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Ärger beim THW Kiel:"Grob fahrlässig"

THW Kiel v SC Magdeburg - Liqui Moly Handball Bundesliga

"So geht man mit einem Mitglied der Handball-Familie nicht um", echauffierte sich Kiels Trainer Filip Jicha (rechts).

(Foto: Martin Rose/Getty Images)

Nur einen Tag, nachdem ihre Quarantäne abgelaufen ist, müssen die Spieler des THW Kiel in der Handball-Bundesliga antreten - Trainer Jicha erhebt Vorwürfe.

Von Carsten Scheele

Genügt eine Trainingseinheit nach 14-tägiger Quarantäne, um sich auf ein Topspiel vorzubereiten? Ja, urteilten die Organisatoren der Handball-Bundesliga (HBL), die den Rekordmeister THW Kiel mit dürftigster Vorbereitungszeit in die Partie am Sonntag gegen den SC Magdeburg schickten. Für die Profis war es ein regelrechter Kaltstart: Bis zum Freitagabend saßen sie nach einem positiven Fall in der Mannschaft die vom Gesundheitsamt verordnete Quarantäne ab, am Samstagvormittag wurde kurz trainiert, am Sonntagabend bereits gespielt. Ein Antrag der Kieler auf Spielverlegung: abgelehnt.

Besonders dank Torhüter Niklas Landin, jüngst großer Rückhalt Dänemarks beim Gewinn der Weltmeisterschaft, ging die Partie nur halbwegs schief, Kiel erreichte in den Schlusssekunden ein 24:24 (11:14) gegen den Tabellenfünften SC Magdeburg. Trainer Filip Jicha aber war nach Abpfiff kaum zu bremsen. "Grob fahrlässig", nannte der Tscheche den Befehl zum Anpfiff: "Da wurde etwas gemacht, von dem ich in meinem Leben nicht geglaubt habe, dass es überhaupt passieren kann."

Jicha, 38, war zuvor bei den Gesprächen mit dem Ligaverband dabei gewesen. Da habe er noch den Eindruck gehabt, dass die Sorgen des Vereins gehört worden wären. "Aber dann zu sagen, entweder du spielst oder du verlierst die Punkte, ist nicht schön." Sein Fazit: "So behandelt man kein Mitglied der Handball-Familie."

Für die Kieler geht es knackig weiter: sechs Spiele in zwölf Tagen

Die Kieler sind auch deshalb angesäuert, weil es im Saisonfinale um jeden Punkt gehen dürfte. Erneut zeichnet sich ein Zweikampf Flensburg - Kiel um den Titel ab. Tröstlich für den THW war da nur, dass der Nord-Rivale im Heimspiel gegen Lemgo (27:27) ebenfalls unentschieden spielte. Allerdings hängt die Tabelle noch schief: Flensburg (30:4 Punkte) hat wie die RN Löwen (25:9) bereits 17 Spiele absolviert, Kiel (23:3) erst 13. Was vorrangig daran liegt, dass der THW im Dezember das Champions-League-Turnier spielte und gewann - eine Tatsache, die einen hohen PR-Wert für die gesamte Sportart hat.

All dies ist wichtig in der aktuellen Debatte, und die Forderungen der Norddeutschen waren nicht mal üppig gewesen. 72 Stunden mehr Vorbereitungszeit nach der Quarantäne hatten sie sich erbeten, doch selbst dafür fand die HBL im Kalender keinen Platz. Nach der WM, diversen Corona-Fällen und damit verbundenen Spielverlegungen sind bis zum Saisonende im Juni angeblich kaum noch Lücken im Kalender. Es war kein anderer Termin zu finden, befand auch Uwe Schwenker, viele Jahre selbst Manager des THW und heute Präsident der HBL.

Auf Verständnis in seinem alten Klub kann Schwenker kaum hoffen. "Die Spieler sollten nicht darunter leiden, dass wir in einer weltweiten Pandemie stecken", sagte Jicha. Auch THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi fragte: "Ist es das wert, das jetzt so durchzuballern?" Gleichwohl waren es am Ende die Kieler Spieler, die entschieden, gegen Magdeburg anzutreten und die Punkte somit nicht kampflos abzugeben. Es geht nun weiter, sechs Spiele in zwölf Tagen, viermal Champions League, zweimal Bundesliga. Viel Zeit zum Trainieren bleibt da nicht in dieser Hatz.

© SZ/hoe
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