Handball-EM:Nur die Fluglinien haben Freude

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Handball-EM: Viel Routine: Der Spanier Joan Canellas ist mittlerweile 35 Jahre alt und sehr erfahren. Jahrelang war er bei Topteams in der Bundesliga engagiert, derzeit spielt er für Schaffhausen in der Schweiz.

Viel Routine: Der Spanier Joan Canellas ist mittlerweile 35 Jahre alt und sehr erfahren. Jahrelang war er bei Topteams in der Bundesliga engagiert, derzeit spielt er für Schaffhausen in der Schweiz.

(Foto: Petter Arvidson/Bildbyran/Imago)

Lediglich die deutschen Gruppengegner Spanien und Norwegen gehen ohne Corona-Ausfälle in die Hauptrunde. Russland und Schweden müssen ebenfalls auf wichtige Akteure verzichten.

Von Ralf Tögel

Gleich am ersten Spieltag der Handball-EM kam es in Szeged zum Aufeinandertreffen zweier Favoriten, Olympiasieger Frankreich bezwang Kroatien, den EM-Zweiten von 2020. Doch so ganz aussagekräftig war der Vergleich dann nicht, die Kroaten mussten auf ihre zwei Spielmacher verzichten: Der Kieler Domagoj Duvnjak und Luka Cindric, Regisseur beim FC Barcelona, befanden sich in Quarantäne. Kroatien geht wegen der Niederlage ohne Punkte in die Hauptrunde.

Die positiven Corona-Befunde haben seither zugenommen. Wie der europäische Verband EHF mitteilt, sind bis auf Norwegen und Spanien alle Mannschaften betroffen. Frankreichs Trainer Guillaume Gille, dem Linksaußen Karl Konan fehlt, sieht in diesem Fall "ein Spiegelbild des gesamten Wettbewerbs". Nie zuvor sind so viele nachnominierte Profis kreuz und quer durch Europa zu einem Turnier nachgeflogen, was wohl nur den Fluglinien Freude bereitet.

Den betroffenen Teams ist der Spaß längst vergangen, allen voran der DHB-Delegation. Keine andere Nation wurde derart gebeutelt, Trainer Alfred Gislason muss zum Start der Hauptrunde auf bis zu zwölf infizierte Spieler verzichten.

Dort werden in zwei Sechsergruppen die vier Halbfinalisten ermittelt, es warten Titelverteidiger Spanien (Donnerstag, 18 Uhr), der EM-Dritte Norwegen (Freitag, 20.30 Uhr), der WM-Zweite Schweden (Sonntag, 18 Uhr) und die überraschend starken Russen (Dienstag, 18 Uhr). Die Spanier sind nicht nur von Corona bisher verschont geblieben, auch der Umbruch, den sie wie Deutschland begonnen haben, fällt weniger hart aus. Zwar fehlen in Raúl Entrerrios, Daniel Sarmiento, Julen Aguinagalde, Viran Morros und den verletzten Dushebajev-Brüdern Alex und Daniel Eckpfeiler der beiden Titelgewinne von 2018 und 2020. In Gedeón Guardiola, Joan Cañellas und Ferran Sole ist aber nach wie vor reichlich Routine im Team vorhanden. Und Qualität sowieso, wie die drei Vorrundensiege, unter anderem gegen Schweden, zeigen.

Russland ist das Überraschungsteam neben Deutschland, hat aber ebenfalls drei positiv getestete Spieler

Auch Norwegen geht - Stand Mittwoch - in Vollbesitz seiner Kräfte in die zweite Turnierphase und hat viel Klasse im Kader: Spieler wie Sander Sagosen, der womöglich weltbeste Handballer, Harald Reinkind (beide Kiel) oder Christian O'Sullivan (Magdeburg) zählen zu den Topkräften in der Handball-Bundesliga.

Vizeweltmeister Schweden hat mit der Niederlage gegen Spanien an Souveränität eingebüßt, sich aber mit einem 27:27 gegen Tschechien in die Hauptrunde gezittert. Der Kader ist gespickt mit Topspielern wie Keeper Andreas Palicka (Rhein-Neckar Löwen), Niclas Ekberg (Kiel), Jim Gottfridsson und Hampus Wanne (beide Flensburg). Trainer Glen Solberg fehlen aber die infizierten Stammkräfte Daniel Pettersson auf dem rechten Flügel und Kreisläufer Max Darj.

Das Überraschungsteam neben dem DHB ist Russland, der Star ist der Trainer: Velimir Petkovic ist in der Bundesliga nach Stationen in Wetzlar, Göppingen und bei den Füchsen Berlin bestens bekannt, seine Spieler nicht, das Gros spielt in der heimischen Liga. Der Sieg gegen Norwegen war beachtlich, Petkovic muss aber nun die positiv getesteten Evgeny Dzemin (Rückraum links), Andrei Vereshchagin (Tor) und Daniil Shishkarev (Rechtsaußen) ersetzen.

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