Handballer Michael Kraus:Unvollendet zurück in die Provinz

Lesezeit: 3 min

HSV Handball v THW Kiel - DKB-HBL

Zurück nach Göppingen? Michael Kraus vom HSV Hamburg.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Einst galt Michael Kraus als größtes Versprechen im deutschen Handball. Durchgesetzen konnte er sich bei den Topklubs der Liga nicht. Nun entscheidet er sich offenbar für den Neuanfang - in Göppingen, wo alles begann.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Zurück nach Göppingen. Gut möglich, dass Michael Kraus diesen Weg einschlagen wird. Von Hamburg aus auf die A7, runter in den Süden, bis es bei Aalen auf die kleine Bundesstraße geht, in die 60.000-Einwohner-Stadt Göppingen. Hier war Kraus einst das größte Versprechen, das der deutsche Handball seit langer Zeit hervorbrachte.

Viele Sportler machen am Ende ihrer Karriere in jener Stadt Station, wo sie ihre ersten Erfolge hatten. Doch Kraus ist erst 29 Jahre alt. Läuft er in der kommenden Saison tatsächlich für Frisch Auf Göppingen auf, wäre es auch ein kleines Eingeständnis: Dass er es bei den größeren Klubs nicht geschafft hat.

1983 wurde Kraus in Göppingen geboren, 2007 verließ er seine Heimatstadt. In Göppingen wird Handball gelebt, hier hat sich der Klub sympathisch in der Nische etabliert. Kraus ist ein Kind des Vereins. Deutscher Meister war Frisch Auf jedoch seit 41 Jahren nicht mehr. Kraus ging erst zum TBV Lemgo, drei Jahre später zum HSV Hamburg. Früh wurde Kraus eine Weltkarriere in Aussicht gestellt, weil er die Position des Mittelmanns so ungemein explosiv interpretierte. Bei der Handball-WM 2007 hatte Kraus aus dem Nichts seinen Anteil am Titelgewinn. Kraus verließ Göppingen, um ein großer Handballer zu werden.

Nun wählt er offenbar den Weg zurück. "Wir sind so weit klar. Mimi wechselt im Sommer nach Göppingen", sagte Hamburgs Präsident Matthias Rudolph am Montag der Bild-Zeitung. Von einem Dreijahresvertrag ist die Rede. Dem HSV kommen die Abwanderungsgedanken gelegen: Der Rückraummann gehört zu den Topverdienern im Kader, der Meister von 2011 hat nach sehr fetten Jahren einen Sparkurs eingeschlagen. Der Klub identifiziert sich über andere Spieler, will unter anderem mit dem jungen Kroaten Domagoj Duvnjak verlängern. Prägende Akteure wie Igor Vori sollen gehen. Auch Kraus' Abschiedsgedanken passen in den Plan.

Die Bestätigung aus Göppingen steht noch aus. Die Fans spekulieren aufgeregt über die mögliche Rückkehr, bei Frisch Auf hält man sich allerdings bedeckt. "Ein unterschriftsreifer Vertrag existiert nicht", sagte Manager Gerd Höfele der Südwest Presse, "für uns ist Mimi Kraus im Moment eine Option, so lange wir sonst keinen Spieler auf dieser Position verpflichtet haben." Auch Kraus ließ lediglich verlauten, es gebe keine Neuigkeiten. Doch er hat den Wunsch geäußert, den HSV zu verlassen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema