Hannover 96 "Kann passieren, egal!"

Hauptthemen: Spielaufbau und Teamgeist! Hannovers neuer Trainer Thomas Doll bei der Arbeit.

(Foto: Holger Hollemann/dpa)

Mit einfacher Methodik versucht der neue Trainer Thomas Doll, Hannovers verunsicherte Elf für das Spiel gegen Leipzig zu stärken.

Von Jörg Marwedel, Hannover/Hamburg

Am Donnerstagmittag war die Verpflichtung von Thomas Doll, 52, als Trainer von Hannover 96 vor dessen Debüt an diesem Freitagabend gegen RB Leipzig gar nicht das erste Thema in der niedersächsischen Hauptstadt. Obwohl Doll "ohne Wunschzettel angereist" war, sollte ihm doch noch ein Wunsch erfüllt werden. Manager Horst Heldt bestätigte, dass man eine Transfervereinbarung mit Borussia Dortmund erzielt und Shinji Kagawa, 29, einen Vertrag vorgelegt habe. Allerdings war die Konkurrenz zu groß: Der Japaner schlug das Angebot aus, flog im Privatjet nach Istanbul und einigte sich stattdessen mit Besiktas auf eine Ausleihe bis zum Saisonende. Thomas Doll muss also ohne einen neuen Hoffnungsträger im Abstiegskampf auskommen.

Die Aufgabe des neuen 96-Trainers, den Tabellenvorletzten nach nur elf Punkten aus 19 Spielen zu retten, ist derzeit eine der schwierigsten in der Bundesliga. Immerhin haben zwei ehemalige Profis Mut gemacht: Der frühere HSV-Torwart Frank Rost hob hervor, Doll könne "Spieler mitreißen". Und der in Budapest lebende Rekordnationalspieler Lothar Matthäus meinte, sein Kumpel, den er oft in Ungarns Hauptstadt getroffen habe, als Doll fast fünf Jahre Ferencvaros coachte (bis Sommer 2018), habe Spielern gegenüber "eine tolle Ansprache". Hannovers Präsident Martin Kind ließ wissen, man habe bewusst "einen anderen Typus" gewählt als den bisherigen Coach André Breitenreiter. Auch deshalb erwartet Manager Heldt "eine positive Reaktion" der Mannschaft.

Doll hat in seinen ersten vier Tagen versucht, der verunsicherten Truppe mit einfachen Dingen neues Selbstvertrauen einzuimpfen. "Helft euch", fordert er während des Trainings immer wieder. Fast jeden Pass und Schuss kommentierte er. Misslingt etwas, sagt er: "Kann passieren, egal!" Gelingt etwas, sagt er: "Gut, so geht das!" Überhaupt gibt Doll "wie ein italienischer Verkehrspolizist" die Richtung vor, schrieb die Neue Presse. Zackig und ständig in Bewegung. Und er tätschelt Spielern auch mal den Rücken, um sie zu stärken. Das allerdings tat sein Vorgänger auch.

Dolls Hauptthemen dieser Woche waren: Spielaufbau (deshalb auch das Bemühen um Kagawa) - und mannschaftliche Geschlossenheit. Beides fehlte zuletzt. Sogar einfache Übungen wie das Passen, ohne auf den Ball zu schauen, lässt er ausführen. "Wer den Ball hat, darf nicht die ärmste Sau sein", ruft Doll. Und nachdem er die ersten Einheiten abgespult hatte, nahm er einen weiteren Satz aus dem verbalen Baukasten eines Trainers: "Die Spieler arbeiten intensiv. Sie sind konzentriert und fokussiert." Als er am Donnerstag die Pressekonferenz vor dem Spiel abhielt, sagte er, nun stünden 15 Spiele an, die sich "wie Finals anfühlen sollten". Also 15 Endspiele.

Die Winterzugänge Kevin Akpoguma und Nicolai Müller werden auch bei Doll spielen, der Rückkehrer Jonathas wird wohl noch auf der Bank Platz nehmen. Sonst ist ungewiss, wie sehr Doll die Aufstellung gegenüber dem 1:5 von Dortmund verändert. Das Spiel hatte er sich im Fernsehen angeguckt, weil er da längst schon Kontakt mit Manager Heldt hatte. Aber ob er auch schon weiß, dass eine Niederlage gegen Leipzig die fünfte Heimniederlage hintereinander wäre?