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Deutscher Triathlon-Doppelsieg:Frodeno und Haug gewinnen Ironman auf Hawaii

Mit einem Freudenschrei und dem Zielband in den Händen feiert Jan Frodeno seinen nach 2015 und 2016 dritten Hawaii-Sieg.

(Foto: AP)
  • Anne Haug und Jan Frodeno gewinnen den Ironman auf Hawaii.
  • Haug ist die erste Deutsche, die den prestigeträchtigsten Triathlon der Welt für sich entscheiden kann.
  • Frodeno stellt einen neuen Streckenrekord auf. Vorjahressieger Patrick Lange muss aufgeben.

Doppelerfolg für die deutschen Triathleten: Mit Anne Haug hat erstmals eine Deutsche den Ironman auf Hawaii gewonnen. Nach dem frühen Aus von Vorjahressieger Patrick Lange hat zudem Herausforderer Jan Frodeno Gold geholt. Der 38-Jährige verbesserte als erster deutscher Dreifach-Champion - er siegte schon 2015 und 2016 - auch noch den Streckenrekord seines Landsmannes aus dem Vorjahr.

Frodeno benötigte 7:51:13 Stunden für die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Er blieb damit weit mehr als eine Minute unter dem Streckenrekord, den Lange erst vor einem Jahr mit 7:52:39 Stunden aufgestellt hatte. "Es ist das Wimbledon in unserem Sport. Es ist das großartigste Gefühl", sagte Frodeno. "Ich bin sehr dankbar, dass ich das noch mal erleben und vollbringen durfte." Mit deutlichem Rückstand wurde Timothy O'Donnell aus den USA Zweiter. Sebastian Kienle, der 2014 den deutschen Titelreigen eingeleitet hatte, kämpfte sich auf den dritten Platz.

Während Frodeno auf dem Podium schon auf seinen Sieg anstieß, rannte auch Anne Haug über die Ziellinie zu ihrem ersten Hawaii-Sieg. Vor einem Jahr hatte es die 36-Jährige bereits auf den dritten Platz geschafft. "Das ist fantastisch, ich kann es selbst kaum glauben", sagte Haug. Sie wird wie Frodeno von Dan Lorang trainiert. Es war ihr erst viertes Rennen über diese Distanzen.

Ironman Hawaii

Überglücklich im Ziel: Anne Haug nach ihrem ersten Triathlon-Sieg auf Hawaii.

(Foto: dpa)

Haug bot von Beginn an eine starke und vor allem taktisch exzellente Leistung. Sie spielte ihre Laufstärke voll aus und benötigte am Ende 8:40:10 Stunden. Mit dem vierten Platz bestätigte zudem Laura Philipp, dass auch bei den Frauen eine deutsche Ära beginnen könnte.

Dabei sah es nicht immer nach einem deutschen Sieg aus: Haug war mit 8:01 Minuten Rückstand auf die spätere Zweite Lucy Charles-Barclay in die zweite und letzte Wechselzone gekommen. Doch auch nach bereits sechseinhalb Stunden körperlicher und mentaler Schwerstarbeit wirkte sie auf der Laufstrecke immer noch frisch. Kilometer um Kilometer verkürzte sie den Rückstand auf Charles-Barclay. Noch vor der Hälfte der 42,2 Kilometer konnte die Deutsche ihre Widersacherin vor sich sehen. Nach siebeneinhalb Stunden zog Haug schließlich an Charles-Barclay vorbei.

"Wenn man einen Blackout für zwei, drei Sekunden hat, ist es gefährlich"

Kein guter Tag war es hingegen für Doppelchampion Patrick Lange: Er hatte in der Nacht auf Samstag leichtes Fieber bekommen. Lange entschied sich zwar dennoch für einen Start, vor dem zunächst auch alles wieder in Ordnung schien, nach dem Schwimmen, in dem sich Lange in der Spitzengruppe mit Frodeno behaupten konnte, fiel er aber auf der Radstrecke zurück.

Nach etwa 70 Kilometern bremste er jedoch ab, fuhr rechts ran und krümmte sich über seinem Lenker. Er rollte nochmal ein paar Meter auf dem Standstreifen, dann war das Rennen für ihn vorbei. "Ihm ist plötzlich schwindelig und schwarz vor Augen geworden. Wenn man einen Blackout für zwei, drei Sekunden hat, ist es gefährlich. Da gibt es keine Option mehr", erklärte Langes Manager Jan Sibbersen. Was für Lange zum nächsten Höhepunkt nach Platz drei bei seinem Hawaii-Debüt 2016 und seinen beiden Siegen 2017 und 2018 hätte werden sollte, geriet so zum Tiefschlag. "Die Enttäuschung ist groß, das wird auch noch ein bisschen dauern. Es gibt nur einen Tag, an dem es um alles geht, und wenn es an dem einen Tag nicht geht, muss man nochmal 364 Tage warten", sagte Sibbersen.

Frodeno hingegen rannte drei Jahre und vier Tage nach seinem letzten Sieg 2016 zu seinem dritten Titel. Nachdem er 2017 wegen einer Verletzung geschwächt und im vergangenen Jahr wegen einer Stressfraktur in der Hüfte nur als Zuschauer und TV-Experte auf Hawaii gewesen war, bewies er nun wieder sein Können. Nach gewohnt starkem Schwimmen fuhr er in einer kleinen Spitzengruppe auf der Radstrecke. Etwa 20, 30 Kilometer vor dem Wechsel auf die Laufstrecke erhöhte er das Tempo - und keiner kam mit. So lief er bei Temperaturen von mehr als 30 Grad mit einem Vorsprung von mehr als zwei Minuten auf den ersten Verfolger los. Die Aussicht, den Rekord von Lange auch noch unterbieten zu können, trieb Frodeno weiter an. Er legte ein gehöriges Tempo vor - und hielt es durch.

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