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Rassismus-Vorwürfe:Ismaik sollte sich in anderen Stadien umschauen

Hasan Ismaik

Teilt aus: Hasan Ismaik

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

1860-Investor Hasan Ismaik bezeichnet die Vereinsvertreter als Rassisten, ohne Belege zu liefern. Sein Engagement ist eher ein riesiges interkulturelles Missverständnis.

Ein Reporter der Abendzeitung ist unlängst nach Los Angeles geflogen, um Hasan Ismaik zu besuchen, den jordanischen Investor des Giesinger Drittligisten TSV 1860 München. Er hat dort Einiges erfahren, zum Beispiel, dass Ismaik Hunde liebe und süße Welpen im Garten seiner zum Verkauf angebotenen Villa zwischen Bel Air und Hollywood herumtollten. Weniger süß waren dann die Grüße, die Ismaik an die Vereinsvertreter sendete, die keine Darlehen mehr von ihm annehmen und den Konsolidierungskurs ausgerufen haben. Von den Zeitungskästen in München prangte über Mariä Himmelfahrt der Schriftzug: "Hasan Ismaik: 1860-Bosse sind Rassisten!"

Grundlage der Schlagzeile ist eine Antwort Ismaiks auf die Frage, weshalb er den früheren Präsidenten Peter Cassalette schätze: "Im Gegensatz zu den anderen war er kein Rassist." Auf den Einwand, das sei ein schwerer Vorwurf, entgegnete Ismaik: "Es ist für mich kein Vorwurf, sondern eine Tatsache: Mehrere Präsidenten, Funktionäre und Vereinsmitglieder sind mit mir rassistisch umgegangen." Als Beleg führte er den Umstand an, dass Robert Reisinger sich nicht von dem im Fanblock oft dargebotenen Text "Scheiß auf den Scheich, scheiß auf sein Geld" distanziert habe: "Jeder andere Präsident in Deutschland hätte sich vor mich gestellt und sich von den Beleidigungen gegen meine Person distanziert. Reisinger hat es toleriert." Weitere Indizien für Rassismus nannte er nicht. Bei der vergangenen Mitgliederversammlung hatte Reisinger darum gebeten, "gewisse Lieder" nicht darzubieten, und es hielten sich alle daran. Ismaik sollte angesichts der Schwere seines Vorwurfs dringend Belege nachliefern, wenn er sie haben sollte.

Womöglich missbraucht er den Begriff bewusst

Bereits 2016 hatte Ismaik ganz allgemein der Presse Rassismus vorgeworfen. "Ich habe den rassistischen Schlagzeilen die kalte Schulter gezeigt", teilte er mit, damals blieb die Bitte nach belegenden Textstellen ohne Antwort. Zuvor war über sein Wirken beim TSV 1860 kritisch berichtet worden. Wenn Ismaik nun die homöopathisch beleidigende Kritik von Fans an ihm - das so genannte Scheichlied, auch Plakate und T-Shirts mit seinem durchgestrichenen Gesicht und dem Schriftzug "Ich lieb' dich nicht" - zum Anlass nimmt, von Rassismus der Klubführung zu reden, sollte er in andere Stadien schauen.

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp im Fadenkreuz mit dem Schriftzug "Hasta la vista", an Red Bull Leipzigs damaligen Manager Ralf Rangnick gerichtet: "Ey, Ralf wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout" - wenn es um Investoren im Fußball geht, werden in den Fanblocks die Grenzen der Meinungsfreiheit und des Strafrechts strapaziert oder gar überschritten. Der Protest bei Sechzig hingegen hat diese Grenzen bisher stets eingehalten.

Und doch bezichtigt Ismaik die Vereinsvertreter im dreiköpfigen Präsidium und dem mit neun Personen versetzten Verwaltungsrat, denen er den kollektiven Rücktritt empfahl, pauschal des Rassismus'. Womöglich missbraucht er den Begriff bewusst, nach dem Motto: Ein bisschen was bleibt immer hängen. Dann würde er alle verhöhnen, die tatsächlich Ausländerfeindlichkeit ausgesetzt sind. Es mag aber auch sein, dass sich Ismaik tatsächlich rassistisch behandelt fühlt, etwa durch die 50+1-Regel, die ausländischen (und auch deutschen) Investoren die Entscheidungshoheit in den Klubs verweigert.

Behaupten lässt sich jedenfalls, dass Ismaiks Engagement bei Sechzig von Anfang an ein riesiges interkulturelles Missverständnis war. Mit Rassismus hat das erst einmal nichts zu tun. Etliche seiner Gegner waren übrigens auch schon erbitterte Kritiker des früheren Klubpatriarchen Karl-Heinz Wildmoser. Dessen Vita: geboren in München, Metzgerlehre in Rottach-Egern, Wiesnwirt.

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