Johan Cruyff:Der Schlaks, der Barça wachküsste

Erfolge in Serie, wehendes Haar und ein Sinn für die Schönheit: Johan Cruyff ist ein Idol. Seine Karriere in Bildern.

Von Jonas Beckenkamp

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Johan Cruyff; Cruyff

Quelle: Getty Images

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Holland und die gesamte Fußballwelt sind erschüttert - Johan Cruyff ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 68 Jahren an Lungenkrebs. Der Niederländer gehörte zu den besten Fußballern der Geschichte. Er wurde dreimal Europas Fußballer des Jahres und prägte durch seine Art, Fußball zu spielen und zu denken eine gesamte Sportart. In Holland nannten sie ihn bald "König Johan" - ein Titel, der seine Berühmtheit gut beschreibt.

Cruyff

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Cruyff stieg bei Ajax Amsterdam Mitte der sechziger Jahre zu einem der gefeiertsten Spieler des Kontinents auf. Seine langen Wuschelhaare wehten über den Rasen, wenn er loslegte, aber noch auffälliger war sein Spielstil. Der Schlaks Cruyff war genau die Art von Regisseur, wie es sie heute kaum noch gibt: Er konnte Fußballspiele mit einem einzigen Gedanken, einer Bewegung entscheiden. Bei Ajax schoss er in 240 Partien 190 Tore - und das als Mittelfeldspieler. Von 1971 bis 1973 gewann er mit den Rot-Weißen drei Landesmeister-Titel. Ajax war damals der überragende Verein Europas.

WM 1974 - Finale Deutschland - Niederlande

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Im Sommer 1973 folgte ein Transfer, der Europas Fußball nachhaltig verändern sollte. Die spanische Liga war ab diesem Jahr auch für ausländische Profis zugänglich und so verschlug es Cruyff zum FC Barcelona. Barça-Coach Rinus Michels, ein Landsmann Cruyffs, hatte sich in den Kopf gesetzt, seinen Ajax-Musterschüler zu holen, um so ihre gemeinsame Idee von Fußball nach Katalonien zu übertragen: den "Voetbal totaal". Im WM-Finale 1974 scheiterten die Holländer trotz Überlegenheit mit ihrem Fußball an Franz Beckenbauer (Bild) und der DFB-Elf.

Trainingslager des FC Barcelona Barca in Duisburg Wedau Trainer Weisweiler Mitte und Johan Cruyff; Cruyff

Quelle: imago/Horstmüller

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"Voetbal totaal" krempelte den Fußball völlig um. Es war eine Taktik, Denkweise und Spiel-Philosophie, die nicht mehr zwischen einzelnen Teilen wie Abwehr oder Sturm unterscheidet. Stattdessen sollte sich nach Cruyffs (und auch Michels') Wahrnehmung die gesamte Mannschaft ins Angriffs- oder Verteidigungsspiel einbringen. Den totalen Fußball durfte 1975 auch der deutsche Trainer Hennes Weisweiler (im Bild neben Berti Vogts und Cruyff) für ein Jahr kennenlernen - nach zwölf Monaten kehrte aber wieder Michels an seine Stelle als Trainer Barcelonas zurück.

Johan Cruyff of Barcelona; Cruyff

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Beim FC Barcelona entwickelte sich Cryuff zu einem Mann von Welt. Fünf Jahre unterhielt er die Fans mit seiner kreativen Spielweise, seinen Pässen und Toren (48 in 143 Partien) - die Katalanen liebten ihn auch, weil er sich bewusst gegen das vom Franco-Regime unterstützte Real Madrid entschieden hatte und lieber für Barça spielte. Gegen die Übermacht der "Königlichen" tat sich Barcelona aber schwer. Trotz eines brillanten Cruyff reichte es nur zu einer Meisterschaft (1974) und einem Pokalsieg (1978). Seine aktive Karriere ging langsam zu Ende. Über die Stationen LA, Washington und Levante ging es für ihn zurück in die Heimat. Cruyff wurde Trainer. Erst bei Ajax (u.a. zwei Europapokalsiege), dann ab 1988 bei Barça.

