dem einen (Pokal-)Titel aber nichts kommen lassen, "Ich finde schon, dass es eine gute Saison war", sagte er nach der Halbfinal-Niederlage. "Wir haben den Pokal gewonnen und uns in der Bundesliga wieder für die Champions League qualifiziert."

Dort wollen sie im Finalturnier in Köln in einem Jahr eine bessere Figur abgeben - kurz vor dem Abschied von Sagosen (wechselt 2023 zu Kolstad/NOR) und vom Torwart Niklas Landin (wechselt 2023 nach Aalborg/DEN). Wenn sie in Kiel all die Jahre eines geschafft haben, dann immer wieder eine neue Mannschaft aufzubauen, die in der Champions League auch Titel gewinnen kann. Mit Spielen um den dritten Platz haben sie sich hier noch nie zufrieden gegeben.

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