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Holger Badstuber:Plötzlich blau

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Plötzlich Gegner: Auch Bayern-Stürmer Robert Lewandowski muss sich an den Schalke-Verteidiger Holger Badstuber (Mitte) erst noch gewöhnen.

(Foto: Ulmer/imago)

Holger Badstuber bestreitet sein erstes Fußballspiel für einen anderen Verein als die Bayern. Die Fans setzen ein Zeichen.

Von Claudio Catuogno

Der breite schwäbische Singsang. Das leichte Übersteuern der Stimme. Oder allein schon die schnoddrig-zackige Art, das Wort Fußballspielen auszusprechen, Fusssssballspieln. Es liegt wahrscheinlich auch daran, dass der Innenverteidiger Holger Badstuber, 27, in Interviews immer so geklungen hat, als sei er besonders eng mit dem FC Bayern verwoben: Wenn man Badstuber zuhört und dabei die Augen zumacht, meint man fast zwangsläufig, da spreche Uli Hoeneß. Und kann sich jetzt bitte mal jemand Uli Hoeneß im Schalke-Trikot vorstellen?

Holger Badstuber ist 1989 in Memmingen/Allgäu geboren, seit 2002 hat er - abgesehen von 31 Partien mit der Nationalelf - jedes seiner Fußballspiele für den FC Bayern bestritten. Aber weil er da zuletzt immer seltener Fusssssballspieln durfte, gebeutelt von einer abenteuerlichen Verletzungsgeschichte seit seinem Kreuzbandriss 2012, ist Badstuber jetzt eben Schalker, wenn auch nicht ganz - ausgeliehen bis Saisonende, danach sieht man weiter. Weil der Fußball so ist, wie er ist, nämlich ein Schöpfer immer neuer "Ausgerechnet"-Geschichten, war es klar, gegen wen Badstuber nun das erste Pflichtspiel seiner Profikarriere für einen anderen Klub als die Bayern bestreiten würde: ausgerechnet gegen die Bayern!

Badstuber hat das mit den Loyalitäten am Samstag beim 1:1 seiner beiden Vereine gegeneinander ganz ordentlich sortiert gekriegt. Vor Robert Lewandowskis Führungstreffer hatte er ein bisschen Pech, dass ihm ein Ball zu Arjen Robben versprang. Aber generell habe er seine Sache "gut gemacht", fand nicht nur der Trainer Markus Weinzierl, "man hat seine Qualitäten gesehen, seine Ruhe am Ball". Und der Manager Christian Heidel erkannte in ihm auf den ersten Blick jenen Spieler wieder, "der eine prima Spieleröffnung hat, der den Ball flach ins Zentrum spielen kann und nicht hoch nach vorne knallt" - exakt das hatten die Schalker sich für die Partie in München vorgenommen. Einmal spielte Badstuber die alten Kollegen Thomas Müller und Arjen Robben sogar mit einer gewagten Links-rechts-Kombination aus. Dass Weinzierl seine Schalker mit einer Dreierkette agieren lässt, "weil wir mit der Viererkette nicht zurecht kamen, und weil wir die Persönlichkeiten dafür haben", kam Badstuber erkennbar entgegen. Höwedes, Naldo, Badstuber - klingt nach einem schlüssigen Stabilitätskonzept. Auch wenn alle Beteiligten darauf Wert legen, dass Schalke auch bisher schon versierte Abwehrspieler hatte, und dass Badstuber daher nicht gesetzt sein wird.

"Gas geben, was leisten", das hat er sich vorgenommen. Fusssssballspieln. So speziell wie zum Debüt dürfte es so bald nicht mehr werden. Als Badstuber in der 58. Minute ausgewechselt wurde - eine Vorsichtsmaßnahme, der Oberschenkel zwickte -, winkte er fast routiniert den Schalke-Fans im Oberrang zu. Später, nach dem Abpfiff, trieb es ihn aber noch mal raus auf den Rasen - um sich auch bei den Bayern-Fans zu bedanken. Die haben ihn seit jeher besonders ins Herz geschlossen, wegen seiner bayerischen Herkunft, seiner Geradlinigkeit, und auch, weil er sich wieder und wieder zurückkämpfte. Sie hatten ihm auch diesmal zugejubelt, ungeachtet des falschen Trikots.

Klar wisse er um die Rivalität der Klubs, sagte Badstuber, "aber es ging mir da um die Geste der Fans, die ist nicht selbstverständlich". Holger Badstuber trug inzwischen einen blauen Schalke-Mantel. Uli Hoeneß würde den nicht mal im Karneval anziehen.

© SZ vom 06.02.2017
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