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Ilie Nastase:Platzverweis für den Tennis-Wüterich

Romania's head coach Ilie Nastase reacts while watching the FedCup Group II play-off match between Romania and Great Britain, in Constanta county

Rumäniens Teamchef Ilie Nastase.

(Foto: REUTERS)
  • Rumäniens Teamchef Ilie Nastase wird beim Fed-Cup des Platzes verwiesen und muss Sanktionen fürchten.
  • Zuvor hatte er sich eine Reihe inakzeptabler Sprüche geleistet.
  • "Kein Spieler, Offizieller, Journalist oder Fan sollte irgendwelchen Angriffen ausgesetzt sein", sagt der ITF-Präsident.

Ilie Nastase war immer ein Tennisspieler, der auch mit Sprüchen austeilte. Über seinen Rivalen Björn Borg aus Schweden sagte der Rumäne einmal: "Man sollt Borg auf den Mond schießen." Mit einem charmanten Zusatz - "Wir spielen alle Tennis, er spielt etwas anderes" - bekam Nastase damals die Kurve. Am Wochenende aber schoss er weit über alle Ziele hinaus und bescherte dem Tennis einen Skandal.

Nastase, der 1972 die US Open und 1973 die French Open gewann, ist inzwischen 70 Jahre alt und Kapitän der rumänischen Fed-Cup-Auswahl. Die trat am Wochenende in Constanta zur Relegationspartie gegen Großbritannien an und gewann 3:1. Während des zweiten Matches wurde Nastase jedoch zunächst des Platzes und später sogar von der Anlage verwiesen, wegen "unakzeptablen Verhaltens", wie der Tennisweltverband ITF mitteilte. Es wird eine Untersuchung geben und wahrscheinlich auch Sanktionen, ITF-Präsident David Haggerty sagte bereits: "Kein Spieler, Offizieller, Journalist oder Fan sollte irgendwelchen Angriffen ausgesetzt sein." In der Partie zwischen der britischen Nummer eins Johanna Konta und Sorana Cirstea beschimpfte Nastase die britische Spielerin, die britische Teamchefin Anne Keothavong sowie den Schiedsrichter. Laut Ohrenzeugen soll er dabei Schimpfwörter wie "fucking bitches" gebraucht haben. Bis er von der Anlage geschafft war und das Publikum sich beruhig hatte, dauerte es fast eine halbe Stunde. Nastases Verfehlungen auf dem Platz waren zuvor bereits etliche andere jenseits davon vorausgegangen. Beim obligatorischen Foto nach der Auslosung hatte Nastase sich demonstrativ nah neben die 33 Jahre alte Keothavong gestellt und diese nach ihrer Zimmernummer im Hotel gefragt.

Nastase beschimpft auch Journalisten

Als seine Spielerin Simona Halep zu dem Kind gefragt wurde, das die schwarze Spitzenspielerin Serena Williams und ihr weißer Verlobter erwarten, äußerte Nastase auf Rumänisch: "Ich bin gespannt, welche Hautfarbe es hat. Milchschokolade?" Eine britische Journalistin, die darüber berichtete, beschimpfte Nastase am Samstagvormittag im Pressezentrum minutenlang. Seine Unterstellung: Die britischen Medien würden versuchen, ihn in eine Ecke zu treiben.

Trotz zahlreicher Skandale ist Nastase für viele Rumänen immer noch ein Idol. Als er des Stadions verwiesen wurde, stimmten die Fans Sprechchöre an. Als der Britin Johanna Konta daraufhin die Tränen kamen, unterbrach der Schiedsrichter die Partie. Simona Halep bemühte sich mit einer Ansage, die Menge zu beruhigen. Als es weiterging, gewann Konta fünf Spiele nacheinander und die Partie 6:2, 6:3, woraufhin die Unterlegene Sorana Cirstea Vorwürfe erhob: Konta habe übertrieben und beim Stand von 1:3 die Pause strategisch genutzt. Sie selbst sei "überall auf der Welt" schon übler beschimpft worden, so Cirstea.

Zuvor hatte bereits Simona Halep Nastases Kommentare über Serena Williams heruntergespielt. "Das war nicht respektvoll, aber ich glaube, es war auch nicht böse gemeint", sagte die 25-Jährige. Sie findet: "Man kann Ilie nicht böse sein. Er ist einfach so."

© SZ vom 24.04.2017/ebc
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