Handball:Zweite Lieferung

SG Flensburg-Handewitt vs HC Erlangen, LIQUI-MOLY Handball Bundesliga, 11.09.21; Flensburg Simon Hald (SG Flensburg-Hand; Handball

Überragender Erlanger Werfer: An alter Wirkungsstätte war Simon Jeppsson (Mitte) auch von Simon Hald und Nationalspieler Johannes Golla (v. l.) nicht zu halten.

(Foto: Mario M. Koberg/Imago/Beautiful Sports)

Der HC Erlangen trotzt der favorisierten SG Flensburg-Handewitt ein 27:27-Unentschieden ab und überzeugt vor allem kämpferisch. Spielerisch bleibt Luft nach oben.

Von Ralf Tögel

Eine große Frage hatte die Erlanger Handballer ja auf ihrem Weg in die neue Bundesliga-Saison begleitet. Trainer Michael Haaß kann trotz des Weggangs des kroatischen Nationalspielers Sime Ivic zum Ligakonkurrenten Leipzig auf einen keinesfalls schwächeren Kader zurückgreifen. Denn in Christoph Steinert wurde nicht nur gleichwertiger Ersatz gefunden - viele schätzen den Linkshänder vor allem in der Abwehr sogar deutlich stärker ein -, sondern auch noch mit dem slowenischen Nationalspieler Patrik Leban auf der Spielmacherposition verstärkt. Die Frage also war, wie stark diese Mannschaft wirklich ist, zumal die Vorsaison aufgrund vieler Ausfälle und der Corona-Umstände als Referenzgröße nicht taugte. Oder flapsiger formuliert: Kann sie liefern, was sie verspricht? Nach dem 27:27-Remis beim hoch eingeschätzten Vorjahreszweiten SG Flensburg-Handewitt kann man sagen: sie kann.

Dabei war erneut im Angriff Luft nach oben: "Wir haben wieder viel verballert", sagte HCE-Geschäftsführer Rene Selke. Schon beim 19:15-Erfolg gegen Leipzig überzeugte der HCE vor allem kämpferisch, im Angriff aber gab es viele Fehlwürfe und technische Fehler. In der Flens-Arena lief es etwas besser für das Team von Trainer Michael Haaß, doch "noch ist längst nicht alles optimal" befand Selke, der Punkt sei daher umso wertvoller. Der wiederum starke Christopher Bissel wurde mit einem feinen Spielzug auf Linksaußen freigespielt und von Flensburgs dänischem Nationalspieler Lasse Svan regelwidrig beim Wurf behindert. Christoph Steinert verwandelte den fälligen Strafwurf mit der letzten Aktion des Spiels nervenstark.

Vorher schon hatten die Gäste eine über weite Strecken sehenswerte Leistung geboten. Zwar legte der Favorit um den starken dänischen Nationaltorhüter Kevin Möller meist vor, doch die Erlanger wussten wie schon gegen Leipzig in der Abwehr zu überzeugen. Kämpferisch war dieser Mannschaft schon in der Vorsaison nie ein Vorwurf zu machen, diese Einstellung hat sie in die neue Spielzeit transferiert. Selbst als Flensburg eine Viertelstunde vor der Schlusssirene das erste Mal auf vier Tore enteilt war, kämpfte sich Erlangen zurück.

Erlangens schwedischer Nationalspieler Simon Jeppsson zeigt an alter Wirkungsstätte eine Galavorstellung

Überragender Akteur auf Erlanger Seite war der schwedische Nationalspieler Simon Jeppsson, der an alter Wirkungsstätte den 2750 Zuschauern offenbar veranschaulichen wollte, dass es ein Fehler war, ihn ins Frankenland ziehen zu lassen. Neun Treffer steuerte Jeppsson zum Ergebnis bei, womit er bester Torschütze der gesamten Partie war. Linksaußen Bissel traf fünfmal, das Eigengewächs präsentiert sich derzeit in blendender Verfassung. Steinert warf den Ball neben dem entscheidenden Siebenmeter weitere drei Mal ins Schwarze und auch das Spiel über den Kreis, das gegen Leipzig nur rudimentär vorhanden war, klappte deutlich besser - Sebastian Firnhaber profitierte mit drei Treffern. Der slowenische Nationaltorhüter Klemen Ferlin war der große Rückhalt der Abwehr, bestens ergänzt von Martin Ziemer, der auch den letzten Wurf des Gegners parierte und so das Remis erst ermöglichte.

Natürlich will Selke den prächtigen Saisonstart überbewerten und wollte auch nicht unerwähnt lassen, dass Flensburg Verletzungssorgen plagten, vor allem der norwegische Nationalspieler Magnus Röd im rechten Rückraum ist nicht zu ersetzen. Aber Flensburg spielt eigentlich in einer anderen Liga, die Mannschaft hat Weltklasse-Format und zählt auch finanziell zur Liga-Elite. Entsprechend zerknirscht sprachen die Gastgeber hernach von einem Patzer gegen den Underdog. Selke sprach von einer Sensation, sein Team habe "in der Schlussphase taktisch sehr klug gespielt". Ein Lob, das vor allem an Haaß gerichtet war, der sein Team vor dem letzten Angriff goldrichtig eingestellt hatte. Die Erlanger haben bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. Jedenfalls haben sie nun schon zum zweiten Mal geliefert.

© SZ/sewi
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