Trainer Johann Cruyff li und Josep Guardiola re im Gespräch mit dem am Boden sitzenden Gheorgh

Quelle: imago/Miguelez Sports Foto

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Als Coach wollte Cruyff dasselbe erreichen wie früher als Profi: Er wollte das Spiel in den eigenen Händen haben. Er wollte dominieren, den Gegner beherrschen. Seine Lehre des totalen Fußballs brachte er den Spielern Barcelonas schnell bei - ab 1990 hörte ihm auch ein gewisser Josep Guardiola (Bild) sehr genau bei seinen Anweisungen zu. Hatte Barcelona in den Jahren zuvor noch mit den überlegenen "Königlichen" aus Madrid zu kämpfen, so änderte sich nun alles. Cruyff führte Barças "Dream Team" zum Pokalsieg, zu Meisterschaften und schließlich zu seinem Höhepunkt als Coach: Dem Gewinn des Landesmeister-Pokals 1992. "Cruyff baute die Kathedrale. Wir halten sie nur instand", meinte Guardiola einmal, als er den Einfluss Cruyffs beschreiben sollte.

cruyff

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Mit ausländischen Helden wie Michael Laudrup, Hristo Stoitschkow oder Ronald Koeman formte Cruyff eine katalanisch-internationale Wunder-Elf, die kaum ein Spiel verlor. Eine ihrer wenigen, schmerzlichen Niederlagen erlebte diese Mannschaft 1994 im Finale des Landesmeister-Cups. Gegen eine geschickt verteidigende Milan-Elf von Trainer Arrigo Sacchi verlor Cruyff mit seinen Männern 0:4. Es war eine der größten Schlappen für den "Voetbal totaal", der in dieser Zeit ein wenig in Zweifel geriet. Die Viererkette, taktisches Verschieben und das dreckige Einsnull kamen in Mode.

FC Barcelona v SD Eibar - La Liga; Cruyff

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1996 wurde Cruyff nach einem Streit mit den Klub-Offiziellen entlassen - der Bruch mit dem wohl größten Idol des Vereins dauerte viele Jahre. Obwohl der Holländer weiterhin in Barcelona lebte, wo er selbst seinem Sohn einen katalanischen Namen (Jordi) gegeben hatte, schien kein Platz mehr für ihn zu sein. Erst 2009 näherte man sicher wieder an und als schließlich 2010 Joan Laporta zum Präsidenten gewählt wurde, kehrte Cruyff triumphal zurück: als Ehrenpräsident. Weil aber Laportas Zeit bald wieder endete, kam es zum Streit mit dem neuen Boss Sandro Rosell. Cruyff nannte das Hin und Her "einen Zirkus" und verdingte sich fortan als Kritiker in Zeitungen. Doch in den vergangenen Jahren war immer weniger von ihm zu hören. Der große Vereinsheld Barcelonas war erkrankt. Der leidenschaftliche Raucher hatte Krebs. Spieler wie Gerard Pique (Mitte) zeigten mehrmals öffentlich ihr Mitgefühl.

fans of Ajax honor Johan Cruijff during the Dutch Eredivisie match between Ajax Amsterdam and Roda J; Cruyff

Quelle: imago/VI Images

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Noch im vergangenen Herbst versuchten auch die Fans von Ajax Amsterdam ihrem Johan Cruyff Kraft zu geben. Die legendäre Nummer 14 war sein Markenzeichen - an diesem Frühlingstag im Jahr 2016 ist der wohl beste Fußballer Europas (neben Franz Beckenbauer) verstorben. Sein Erbe wird noch viele Trainer und Spieler begleiten.

© Sz.de/schm/jbe
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