Handball-EM:Ein Sieg fürs gute Gefühl

Handball-EM: Tobias Reichmann beim Wurf.

Tobias Reichmann beim Wurf.

(Foto: AFP)
  • Das deutsche Handball-Team gewinnt das bedeutungslose letzte EM-Hauptrundenspiel gegen Tschechien mit 26:22 (13:10).
  • Bundestrainer Christian Prokop nutzt das Duell für Wechsel.
  • Am Samstag geht es gegen Portugal um Platz fünf.

Von Joachim Mölter, Wien

Die Rundreise der deutschen Handballer durch Europa nähert sich ihrem Ende. Nach der Vorrunde in Norwegen brachte sie am Mittwochabend auch die Hauptrunde in Österreich hinter sich, nach dem 26:22 (13:10) gegen Tschechien geht es zurück in den Norden, zur Finalrunde nach Schweden, dorthin hatten sie von Anfang an hingewollt. "Unser Ziel war Stockholm", sagte Hendrik Pekeler, "aber nicht das Spiel um Platz fünf."

In dem trifft die Auswahl des Deutschen Handballbundes am Samstag (16 Uhr/ARD One) auf Portugal, das Überraschungsteam dieser Europameisterschaft. Ursprünglich hatten die deutschen Handballer in Stockholm am Halbfinale teilnehmen wollen, aber dieses Ziel haben sie mit dem 24:25 gegen Kroatien am vorigen Samstag verpasst: "Wir waren ganz nah dran", fand Sportvorstand Axel Kromer und fügte hinzu: "Das Spiel um Platz fünf ist nichts, wofür man sich schämen muss."

An Kapitän Uwe Gensheimer läuft auch diese Partie weitgehend vorbei

Für diese Partie hatten sich die Deutschen bereits am Montag qualifiziert, durch das 34:22 über Co-Gastgeber Österreich. Sportlich war es in der Wiener Stadthalle um nichts mehr gegangen gegen die Tschechen, für Bundestrainer Christian Prokop begann damit aber schon die Vorbereitung auf das Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin (17. bis 19. April). Bis dahin hat er nur noch einmal die Gelegenheit, mit seiner Auswahl zu testen, im März gegen die Niederlande. "Ein Freundschaftsspiel hat nicht den gleichen Gehalt wie ein EM-Spiel", hatte Prokop auf die Bedeutung der verbleibenden Partien bei dieser EM verwiesen. "Wir wollen mit einem guten Gefühl aus dem Turnier rausgehen", hatte er wiederholt betont.

Gegen Tschechien musste er ohne den Defensivspezialisten Patrick Wiencek auskommen; der Kreisläufer vom deutschen Rekordmeister THW Kiel durfte wegen einer Knieblessur pausieren und wurde im 16-Mann-Kader durch den Rückraumspieler Marian Michalczik aus Minden ersetzt. Etwas geschont wurde auch Hendrik Pekeler, Wienceks Nebenmann im Abwehrzentrum. Pekeler klagt schon seit einiger Zeit über Probleme an der Achillessehne. "Wir werden mehr durchwechseln als sonst", hatte Christian Prokop angekündigt, "jeder soll Spielanteile bekommen und sie auch nutzen." Trotz allem hatte er das Spiel gewinnen wollen.

Torwart Johannes Bitter gab der Mannschaft weiteren Rückhalt

Prominentester Akteur der Tschechen ist der inzwischen 36 Jahre alte Ondrej Zdrahala. Der Rückraumspieler war bei der EM 2018 Torschützenkönig mit 55 Treffern; auch bei diesem Turnier gehört er zu den besten Werfern, bis zum Duell gegen Deutschland hatte er bereits 35 Tore auf seinem Konto. Am Mittwochabend kamen nur noch zwei dazu, davon eins per Siebenmeter. Ein Indiz, dass die Abwehr auch ohne ihre erfahrene Zentrale Wiencek/Pekeler stabil stand. Phasenweise hielten die beiden 22 Jahre alten Michalczik und Johannes Golla den Innenblock zusammen.

Und dahinter gab Torwart Johannes Bitter der Mannschaft weiteren Rückhalt. Die Paraden des bereits 37 Jahre alten Weltmeisters von 2007 waren vor allem nach der Pause wichtig, als das Angriffsspiel der DHB-Auswahl aufgrund der von Prokop angekündigten Wechsel phasenweise ins Stocken geriet und Tschechien mehrmals zum Ausgleich kam. Vor allem die Rückraumspieler Philipp Weber (fünf Tore) und Kai Häfner sowie Rechtsaußen Tobias Reichmann (beide vier) hielten es letztlich in Gang. Dabei hätte Reichmann sein Konto sogar noch weiter aufstocken können: Nachdem er im bisherigen Turnierverlauf 17 von 18 Siebenmetern verwandelt hatte, scheiterte er am Mittwoch gleich zweimal an Tschechiens Torwart Martin Galia.

Dennoch dürfte auch Reichmann mit einem halbwegs guten Gefühl von der EM nach Hause fahren. Ganz im Gegensatz vermutlich zu seinem Kollegen Uwe Gensheimer auf der linken Außenbahn. Am Kapitän der Auswahl lief auch dieses Spiel weitgehend vorbei. Dass er nach Reichmanns Fehlwürfen noch einen Siebenmeter verwandeln durfte, wird ihn kaum zufrieden gestellt haben.

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