Handball:Der Pantherkäfig erwacht

3. Handballbundesliga 6. Spieltag:  09.10.2021 TuS Fürstenfeldbruck vs. HBW Balingen-Weilstetten II; Max Horner

Wieder enteilt: Gegen die Bundesliga-Reserve von Balingen-Weilstetten erzielte Max Horner 16 Treffer, nun ist er bester Torschütze der gesamten Liga an.

(Foto: Tanja Eikerling/xklicks)

Der Zweitliga-Absteiger TuS Fürstenfeldbruck legt einen makellosen Start in die dritte Liga hin. Dabei gelingt es, abgewanderte Schlüsselspieler zu ersetzen, auch dank Max Horner, der sogar die Liga-Torschützenliste anführt.

Von Heike A. Batzer

Die Tage im Leben von Max Horner sind streng durchgetaktet. Als Polizist arbeitet der 23-Jährige im Schichtdienst. Die Freizeit will da gut organisiert sein. Und wenn man wie Horner auch noch hochklassig Handball spielt und dabei bisweilen durch ganz Deutschland reist, braucht es eine gute Logistik. Und so brach er damals gleich mit der Sporttasche unter dem Arm zum Nachtdienst auf, um am Morgen danach pünktlich am Bahnhof zu stehen und zum Zweitligaspiel nach Gummersbach zu fahren. Fehlenden Schlaf holt er im Zug nach, genauso wie nach der Partie in Lübeck, als er umgehend die Rückreise antreten musste, um am nächsten Tag auf der Dienststelle zu erscheinen. Es komme öfter mal vor, dass er am Folgetag arbeiten müsse, sagt er lapidar. Schicht- und Spielpläne versucht er irgendwie in Einklang zu bringen.

Vor drei Jahren ist Horner aus Haunstetten zu den Handballern des TuS Fürstenfeldbruck gekommen. In der Aufstiegssaison zur zweiten Liga fiel er wegen eines Kreuzbandrisses aus, in der folgenden Zweitligasaison spielte er sich bis in die "Mannschaft des Tages". Dass die Brucker Panther nach dem Abstieg nun gleich einen blitzsauberen 12:0-Punkte-Start in Liga drei hinlegten, hat auch mit Max Horner zu tun. Bemerkenswerte 16 Tore machte er zuletzt beim 41:34-Punktspielsieg gegen das Nachwuchsteam des Bundesligisten Balingen-Weilstetten - obwohl er in der Nacht zuvor Schichtdienst hatte. Er habe während des Spiels "gemerkt, dass es gut läuft", erklärt Horner bescheiden. 51 Treffer hat der Linkshänder damit nach sechs Spieltagen erzielt, führt die Torschützenliste in der Spielklasse an - und das ohne einen einzigen Siebenmeter. Dabei sind die Top-Torjäger meist jene Handballer, die in ihren Teams auch zu den Strafwürfen antreten, so wie es Falk Kolodziej im Vorjahr bei den Fürstenfeldbruckern war.

Eine sofortige Rückkehr in die zweite Bundesliga haben sich die Brucker gar nicht vorgenommen

Kolodziej und Johannes Stumpf aber sind inzwischen weg und damit die wichtigsten Schaltstellen im Rückraum. Eine Lücke aber tat sich nicht wirklich auf, denn Horner auf der halbrechten Position und der zum neuen Spielmacher umfunktionierte Yannick Engelmann haben schnell gelernt, das vermeintliche Vakuum zu füllen. Engelmann, bislang als Allrounder im Einsatz, verdiente sich ebenfalls die Anerkennung seines Trainers. Er bringe seine Mitstreiter links und rechts gut in Szene und setze selbst immer wieder zum gefährlichen Sprungwurf an, lobt Martin Wild. Horner steht er in der Anzahl an Toren kaum nach, 47 sind es insgesamt - Platz drei im Liga-Ranking. Das Spiel seiner Mannschaft sei jetzt "fast noch attraktiver, weil es auf mehr Schultern verteilt ist", sagt Wild. Aus der Not eine Tugend machen, nennt man das wohl.

Dabei ist der Kader klein, neben den Langzeitverletzten Alexander Leindl, Benedikt Hack und Cedric Riesner fallen momentan auch Stefan Seitz, Sebastian Meinzer und Torhüter Michael Luderschmid aus. Kurzerhand hat man Benjamin von Petersdorff aus Friedberg als Backup fürs Tor verpflichtet, doch viele Gelegenheiten gab es für ihn noch nicht, weil Louis Oberosler, der gerade mal 19 Jahre alte Nachwuchskeeper, regelmäßig glänzende Reflexe zeigt.

Dabei hatte die Partie gegen Balingen-Weilstetten aus Sicht der Gastgeber anfangs noch nichts von der späteren Euphorie erahnen lassen. In der ersten Hälfte tat sich die Brucker Abwehr schwer, das Spiel blieb ausgeglichen, zur Pause führte der Gastgeber knapp (17:16). Der Auftritt sei zunächst nicht so überzeugend gewesen, erinnert sich Max Horner, "erst hinten raus sah es gut aus". Um die 40. Minute herum nahm das Brucker Spiel Fahrt auf. "Dann war auch der Pantherkäfig wieder da", sagt Wild über die Stimmung unter den etwa 500 Zuschauern. Vom 29:26 an bauten die Gastgeber ihren Vorsprung sukzessive aus. Am Ende, findet Wild, sei der Sieg sogar ein wenig zu hoch ausgefallen.

Dennoch steht ein makelloser Saisonstart für den Zweitligaabsteiger zu Buche. Das hatten Horner und Kollegen dann doch "nicht ganz so erwartet". Aber sie haben auch dazugelernt während ihres einjährigen Gastspiels in der zweiten Bundesliga. Es sei schon eine "Riesenumstellung gegen die Vollprofis" gewesen, erinnert sich Horner. Aber in Corona-Zeiten durften die Zweitligisten ihre Spiele austragen, die übrigen Ligen nicht. Das ist jetzt von Vorteil, weiß auch der Polizeibeamte: "Wir sind sehr gut eingespielt." Am Sonntag geht es in Söflingen weiter, am Ende berechtigen die Tabellenplätze eins und zwei zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde. Eine sofortige Rückkehr in die zweite Bundesliga haben sie sich indes nicht vorgenommen. Noch ist der Verein strukturell nicht in der Lage, auf Dauer mit den professionellen Klubs mitzuhalten. Aber wieder einmal scheint das Team in Vorleistung zu gehen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB